Kunstsammlungen Chemnitz Antifaschistische Ausstellung in Chemnitz sorgt für Diskussionen

Begleitet von Kontroversen über einen Beitrag zum Thema "Antifa - Mythos und Wahrheit" ist am Sonnabend in Chemnitz die Ausstellung "Gegenwarten" eröffnet worden. Dabei sollen bis zum 25. Oktober Projekte von 20 Künstlern und Künstlerinnen im öffentlichen Raum der Stadt gezeigt werden. MDR SACHSEN hat mit den Machern der kontroversen Antifa-Ausstellung gesprochen.

Zwei Besucher sehen ein Plakat mit der Aufschrift "Antifaschistische Aktion" an.
Die Ausstellung "Antifa - Mythos und Wahrheit" des "Peng! Kollektivs" hat bereits vor der Eröffnung für Kontorversen gesorgt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schon im Vorfeld der Eröffnung schlug die antifaschistische Ausstellung des "Peng! Kollektivs" im Museumsshop der Chemnitzer Kunstsammlungen hohe Wellen. So nutzten die Künstler 10.000 Euro Fördergelder, um Gegenstände von antifaschistischen Gruppen und Einzelpersonen zu kaufen. Gezeigt werden zum Beispiel eine Spraydose, mit der Irmela Mensah-Schramm Hass-Graffitis übersprüht hat und ein Banner der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.

Hufeisentheorie - Stein des Anstoßes

Freitagnachmittag kam es dann zum Knall. "Die Kunstsammlungen haben uns mitgeteilt, dass wir einen Ausstellungstext ändern müssen oder die Ausstellung würde nicht eröffnet werden", erzählt Nika Blum, verantwortlich für die Pressearbeit von "Peng!". Konkret geht es um einen Text, in dem das Künstlerkollektiv die AfD, CDU und FDP als Verbreiter der sogenannten "Hufeisentheorie" benennt und kritisiert.

Hufeisentheorie Die Hufeisentheorie versinnbildlicht eine Nähe zwischen Links- und Rechtsextremismus an einem Hufeisen. Der Theorie zufolge sind sich extreme Linke und Rechte demnach in ihren Ansichten (am Ende des Hufeisens dargestellt) sehr nahestehend. Dieses Selbstverständnis habe jedoch wenig mit einem demokratischen Rechtsstaatsverständnis gemein.

Politologen kritisieren diese Theorie. Als "eine der denkfaulsten Konstruktionen der Politikwissenschaft", bezeichnet es die Extremismusforscherin Natascha Strobl. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung kritisiert die Theorie.

Einkaufswagen mit dem Schriftzug "Polizei" auf einer Seite.
In der Ausstellung ist ein nachgebauter Einkaufswagen zu sehen, wie er in der Silvesternacht in Leipzig-Connewitz brannte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Parteipolitische Neutralität oder Kunstfreiheit

"Die Kunstsammlungen haben sich auf ihre parteipolitische Neutralität berufen", so Blum. "Es sah aus, als wenn das ein Statement der Kunstsammlungen ist", so Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz. Daher sei es sein Wunsch gewesen, dass das wegkommt.

Doch eine Änderung kam für die Künstler nicht in Frage. Sie veröffentlichten den Rausschmiss und suchten nach "Kunstasyl". Die Stadt Chemnitz griff umgehend ein und erklärte ausdrücklich, die Ausstellung würde weiterhin in den Kunstsammlungen stattfinden. "Unsere Ausstellung ist ein Teil der 'Gegenwarten' und das hat durch die Kulturhaupstadtbewerbung eine große Strahlkraft", sagte Blum.

Eine Spraydose in einer Vitrine.
Zu sehen ist auch eine Spraydose, mit der Irmela Mensah-Schramm Hass-Graffitis übersprüht hat. Die Objekte werden am 22. August versteigert. Die Einnahmen werden an das Alternative Jugendzentrum (AJZ) in Chemnitz gespendet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kunstsammlungen distanzieren sich

Es sei gut, solche Diskussionen zu führen, sagt Bußmann. Ein solches Spannungsverhältnis müsse man aushalten. Inzwischen ergänzt ein Schild die Ausstellung, auf dem sich die Kunstsammlungen distanzieren. Das hatten die Künstler von vornherein angeboten, so Blum. "Das ist völlig in Ordnung", sagt sie.

Die Kunstsammlungen müssen nicht mit allem 'okay' sein.

Nika Blum Pressesprecherin des "Peng! Kollektivs"

Am Sonnabend herrschte in der Ausstellung ein großer Besucheransturm. Die ganze Treppe hinunter warteten die Besucher, um einen Blick auf die Stücke zu erhaschen. "Wir sind total begeistert, wie gut es angenommen wurde", sagt Blum. "Wir haben nur gutes Feedback bekommen, wie abwechslungsreich die Ausstellungsstücke sind und wie toll es ist, dass sie in den Kunstsammlungen gezeigt werden."

Ausstellungsort bewusst gewählt

Für den Ausstellungsort hatten sich die Künstler ganz bewusst entschieden.

Diese Objekte würden im öffentlichen Raum keinen Tag überleben.

Nika Blum Pressesprecherin des "Peng! Kollektivs"

"Wir haben auch eine menschliche und moralische Verantwortung gegenüber den Geschichten, die an den Ausstellungsstücken hängen", sagt Blum. Außerdem sei es reizvoll, solch eine Ausstellung gerade in einem altehrwürdigen Gebäude wie den Kunstsammlungen zu zeigen. "Wir wollten Antifaschismus nicht im linken Raum zeigen, sondern in einem Raum, in denen Besucher damit konfrontiert sind, die eher unpolitisch oder in der politischen Mitte verortet sind." Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 25. Oktober.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.08.2020 | 19:00 Uhr

38 Kommentare

Eulenspiegel vor 15 Wochen

Hallo Brigitta
Und sie versuchen jetzt alles in den Begriff Antifa hineinzupacken was ihnen gefällt. Sie wollen von diesen viele faschistischen Übergriffen, Hetzen, Morden, Mordversuchen und Morddrohungen ablenken. Und der NSU und der NSU 20 gehört nach ihrer Definition wahrscheinlich zur Antifa. Weil sie ja behaupten es gäbe kein Faschismus in Deutschland. Wen wollen sie dies Ideologisch Wahrheitsverdrehung den verkaufen.

Simone vor 15 Wochen

Komisch, aber die Leute die sich gegen Nazis engagieren und die ich kenne gehen ganz normalen Berufen in Industrie, VErwaltung und dem Staat nach. Von denen distanziert sich keiner von unserem Land wie es uns der Freundeskreis Rechtsextremismus gerne verkaufen will.

Simone vor 15 Wochen

Hähhhh? Wenn ich mich gegen Rechtsextremisten in meiner Umgebung engagiere dann will ich den Sozialismus?

Suchen sie woanders Dumme denen sie erzählen können, dass man nur die Wahl zwischen einer NS Diktatur oder Sozialismus hat. Selbst wenn dem so wäre war der DDS-Sozialismus umlängen besser als das kriegstreibende und industriell mordende NS Regime.

PS: Gegen Rechtsradikale zu sein ist nicht LINKS sondern NORMAL.

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