Lesung AfD-Aussteigerin stellt Buch in Chemnitz vor

70 Gäste kamen am Mittwochabend zur Lesung von Franziska Schreiber in Chemnitz. Sie stellte ihr Buch "Inside AfD" im Rahmen der Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Ausgrenzung" vor und beantwortete Fragen der Besucher.

von Anett Linke

 Franziska Schreiber bei der Lesung in Chemnitz
Franziska Schreiber bei der Lesung in Chemnitz Bildrechte: MDR/Anett Linke

Es ist ihre erste Buchvorstellung in Sachsen. Viele ostdeutsche Buchhandlungen hätten sich Sorgen gemacht, dass viele AfD-Befürworter kommen würden und deswegen abgesagt, erzählt Franziska Schreiber zur Einführung am Mittwochabend in Chemnitz. Sie ist hier, um ihr Buch "Inside AfD" vorzustellen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Lesung ist Teil des Rahmenprogramms der Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Ausgrenzung", die seit dem 12. März in Chemnitz zu sehen ist.

Knapp 70 Menschen sind der Einladung gefolgt und hören nun gebannt zu. In dem Buch geht es um die Veränderungen der Funktionäre in der AfD, die Radikalisierung nicht nur in der Sprache. Und es geht um ihren eigenen Ausstieg aus der Partei. Bis 2017 war die Dresdnerin Franziska Schreiber Mitglied in der AfD. "Facebook ist der Kriegsschauplatz der AfD", erzählt sie. Nicht nur, dass hier massiv Marketing betrieben werde, auch innerparteilich sei man in zig Gruppen involviert. "Auch dadurch lebt man in einem sehr geschlossenem Weltbild. Die Timeline ist nur noch voll von AfD-konformen Ansichten."

Über Franziska Schreiber Franziska Schreiber, 1990 in Dresden geboren, wuchs in einem linken Elternhaus auf und machte 2008 Abitur. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften trat sie 2013 in die AfD ein und machte eine steile Karriere: Innerhalb eines Jahres wird sie Vorsitzende der Jungen Alternative in Sachsen und stellvertretende Pressesprecherin, 2017 ist sie im Bundesvorstand angekommen. Kurz vor der Bundestagswahl trat sie aus der Partei aus und arbeitet seitdem als Abteilungsleiterin in einem Unternehmen in Dresden.

Der Zusammenhalt in der Partei, das "Wir-gegen-die", gebe es nur solange man der Parteilinie nicht widerspräche. Sonst schlage der Hass einem selbst entgegen.

Deine Radikalisierung beginnt mit dem ersten kleinen Zugeständnis, das du machst. Danach machst du es immer wieder und es braucht Geschehnisse, die dich aus der Routine rausreißen.

Franziska Schreiber über ihre Zeit bei der AfD

Weil sie keine Zugeständnisse mehr machen will, plant Franziska Schreiber ihren Ausstieg. Kurz vor der Bundestagswahl will sie ihn in einem Interview öffentlich machen. "Einen Tag vor dem Interview entdeckte ich dann den FDP-Konfigurator auf Facebook. Du konntest einen Wahlaufruf für die FDP mit deinem Profilbild gestalten. Da ging es mit mir durch. Was für eine verrückte Idee, ausgerechnet mit meinem Profil für die FDP aufzurufen. Aber ich habe es dann einfach gemacht." Die Reaktionen kommen schnell, aber nicht von den Parteikollegen. "Sie haben wohl noch vermutet, dass mein Profil gehackt wurde." Das Interview am nächsten Tag stellt dann aber alles klar. Franziska Schreiber verlässt die AfD. Es ist einfach nicht mehr die Partei, in die sie damals eingetreten war.

Chemnitzer stellen viele Fragen

In Chemnitz wird diesen Ausführungen gebannt und zum Teil ungläubig gefolgt. Der Einblick in die Gedankenwelt von führenden AfD-Politikern erschüttert viele Zuhörer. Es klingt eher wie eine Sekte als eine Mitgliedschaft in einer Partei. Die Chemnitzer haben viele Fragen an die junge Dresdnerin. Wieso fällt es anderen Parteien so schwer, mit der AfD umzugehen? Wie reagiere ich, wenn Freunde in die AfD eintreten? Und wie schätzt sie die Erfolgsaussichten zur Kommunalwahl und Landtagswahl ein? Franziska Schreiber nimmt sich Zeit. Sie antwortet auf alle Fragen. Die Kommunalwahlen kann sie schlecht einschätzen. Es komme auf jede Kommune an. Aber wenn eine Kommune kippen würde, wäre es sehr schwierig, mit Engagement noch durchzudringen. Bei der Landtagswahl sieht sie die AfD auf dem zweiten Platz, mit geringem Abstand. "Das Gute an der Regierungsbeteiligung der AfD wäre, dass wir sie danach los sind", sagt sie. Es gäbe keinerlei Regierungskompetenz in der Partei.

Aber ich möchte es lieber nicht darauf ankommen lassen. Wer weiß, was sie machen, weil sie nichts Vernünftiges machen können.

Franziska Schreiber über eine Regierungsbeteiligung der AfD im Sächsischen Landtag

Zu diesem Zeitpunkt erhebt sich ein weiterer Zuschauer für eine Frage. Es ist Matthias Scholz, ehemals Vorsitzender des Landesverbands der Jungen Alternative Sachsen. Er belächelt Franziska Schreiber. Sagt, ihm wurde ihr Buch geschenkt und es habe ihn sehr amüsiert. Er glaube noch an die inhaltliche Vielfalt der AfD und lädt sie ein, ihre Ansichten mit der Jungen Alternative zu diskutieren. Franziska Schreiber bleibt höflich, macht aber keine Zugeständnisse. Die Frage nach ihrem jetzigen politischen Leben beantwortet sie wie folgt: "Ich bin parteipolitisch unabhängig und habe auch nicht vor, das wieder aufzugeben. Dafür habe ich ein viel zu loses Mundwerk. Außerdem bin ich hochoffiziell Wechselwählerin. Ich lasse mich vor jeder Wahl neu überzeugen." Es gibt viel Applaus aus dem Publikum und auch hinterher wollen viele Leute noch weiter mit Franziska Schreiber reden.

Empfehlung für Chemnitz

Im Gespräch mit MDR SACHSEN hat sie auch eine Empfehlung für die Chemnitzer: "Ich glaube, es ist wichtig, dass man im Alltag keine rassistischen Äußerungen stehenlässt. Dass man sich immer traut, laut zu sein und auch immer wieder den Eindruck erweckt bei allen, dass es hier nicht geduldet wird. Es gibt keine schweigende Mehrheit für die AfD. Es ist die ganz wichtige Botschaft, die jeder Chemnitzer tagtäglich erleben muss und dann wird auch die Macht der AfD irgendwann brechen."

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.03.2019 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 12:11 Uhr

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47 Kommentare

23.03.2019 15:31 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 47

Zitat "Deine Radikalisierung beginnt mit dem ersten kleinen Zugeständnis, das du machst."

Und wenn genug Zugeständnisse gemacht wurden, ist man sich auch nicht mehr zu fein, um klar ausgrenzende Aussagen von Vertretern der Partei der Islamausgrenzung oder anderen 'ausgrenzenden Gruppen' laut und öffentlich zu bejubeln - obwohl man von der zersetzenden Kraft dieser Aussagen weiß!

Frank Richters Aussage in seinem Buch 'Gehört Sachsen noch zu Deutschland?' "Wenn ich nicht genau weiß, was ich tun soll, dann sollte ich wissen, was ich nicht tun darf." impliziert, daß gewisse Handlungen aus einem 'Nicht-Wissen' heraus geschehen.

MMn. sind es aber eher die zuvor gemachten 'kleinen Zugeständnisse', die - zusammen mit einer 'Gruppendynamik der Radikalisierten' - "wider besseren Wissens" zu solch einem Zuspruch für ausgrenzende Aussagen führen.

23.03.2019 01:07 Fakt 46

>>DER Beobachter, #44:
"Welchen meinen Sie denn jetzt eigentlich ? ;)"<<
--------
Ja, wie heißt der noch gleich - Sarradingenskirchen oder so ähnlich.
Namen von für mich unbedeutenden Leuten merke ich mir immer so schlecht ;-)

22.03.2019 22:40 Freiheit 45

22.03.2019 16:35 Fakt---Daher kommt die Bildungslücke.

22.03.2019 20:34 DER Beobachter @ Fakt 37 44

Welchen meinen Sie denn jetzt eigentlich ? ;)

22.03.2019 19:47 DER Beobachter @ Jens 28 43

Wenn Sie sich mit der Vita der Frau auseinandergesetzt oder auch nur den Artikel gelesen hätten, würden Sie nicht diesen Unsinn heraushauen. In einem haben Sie recht: bei der Hackordnung und den Diffamierungscampagnen gegenüber Parteimitgliedern scheitert so manches von diesen. Dafür ist die Partei berühmt geworden, und genau das u.a. wollte Frau Schreiber, obwohl selbst führend angekommen, nicht mehr mittragen.

22.03.2019 19:44 mare nostrum 42

@ 38

Zum (Un-)Glück haben wir ja Sie als Entscheidungsgewalt ...

22.03.2019 19:41 DER Beobachter @ Sabrina 41

Weder habe ich Sie als krank bezeichnet noch aufgefordert Sie wegzusprren. Das machen in diesen Kommentarspalten eher die Ihren. Ihr Kommentar "Die Frage ist, ob Frau Schreiber dieses Buch überhaupt aus freien Stücken geschrieben hat, oder ob man sie dazu genötigt hat. Ernstzunehmen ist das jedenfalls nicht." zeugt indessen von der Hohlheit gewisser typischer AfD-Anhänger, die annehmen, Kritik an dieser müsse fremdgesteuert sein. Frau Schreibers Buch im übrigen ist schon viel länger im Handel und v.a. war Frau Schreibers Austritt aus der AfD hier bereits thematisiert worden, da schrieb sie noch gar nicht. Ansonsten gehört das Bezeichnen der Kritiker der AfD als "die eigentlichen Faschisten" zum bekannten beliebten nachgeplapperten Diffamierungsrepertoire der AfD-Anhänger...

22.03.2019 19:27 Jens 40

@ Fakt: Sarrazin ist kein gescheiterter Politiker. Ein ganz schlechter Vergleich. Versuchen Sie es doch noch einmal.

22.03.2019 19:10 Kirchenmitglied 39

@Sonja (31) Bedauere, keine anderen Probleme!

22.03.2019 17:57 Sachse43 38

Eine unwichtige Person.

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