Uwe Dziuballa und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping sitzen nebeneinander in seinem Restaurant.
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Nach Überfall auf Restaurant "Schalom" Integrationsministerin Köpping trifft sich mit jüdischem Gastronom in Chemnitz

Am 27. August gab es in Chemnitz nach aufgeheizten Demonstrationen gewalttätige Ausschreitungen. Auch das jüdische Restaurant "Schalom" wurde attackiert. Die Politik sucht nun das Gespräch mit dem Besitzer.

Uwe Dziuballa und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping sitzen nebeneinander in seinem Restaurant.
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping hat am Mittwochvormittag den Chemnitzer Restaurantbesitzer Uwe Dziuballa besucht. Seine jüdische Gaststätte "Schalom" war am 27. August von Unbekannten attackiert worden. Er selbst wurde bei dem Angriff verletzt.
Als sächsische Ministerin wolle sie mit dem Gespräch ein Zeichen dafür setzen, dass die sächsische Landespolitik an der Aufarbeitung der Geschehnisse großes Interesse habe, sagte Köpping. "Ich bin auf jeden Fall hier, um meine Solidarität zu zeigen und auch die der sächsischen Staatsregierung. Das ist mir ganz wichtig. Sie sollen sehen, dass wir solche Ereignisse unter keinen Umständen tolerieren."

Ich denke, es ist wirklich an der Zeit, aufzuklären, zu informieren und Menschen wie Uwe Dziuballa nicht allein zu lassen.

Petra Köpping Integrationsministerin Sachsen

Uwe Dzuiballa: "Ich fühle mich nicht allein"

Kratzer an einer Fensterscheibe.
Die sichtbaren Spuren des letzten Angriffs auf das Restaurant sind gering. Die Konsequenzen für die Politik sollen größer sein. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Uwe Dzuiballa entgegnete in dem Gespräch, dass er sich durch Familie und den größeren Teil der Gesellschaft nicht allein gelassen fühlt. Gleichzeitig wehrte sich gegen die Vorwürfe in den sozialen Medien, er sei ein Lügner. Aus der Tatsache, dass sein Restaurant montags geschlossen habe (der Angriff erfolgte an einem Montag - Anm. d. Red.) und aus seiner Weigerung, Bilder vom Vorfall zu veröffentlichen, werde dort der Schluss gezogen, er sei ein Lügner: "Alles, was man nicht mit einem Bild belegen kann, findet wahrscheinlich nicht statt." Er erhalte bis zu 400 Nachrichten am Tag, von denen einige genau solche Vorwürfe enthielten. Gleichzeitig zeigte er sich überrascht, von dem plötzlichen Interesse an dem Thema. Das Jüdische sei für ihn im Moment nicht das zentrale Thema.

Es ist grundsätzlich unzivilisiert, auf einen Menschen mit Steinen zu werfen.

Uwe Dziuballa Eigentümer des jüdischen Restaurants "Shalom"

Kampagne gegen Antisemitismus

Petra Köpping kündigte an, dass Sachsen im nächsten Jahr im Rahmen des Programms "Weltoffenes Sachsen" eine Kampagne gegen Antisemitismus starten werde. Gleichzeitig sei in der Gesellschaft eine Wertediskussion dringend notwendig. "Da haben wir einen großen Bedarf. Einerseits müssen wir informieren, andererseits müssen wir ganz klar zeigen, wo die Grenzen sind. Menschenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsradikalismus haben in unserer Gesellschaft keine Toleranz zu finden."

Dzuiballa forderte von der Politik, mehr Gesicht zu zeigen. "Wenn man es allen recht machen will, macht man es keinem so richtig recht." Viele Bürger würden jeden Tag Gesicht zeigten, zum Beispiel mit Engagement in Vereinen. Diese Menschen würden für die Vielfalt der Gesellschaft arbeiteten.

Uwe Dziuballa und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping vor dem Restaurant "Shalom".
Gastronom Uwe Dziuballa und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping vor dem Restaurant "Shalom". Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 12.09.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.09.2018 | 18:00 Uhr im Radioreport

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2018, 20:28 Uhr

Mehr aus Sachsen