#wirbleibenmehr Party und politische Statements: Tausende rocken das Kosmos-Festival in Chemnitz

Chemnitz hat sich weltoffen und bunt gezeigt. Zehntausende haben am Donnerstag beim Festival "Kosmos Chemnitz" eine riesige Innenstadt-Party gefeiert. Musikstars wie Herbert Grönemeyer, Joris, Tocotronic oder Alligatoah haben die Aktion unterstützt. Das Festival steht in der Tradition des #wirsindmehr-Konzertes in Chemnitz vor zehn Monaten.

Bildergalerie Chemnitz feiert Kosmos-Festival

Bilder, Impressionen und Stimmungen vom Kosmos-Festival aus der Chemnitzer Innenstadt.

Kosmos Chemnitz
Tausende Menschen feiern beim Kosmos-Festival eine riesige Party in der Chemnitzer Innenstadt. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Tausende Menschen feiern beim Kosmos-Festival eine riesige Party in der Chemnitzer Innenstadt. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Dicht gedrängt stehen die Fans vor der Bühne, um Herbert Grönemeyer zu hören und zu sehen. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Grönemeyer bei Kosmos
Pünktlich um 21:16 Uhr geht es los. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Grönemeyer hat an diesem Abend eine politische Botschaft zu verkünden: Er wirbt für Demokratie und Toleranz. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Er sagt zu den Menschen in Chemnitz: "Viele Menschen fühlen sich nicht wertgeschätzt. Viele haben das Gefühl, dass ihnen kein Respekt entgegen gebracht wird. Das sind Themen, die wir gefälligst an die Regierung stellen müssen. Das ist in einer Demokratie so." Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Es sei an der Zeit, dass die Regierung mit Lösungen auf die Menschen zugehe. Aber man werde auf keinen Fall vor rechtem Gedankengut zurückweichen. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Großer Andrang herrscht auch vorm "Nischel". Die Fans warten auf die Rapper von Zugezogen Maskulin. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
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Edith und Leonie sind extra aus Würzburg angereist. Sie waren bereits im vergangenen September beim #wirsindmehr-Konzert. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
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Die Band Grossstadtgeflüster heizt dem Publikum mit deutschprachigem Elektropop ein. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
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Rapperin Rola singt schon seitdem sie fünf Jahre alt ist. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Vor allem junge Menschen zieht es in die Chemnitzer City. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
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Rapper Fatoni aus München geht in der Chemnitzer Innenstadt mit seinen Fans auf Tuchfühlung. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Die Gedanken sind frei und werden von diesem Besucher sichtbar gemacht. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
Kosmos Chemnitz
Die Zuschauer warten auf Tocotronic. Bildrechte: MDR/Moritz Arand
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Die Hamburger Band rockt auf der gut besuchten #wirbleibenmehr-Bühne. Bildrechte: MDR/Diana Köhler
Kosmos Chemnitz
Die Band eröffnet mit dem Song "Let there be rock". Bildrechte: MDR/Moritz Arand
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Kosmos Chemnitz
Mia Morgan bezeichnet ihre musik selbst als "Gruftpop". Sie begeistert auf der Atomino Stage am Roten Turm. Bildrechte: MDR/Georg Ulrich Dostmann

Chemnitz hat mit dem Kosmos-Festival am Donnerstag ein Zeichen für Weltoffenheit und Demokratie gesetzt. Zehntausende, vor allem junge Menschen, feierten in der Innenstadt eine riesige Party. Mit Konzerten, Gesprächen, Sportveranstaltungen und Lesungen knüpfte das Festival unter dem Motto #wirbleibenmehr an das #wirsindmehr-Konzert aus dem vergangenen Jahr an.

Auf der Bühne standen etwa Tocotronic, Rapper Alligatoah, Grossstadtgeflüster, Fatoni oder Loveparade-Gründer Dr. Motte. Den Abschluss bildete der Auftritt von Herbert Grönemeyer.

Musiker mit klarer Haltung

Die Bühnenstars wurden nicht nur für ihre Vorstellungen bejubelt, sondern auch für ihre klaren Statements. Es gehe darum, sich gegenseitig Mut zu machen, darum seien alle da, sagte Grönemeyer. "Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach rechts ausschwenken."

Kosmos Chemnitz
Dirk von Lotzow, Sänger und Gitarrist der Hamburger Band Tocotronic. Bildrechte: MDR/Moritz Arand

Für Dirk von Lotzow, Sänger der Hamburger Band Tocotronic, war das Festival mehr als nur ein Zeichen. Für ihn gehöre die Veranstaltung in eine Reihe mit Initiativen wie #unteilbar und "Sichere Häfen", sagte der Sänger vor dem Auftritt seiner Band. "Das sind alles Ereignisse, die ich zusammenfassen würde zu einer Art zivilgesellschaftlichen Bewegung."

Der Liedermacher Joris sagte vor seinem Auftritt, beim Kosmos aufzutreten sei für ihn Ehrensache.

Joris
Der Sänger und Liedermacher Joris Bildrechte: MDR JUMP/Hagen Wolf

Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir uns alle gemeinsam gegen rechte Stimmen stellen und klar machen, dass wir wirklich mehr sind. Dazu gehören alle, nicht nur eh links eingeordnete Bands. Und insofern bin ich natürlich sehr glücklich, dass ich dieses Mal dabei sein darf - mit Grönemeyer, Alligatoah, Tocotronic. Das sind tolle Namen und ich bin froh, dass es diesmal ein breites Line up ist.

Am Abend hat sich die Innenstadt zusehends mit Menschen gefüllt. Nach Angaben der Veranstalter waren bis zu 50.000 Besucher im Innenstadtgebiet unterwegs. Es habe eine entspannte Stimmung geherrscht. Laut Polizei gab es keine größeren Zwischenfälle.

Das Festival hat den Besuchern an rund 40 Spielorten verschiedenste Angebote gemacht - von Buchlesungen über Diskussionsrunden bis hin zu Konzerten. Auch sportlich hat Chemnitz gezeigt, was es zu bieten hat. Vor der Haase-Fabrik haben etwa die Basketballer der Niners Chemnitz ein Spiel gegen Musiker wie Felix Kummer und Karl Schumann von Kraftklub ausgetragen. Rund 300 Besucher verfolgten das Spiel am frühen Nachmittag.

Wo ist gesperrt und wo kann man parken?

Ludwig: Vergangene Monate waren nicht einfach

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig sagte vorab im Gespräch mit dem MDR, mit dem Kosmos-Festival wolle die Stadt einen weiteren Schritt tun, um aus der Situation, die im Sommer 2018 entstanden ist, wieder herauszukommen. Die vergangenen Monate seien nicht einfach gewesen. Nun gehe es darum, die "öffentlichen Räume zu öffnen", damit Menschen zusammenkommen und miteinander reden können. "Die Einladung für das Festival ist an alle gerichtet, die Haltung zeigen und nach demokratischen Grundwerten leben wollen", so die SPD-Politikerin. "Ich bin mir ganz sicher, dass es da ganz viele Menschen gibt."

Quelle: MDR/dk/ms/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 04.07.2019 | 19:00 Uhr

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67 Kommentare

07.07.2019 08:53 Gerd Müller 67

wer feste arbeitet soll auch Feste feiern und solch Festivals bleibt Volk erinnerlich; wir erinnern uns immer noch gerne an Berliner Weltfestspiele, Bruce-Springsteen-Konzert, David Bowie, Bob Dylan, Joe Cocker und auch die "West"-Musiker beim "Kessel Buntes" wie Katja Ebstein, Udo Jürgens oder Udo Lindenberg mit Harry Belafonte

07.07.2019 07:53 Freiheit 66

Ein paar linke Hartliner, viele, die ein kostenloses Konzert konsumierten und ein "Sänger", der in England lebt, gibt zu Protokoll: „Wir stehen heute hier auch für unser Land."

Wen soll das, wie und wozu beeindrucken?

06.07.2019 23:34 Freiheit 65

06.07.2019 15:52 Janes

"Ein Zeichen"

Wofür und was bringt es? Ist nun plötzlich alles gut?
Nein, es spaltet die Gesellschaft nur noch mehr...

06.07.2019 15:52 Janes 64

50000 Bürger aus Deutschland feiern friedlich die Toleranz und Demokratie. Das ist ein schönes und wichtiges Zeichen.

05.07.2019 21:22 Mediator an gerd(54) 63

Also ich muss mich schon sehr wundern, was sie alles schon als politisch instrumentalisiert ansehen!

In Deutschland leben nun einmal Menschen aller Hautfarbenn, Religionen und politischer Überzeugungen mit- und nebeneinander. Wenn es Menschen gibt, die diese bunte Vielfalt nicht akkzeptieren, dann stellen sich diese Menschen freiwillig ausserhalb unserer Gesellschaft. Wem bereits ein Zacken aus der Krone bricht, wenn er einen polnischen, russischen oder arabischen Zungenschlag hört, der gibt ein politisches Statement ab.

Wer die Werte unseres Grundgesetzes feiert, der feiert die Normalität in unserem Land. Warum sollte man das nicht auch im Rahmen eines Stadtfestes tun. Selbst sie könnten da einmal unauffällig über den Tellerrand schauen und Berührungsängste mit den bösen Fremden abbauen, die sich im Rahmen dieses Festes ja auch präsentiert haben.

05.07.2019 17:12 Deutschland 62

Immer wenn in Chemnitz ein Fest gegen rechts gefeiert wird, feiern die Rechten irgendwo ihr eigenes fest und das sogar mit Alkohol. Ist ja auch verständlich. Da die linken alle in Chemnitz sind werden sie auch in Ruhe gelassen.

05.07.2019 15:35 Hercule 61

Sorry für das Chaos in meinem Post 59
was ich meinte ist das das Kosmos Fest gestern 1000 mal besser war als unser Stadtfest. Den da waren ab 23:00 Uhr die Besoffenen Pöbler unterwegs. Und das schon seit dem ich 16 Jahre alt war und das ist ne weile her.

Im Übrigen wurden da auch schon Frauen belästigt. Ist also kein PHÄNOMEN seit 2015 das gab es auch schon 1999

05.07.2019 14:49 Werner 60

"Sie sprechen ohne Vorbehalt derart kritisch von sächsischen Tyrannen, die als Pantoffelhelden (mit Feierabendbierchen vor sich) das angekratzte Zepter schwingen?!?"
Eigentor und Luftnummer dazu. Die Frauen in der DDR wurden zu selbstandigen, selbständig denkenden, und arbeitenden Menschen erzogen, per Gesetz die vollständige Gleichberechtigung - da mussten West-Frauen immer noch viele jahre später ihre Männer fragen, ob sie arbeiten, oder ein eigenes Konto haben dürfen. Beispiel "Ekel Alfred". Bei Ost-Frauen gibts schon beim Gedanken zu Pantoffel-Heldentum, ein "sehr lautes Gespräch" gegenüber dem Möchtegern-Tyrannen, und je nach Charakter, dazu gleich paar hinter die Löffel. Bei den Frauen in Sachsen ist das besonders ausgeprägt. Da ist für mehrere Tage der Platz unter dem Küchentisch sicher - ohne Licht, und neben dem Napf, bei dem man auf das viel feinere Fresserli der Katze neidisch wird. Kleiner Scherz.

05.07.2019 14:40 Hercule 59

@ ornee #56
Ich kann ihnen sagen wozu das Konzert gestern gut war man konnte neu Leute und Kulturen kennen lernen. Man konnte über Kunst oder Musik oder über die Stadt diskutieren. Es war einfach ein Austausch verschiedener Menschen. +Und mal ehrlich ich lebe in Chemnitz und das Fest gestern war 1000 mal besser als das Stadtfest früher war denn seit dem ich jung war endete es immer mit Schlägereien und betrunkenen Pöblern.
Aber auch an Sie die Einladung sollte das Fest nächstes Jahr wieder statt finden gehen Sie doch einfach mal hin und lassen sich überraschen. Und wer weiß vlt. gefällt es Ihnen ja

05.07.2019 13:37 Fakt 58

>>dmehl, #57:
"..nur zu einem Teil der Bewohner der Stadt,
die vielleicht nicht die Mehrheit sind, haben sie keinen Bezug."<<
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Was aber an dieser Minderheit liegt, wenn diese sich selber ausgrenzt. Man hätte ja hingehen können. Und warum Heimat keine Heimat mehr sein soll, nur weil sie weltoffen, bunt und tolerant ist, müssen Sie mal erklären. Das hört sich für mich an, als wäre man vor etlichen Jahrzehnten zeitlich stehengeblieben. Die Welt ändert sich ständig - früher, heute und auch in Zukunft. Und das ist auch gut so.

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