14.08.2019 | 05:00 Uhr Kindertrauergruppe startet in Lugau

Ab September wird es in Lugau eine Kindertrauergruppe geben. Am Mittwoch können Interessierte bei einer Informationsveranstaltung die sieben ehrenamtlichen Trauerbegleiter kennenlernen und Fragen stellen. Die Gruppe richtet sich an Kinder aus dem Erzgebirgskreis zwischen sechs und zehn Jahren, die einen Verlust in der Familie oder im näheren Umfeld erlitten haben.

Wenn Kinder trauern
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"Kinder trauern anders als Erwachsene", sagt Gabriele Salterberg. "Sie trauern in sogenannten 'Trauerpfützen'. Manchmal sind sie ganz traurig, um im nächsten Moment ausgelassen fröhlich zu sein." Salterberg ist eine von sieben ehrenamtlichen Trauerbegleitern, die ab September eine neu gegründete Kindertrauergruppe im erzgebirgischen Lugau betreuen. Sie arbeitet als Pflegehilfskraft in Oelsnitz und ist auf ihrer Station auf einen Flyer aufmerksam geworden, der zur Ausbildung als ehrenamtlicher Trauerbegleiter für Kinder aufgerufen hat. "Ich habe immer etwas gesucht, wo ich mich engagieren kann", erzählt sie.

Außer ihr hatten sich zu Beginn 14 weitere Freiwillige gemeldet. Dass nur sieben die Ausbildung abschlossen, läge unter anderem am Zeitaufwand. Viele hätten den möglicherweise unterschätzt. "Ich arbeite nur vormittags, da geht das." Laut Salterberg ist es wichtig, dass die Trauerbegleiter dann auch bei jedem Gruppentreffen dabei sind. Sie seien eine wichtige Bezugsperson für die Kinder. Die emotionale Seite als Trauerbegleiter könne sie gut wegstecken. In der Ausbildung haben sie und ihre ehrenamtlichen Kollegen auch anhand eigener Trauererfahrungen gelernt, wie sie praktisch mit trauernden Kindern umgehen.

Man muss zu den Kindern ehrlich sein. Aber man muss auch immer aufpassen, was man sagt. Kinder nehmen alles wörtlich.

Gabriele Salterberg

Fragen beantworten und Dinge erklären ist nur ein Teil der Aufgaben der Trauerbegleiter. Es soll in der Gruppe auch kreativ gearbeitet und gespielt werden. Zum Beispiel sollen "Erinnerungskisten" zur Einnerung an die Verstorbenen angelegt werden. Außerdem wurden spezielle Kinderbücher zum Thema Trauer angeschafft, wo viel anhand von Tieren erklärt wird.

vier Bücher liegen auf eienm roten Tisch 3 min
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Der Impuls für das Projekt kam aus einem Hospiz der Johanniter. "Wir hatten einige Anfragen von Angehörigen, ob auch für Kinder eine Trauerbegleitung angeboten wird", sagt Dana Herrmann, die Koordinatorin des Projekts. Aus den Anfragen wurde eine konkrete Idee, die sich komplett aus Spenden finanziert. 4.000 Euro wurden bisher gesammelt, die fast komplett für die Ausbildung der ehrenamtlichen Trauerbegleiter verbraucht wurden. Die Folgekosten übernimmt der Kreisverband Erzgebirge der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. "Für uns ist dieses Projekt ein Herzensanliegen", so Herrmann. "Es wird nicht nur bei dieser einen Gruppe bleiben." Dazu hofft sie, bald zusätzliche Trauerbegleiter ausbilden zu können und auf lange Sicht auch eigene Räumlichkeiten zu bekommen.

Die Gruppe richtet sich an Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, die einen Verlust erlitten haben. Das Angebot ist vorrangig für Kinder aus dem Erzgebirgskreis gedacht. Parallel dazu wird eine Betreuung der Eltern angeboten. "Oft trauen sich die Kinder in der Familie nicht, Fragen zu stellen oder offen zu trauern", so Herrmann. Das läge daran, dass die Kinder die Trauer der Eltern spüren und sie nicht vergößern wollen. Die Kindertrauergruppe soll ein geschützter Raum werden, in dem die Kinder traurig sein können, aber auch andere Kinder treffen, denen es genauso geht.

Fröhlichsein ist erlaubt

"Sicher wird es mal Tränen geben", so Salterberg. "Aber es wird auch eine Art trauerfreien Raum geben, wo die Kinder fröhlich sein können, ohne das Gefühl, ihre Eltern zu belasten." Jedes Treffen soll mit einem Essen abgeschlossen werden, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. "Anfangs hatte ich großen Respekt", erzählt Salterberg. Aber sie fühlt sich durch ihre Schulung gut vorbereitet. "Es ist eine wertvolle und interessante Aufgabe und wir werden uns langsam herantasten." Psychologen sind die Trauerbegleiter allerdings nicht. Sollte eine psychologische Betreuung der Kinder notwendig sein, werden sie weitervermittelt.

Bis zu zehn Kinder sollen in der ersten Trauergruppe Platz haben. Zwei feste Anmeldungen gibt es bereits. Bei dem Informationsabend am Mittwochabend haben Interessierte die Möglichkeit, die Trauerbegleiter kennenzulernen, die Räume zu besichtigen und Fragen zu stellen. "In so einer schweren Zeit ist es ja auch eine Sympathiefrage zwischen den Beteiligten", so Dana Herrmann.

In Dresden betreiben die Johanniter bereits seit vergangenem Jahr ein Trauerzentrum speziell für Kinder und Jugendliche.

Informationsabend Am 14. August 2019 können alle Interessierten um 18:30 Uhr in der Johanniter Kindertagesstätte "Kinderland" (Vertrauensschachtstraße 2, Lugau) das Konzept der Kindertrauergruppe kennenlernen. Außerdem stehen die ehrenamtlichen Trauerbegleiter für Fragen zur Verfügung und die Räumlichkeiten können besichtigt werden.

Quelle: MDR/al/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.08.2019 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

14.08.2019 07:20 filou 1

Eine sehr hohe und Verantwortungsvolle Aufgabe und Tätigkeitsfeld. Ich wünsche dem Team allseits gutes Gelingen,Kraft,Durchhaltevermögen und viele Unterstützer und Begleiter. So wenig Einsätze wie möglich. Und bitte nie die eigenen Grenzen, sowie die Selbsthygiene (Geistig,Psychisch) unterschätzen und /oder übertretten. Toi Toi Toi.

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