Ein Schild an einer Schule weist auf einen Hepatitisfall hin.
Bildrechte: MDR/Harry Härtel

15.11.2019 | 16:30 Uhr Hepatitis A-Fall in Chemnitz: Die Folgen für Schüler, Lehrer und Eltern

In Chemnitz ist die Schlossgrundschule wegen eines Falls von Gelbsucht vorübergehend geschlossen worden. Die Hälfte aller Schüler sowie des Lehr-, Hort und Küchenpersonals sind nicht dagegen geimpft. Alle, die keinen Schutz vor Hepatitis A haben, müssen die nächsten vier Wochen zu Hause bleiben. Wer sich jetzt impfen lässt, kann erst Anfang Dezember wieder zur Schule. Doch was machen Eltern der betroffenen Kinder? Wer zahlt, wenn sie nicht zur Arbeit erscheinen? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Ein Schild an einer Schule weist auf einen Hepatitisfall hin.
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Seit Freitag ist die Schlossgrundschule wegen der Erkrankung eines Schülers an Hepatitis A bis einschließlich Mittwoch, den 20. November geschlossen. Wie das Landesamt für Schule und Bildung sowie die Stadt Chemnitz mitteilte, soll das Schulgebäude bis Donnerstag, 21. November gründlich desinfiziert werden, um dann den Unterricht wieder aufnehmen zu können. Doch nicht alle 270 Schüler können dann auch wieder die Schulbank drücken. Für alle, die noch nicht geimpft sind oder die sich nicht impfen lassen wollen, gibt es eine Zwangspause. Das hat Folgen.

Gelten die Kinder, die noch nicht geimpft sind, als krank?

Schüler, die noch nicht geimpft sind, gelten als krank, erklärt Lutz Steinert vom Landesamt für Schule und Bildung. "Die Schüler sind entschuldigt aufgrund dieses Umstandes, dass sie erst geimpft werden müssen, beziehungsweise dass der Wirkstoff erst wirken muss", so Steinert.

Diese Schüler sind natürlich entschuldigte und können der Schule fernbleiben.

Lutz Steinert Landesamt für Schule und Bildung

Aufgrund der gesetzlichen Grundlagen können Personen, die sich jetzt zeitnah impfen lassen, frühestens ab Anfang Dezember wieder in die Schule gehen. Personen, die sich nicht impfen lassen, dürfen frühestens Mitte Dezember wieder in die Schule gehen. Grund für die lange Zwangspause ist die Inkubationszeit bei Hepatitis A. Diese kann eine Länge von 15 bis 50 Tage betragen.

Bekommen Eltern in diesem Fall Kinderkrankengeld und dürfen zu Hause bleiben?

Da die ungeimpften Kinder als krank gelten, besteht nach Meinung von Thomas Böttcher, Fachanwalt für Arbeitsrecht, für die Eltern Anspruch auf Entgeltfortsetzung, sprich Kinderkrankengeld. In Paragrafen 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches wird geregelt, wann Arbeitnehmer aufgrund einer "vorübergehenden Verhinderung" bezahlt von der Arbeit freigestellt werden müssen. Allerdings könne der Anspruch erlöschen, wenn die Dauer der Abwesenheit erheblich ist. Das wäre laut Böttcher eine Abwesenheit, die länger als fünf Tage dauert.

Arbeitsrechtliche Schritte wie Abmahnung oder Kündigung wegen Fehlens am Arbeitsplatz aufgrund einer solchen Situation wie jetzt in Chemnitz, wären meines Erachtens rechtswidrig.

Thomas Böttcher Fachanwalt für Arbeitsrecht

Wo werden die Kinder betreut, die bereits immunisiert sind?

Ab Donnerstag, 21. November, wird die Schule für Kinder mit bestehendem Impfstatus wieder eröffnet, bis dahin werden die Räume desinfiziert. Auch der Hort kann dann wieder Kinder betreuen, allerdings nur maximal 60 . Die Stadt bemüht sich in der Zwischenzeit, mehr Betreuungsplätze anzubieten. Ebenso wird derzeit versucht, die Schulspeisung sicherzustellen.

Wo können sich nicht geimpfte Schüler und Erwachsene nun impfen lassen?

Das Gesundheitsamt der Stadt Chemnitz bietet ab Montag, 18. November, ab 8 Uhr 30 in seinen Räumen eine Impfung für alle betroffenen Kinder und Erwachsenen an, sofern sie sich nicht bei ihrem Haus- bzw. Kinderarzt impfen lassen.

Das Foto zeigt Hepatitis-B-Viren neben menschlichen Zellen.
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Wie soll der verpasste Unterrichtsstoff nachgeholt werden?

Unterrichtsausfall lasse sich an Schulen nie ganz vermeiden, erklärt Lutz Steinert vom Landesamt für Schule und Bildung. Er gehe davon aus, dass die betroffene Schule flexibel genug reagieren kann, um in der verbleibenden Zeit dieses Schuljahres den versäumten Unterricht entsprechend nachzuholen.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.11.2019 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 16:31 Uhr

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