Interview mit Michael Döring vom sächischen Verfassungsschutz "Die Schnittmenge zwischen gewaltbereiten Hooligans und Rechtsextremisten ist in Sachsen überdurchschnittlich hoch"

Sind gewaltbereite rechtsextreme Hooligans ein Chemnitzer Problem? Oder wie beurteilt der Verfassungsschutz die Geschehnisse im Stadion des CFC? Wir haben mit Martin Döring vom sächsischen Verfasssungsschutz gesprochen?

Verfassungsschutz Martin Döring
Bildrechte: Martin Döring

Thomas Haller hat HooNaRa (Hooligans, Nazis, Rassisten) gegründet und war lange Zeit für die Sicherheit im Chemnitzer Stadion zuständig. Der CFC hat sich erst spät distanziert. Ist das ein Problem des CFC?
Wir haben in der Vergangenheit zum Beispiel in Dresden mit "Faust des Ostens" oder in Leipzig mit "Scenario Lok" bereits andere rechtsextremistische Fangruppierungen gehabt. Insofern ist es nicht nur ein spezifisch Chemnitzer, sondern ein sächsisches Problem. Doch das Phänomen gibt es nicht nur in Sachsen, das gibt es auch in anderen Bundesländern.

Aber hier im Umfeld der Chemnitzer Fanszene, das kann man in der Tat sagen, gibt es doch eine gewisse Ausprägung der Schnittmenge zwischen Hooligans, gewaltbereiter Fanszene auf der einen Seite und dem Rechtsextremismus auf der anderen Seite.

Gibt es in Chemnitz eine besonders große Schnittmenge zwischen Hooligens und Rechtsextremen?
Es gibt seit Jahr und Tag eine Schnittmenge zwischen gewaltbereiten Hooligans und dem Rechtsextremismus. In unterschiedlicher Ausprägung, aber durchaus im Freistaat Sachsen mit einer überdurchschnittlichen Ausprägung, soweit wir das aktuell beurteilen können.

Gibt es jetzt konkrete Konsequenzen nach den Ereignissen vom Wochenende für die Arbeit des Verfassungsschutzes?
Konsequenzen gibt es unmittelbar nicht. Wir beobachten gemäß dem gesetzlichen Auftrag extremistische und rechtsextremistische Bestrebungen. Inwieweit die jüngsten Vorkommnisse hier im Fußballstadion Teil eines rechtsextremistischen Geschehens sind, das bedarf sicher noch der behördeninternen Auswertung.

Aber gut ist es schon einmal, dass darüber diskutiert wird, dass mutmaßlich auch die Vereinsverantwortlichen ein gewisses Maß an politischer Sensibilität an den Tag legen und gegebenenfalls auch Vorkehrungen treffen, dass so etwas nicht mehr passiert und vereinsintern auch genauer hinschauen, mit wem sie im Bereich der Fangruppierungen zusammenarbeiten.

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Quelle: MDR/ms/tfr/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.03.2019 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 18:12 Uhr

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