Kopie eines Haftbefehls
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Messerattacke in Chemnitz Dresdner JVA-Beamter veröffentlichte Haftbefehl im Internet

Nach dem öffentlichen Auftauchen eines Haftbefehls im Mordfall an einem Mann in Chemnitz hat sich nun ein Beamter der JVA Dresden zu der Veröffentlichung bekannt.

Kopie eines Haftbefehls
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Justizbeamter aus Dresden hat öffentlich zugegeben, den Haftbefehl gegen einen der beiden Tatverdächtigen im Chemnitzer Tötungsdelikt im Internet veröffentlicht zu haben. Der Mann erklärte, er habe den Haftbefehl abfotografiert und weitergegeben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Dresden auf Anfrage von MDR SACHSEN. Zuvor hatte die BILD-Zeitung darüber berichtet.

Die Polizei Sachsen hatte seit Dienstagabend nach demjenigen gesucht, der zuvor das Dokument geleakt hatte. Am Mittwochabend wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehrere Objekte durchsucht. Der Verdacht habe sich danach gegen die JVA Dresden und einen Beamten gerichtet. "Dabei erhärtete sich der Anfangsverdacht gegen einen Justizvollzugsbeamten derart, dass diesem mit sofortiger Wirkung vorläufig die Führung der Dienstgeschäfte verboten wird", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Justizminister Sebastian Gemkow nannte die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten "verantwortungslos". "Wir können es deshalb in keiner Weise dulden, wenn ein Bediensteter so etwas tut und werden konsequent dagegen vorgehen", sagte der Minister. Der Justizvollzugsbedienstete soll den Angaben zufolge mit sofortiger Wirkung suspendiert worden sein.

Auch Sachsens Innenminister äußerte sich zum Fahndungserfolg: "Ich bin erleichtert, dass es durch den hohen Fahndungsdruck gelingen konnte, den Täter dieses Geheimnisverrats so schnell zu überführen. Jetzt laufen in einem Rechtsstaat die Dinge ihren geordneten Gang. Die Ermittlungen laufen natürlich weiter."

Justizbeamter steht zu seiner Tat

Der Justizbeamte meldete sich zu den Vorwürfen über seinen Anwalt zu Wort. Für sein Vorgehen nannte er verschiedenen Gründe. Zum einen wolle er die Öffentlichkeit über das informieren, was geschehen ist und die Spekulationen beenden. Den Medien wirft er vor, den "tatsächlichen Tatablauf in Frage zu stellen, zu manipulieren oder auf einen ihnen jeweils genehme Art und Weise zu verdrehen." Er beobachte jeden Tag, dass die meisten Menschen über die Veränderungen im Land belogen würden oder die Wahrheit nicht wahrhaben wollten. Zudem wolle er nicht mehr Teil einer schweigenden Masse sein, "sondern dafür sorgen, dass die Wahrheit, und ausschließlich die Wahrheit ans Tageslicht kommt." Den Konsequenzen seines Handels sei sich der Beamte bewusst und er hoffe darauf, ein faires und rechtsstaatliches Verfahren zu bekommen.

Hintergrund Ein Foto des mutmaßlichen Haftbefehls war in sozialen Netzwerken aufgetaucht und weiterverbreitet worden, unter anderem auf der Facebook-Seite des Dresdner "Pegida"-Mitbegründers Lutz Bachmann.

In Chemnitz war in der Nacht zum Sonntag am Rand des Stadtfestes ein 35-jähriger Mann erstochen worden. Zwei mutmaßliche Täter, ein 22-jähriger Iraker und ein 23-jähriger Syrer, sitzen in Untersuchungshaft. Nach dem Vorfall riefen rechte Gruppen zu einem Aufzug auf. Am Sonntag soll es dabei zu Hetzjagden auf ausländisch aussehende Menschen gekommen sein. Der Opferberatungsstelle Chemnitz wurden nach eigenen Angaben sieben Übergriffe gemeldet.

Am Montag mobilisierten zum Teil gewaltbereite Rechte rund 5.000 Demonstranten. Die rund 600 Polizisten im Einsatz hatten Mühe, sie von den rund 1.000 Gegendemonstranten zu trennen. Nach Polizeiangaben gab es 20 Verletzte.

Quelle: MDR/mar/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 30.08.2018 | ab 18:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Liebe Nutzer, wegen des hohen Aufkommens an Kommentaren bitten wir Sie, die Kommentarfunktion unter folgendem Beitrag zu nutzen:

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2018, 21:47 Uhr

Mehr aus Sachsen