16.01.2020 | 16:45 Uhr Insekten snacken beim Mexikaner

Die Vorstellung Insekten zu essen, löst bei vielen Menschen Ekel aus. Doch oft siegt die Neugier. Heuschrecken und Co gibt es inzwischen auf vielen Streetfoodmärkten, in Restaurants und sogar in Supermärkten. In einer mexikanischen Restaurantkette, die auch in Sachsen mehrere Filialen hat, können diese speziellen Snacks zur Zeit bei den Insektenwochen probiert werden.

Zubereitete Insekten auf einem Löffel.
Für viele ist es eine Art Mutprobe: Einmal Insekten essen. Auf diesem Probierlöffel einer mexikanischen Restaurantkette finden sich Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmer. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Unter dem Motto "Días de los insectos" können Mutige an allen Standorten der mexikanischen Restaurantkette Espitas Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer verkosten. Seit rund zehn Jahren gibt es dieses besondere kulinarische Angebot immer am Anfang des Jahres. "Die Leute fragen uns auch gezielt danach, wann es die Aktion wieder gibt", erzählt Markus Geyer, zuständig für den Einkauf und die Rezepturen bei Espitas.

Wie die Insekten serviert werden und welche auf den Teller kommen, variiert von Jahr zu Jahr. Seit Donnerstag ist der Probierlöffel mit Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmern bestückt. Diese werden kurz in Fett gebacken und gesalzen. "Für manche Gäste ist es eine Art Mutprobe die Insekten zu essen", so Geyer. "Doch viele kennen es bereits aus dem Urlaub in Mexiko oder Thailand." Die Überwindung beim ersten Mal sei eine reine Kopfsache.

Ein Mann mit Insekten auf einem Löffel.
Markus Geyer hat den Insektensnack probegekocht und möchte damit etwas Landestypisches aus Mexiko in Deutschland servieren. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Die Portionsgröße ist dabei zum Snacken und Probieren gedacht. Die Insekten sind teuer im Einkauf, da es viele Hygienevorschriften zu beachten gibt. Die Herstellung von Lebensmitteln aus Insekten ist seit dem 1. Januar 2018 in der Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union geregelt. In dieser Verordnung werden Insekten explizit aufgeführt.

Novel-Food-Verordnung Die neue Novel-Food-Verordnung ist seit dem 1. Januar 2018 gültig. Alle Insekten oder insektenhaltige Produkte, die als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden sollen, müssen vorab gesundheitlich bewertet und zugelassen werden.
Anträge müssen direkt bei der Europäischen Kommission eingereicht werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet dann die Antragsunterlagen, die den Mitgliedstaaten zur Kenntnis gegeben werden.
Alternativ kann in manchen Fällen auch das neue Anzeigeverfahren für traditionelle Lebensmittel aus einem Drittstaat genutzt werden, wenn belegt werden kann, dass das Lebensmittel dort seit mindestens 25 Jahren verzehrt wurde und keine Sicherheitsbedenken auftraten. Quelle: Bundeszentrum für Ernährung

"Die Insekten werden ja nicht auf der Straße gesammelt, sondern direkt als Speiseinsekten gezüchtet", sagt Geyer. In Mexiko seien sie Teil der Esskultur. An jeder Straßenecke gebe es frittierte Insekten als Snack. Laut der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) essen bereits zwei Milliarden Menschen weltweit regelmäßig Insekten, vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Die Vorteile: Sie sind nährstoffreich, enthalten Proteine, Fette, Vitamine, Mineralien. Und sie sind umweltfreundlich und ressourcenschonend in der Produktion. Je nach Insekt fallen im Vergleich zur Tierzucht nur ein Hundertstel bis ein Zehntel des CO2-Ausstoßes an.

Insekten in Schüsseln.
Serviert werden in der Restaurantkette Grillen, Heuschrecken (Chapulines) und die Larven des großen Schwarzkäfers (Zophobas). Bildrechte: MDR/Anett Linke

Der Praxistest: Das erste Mal Insekten essen

Ich musste mich wirklich sehr überwinden. Geschmeckt hat es dann allerdings nicht so schlimm wie befürchtet. Es erinnert etwas an Nüsse und von der Konsistenz würde ich es am ehesten mit Erdnussflipps vergleichen. Ich glaube aber nicht, dass ich es noch einmal essen würde.

Anett Linke MDR Online Reporterin

Würden Sie Insekten essen?

Vor zwei Jahren konnten die Menschen bei MDR SACHSEN abstimmen, ob sie Insekten probieren würden. Die meisten (57 Prozent) entschieden sich für "Nein, wie eklig.", 23 Prozent wollten probieren und 13 Prozent wollten die Insekten nur im Rahmen einer Mutprobe kosten. Inzwischen sind Insektensnacks auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. Sogar im Supermarkt sind sie inzwischen erhältlich. Ändert das etwas an der Meinung der Sachsen?

Quelle: MDR/al

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