08.10.2019 | 17:05 Uhr Pelzbranche setzt auf Nachhaltigkeit

Pelzmode ist bei Tierschützern nicht gerade gefragt. Sie raten Verbrauchern eher zu Kunstpelz. Doch ist das wirklich eine Alternative und hat das Handwerk der Kürschner überhaupt noch eine Zukunft? Die Kürschner-Innung in Mitteldeutschland hat dazu eine ziemlich klare Antwort.

Eine junge Frau präsentiert eine Pelzjacke.
So geht Öko - das zweite Leben eines Persianermantels. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Die Zeiten, in denen Damen in teuren Nerz-Pelzen durch die Straßen flanierten, sind lange vorbei. Dabei war Sachsen einst ein bedeutender Standort der Kürschner- und Pelzindustrie. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Wind gedreht. Pelz zu tragen ist heutzutage nicht mehr schick. Im Gegenteil, Pelze gelten unter Tierschützern als No-Go.

Die Ökobilanz von Kunstpelz ist katastrophal.

Jürgen Förster Obermeister der Kürschner-Innung Mitteldeutschland

Eine Ansicht, die Jürgen Förster, Obermeister der Kürschner-Innung Mitteldeutschland, nicht versteht: "Aus ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten ist Pelz eine gute Sache. Pelz ist ein natürliches Material, das immer wieder nachwächst. Kunstpelz dagegen wird aus Erdöl und Kohle hergestellt, in Asien produziert und dann nach Europa transportiert." Und zu guter Letzt sei Kunstfell im Gegensatz zu echtem Pelz nicht biologisch abbaubar. Gerade in Zeiten des größeren Umweltbewusstseins sei Naturpelz eine sehr gute Alternative, meint der Kürschnermeister.

Upcycling in der Pelzbranche

Eine junge Frau sitzt an einer Nähmachine für Pelze.
Isabelle Ahlefeld setzt die Familientradition in Chemnitz fort. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Förster und seine Kollegen aus der Kürschner-Innung haben zum Pressetermin eingeladen. Denn nach wie vor ist Pelzmode gefragt wenn auch nicht mehr in solch einem Umfang, wie vor Jahren. "Zu DDR-Zeiten gab es hier in Chemnitz ein dutzend Kürschner-Betriebe. Heute sind es gerade noch mal zwei", sagt Charles Ahlefeld, der in Chemnitz ein Fachgeschäft mit Werkstatt betreibt. Die Zeiten schwerer Persianermäntel seien allerdings längst vorbei. Denn auch bei den Kürschner-Betrieben hat die neue Zeit Einzug gehalten. Upcycling ist auch hier das Zauberwort. "Viele kommen mit dem Pelzmantel ihrer verstorbenen Tante zu uns und wollen den verkaufen. Wenn wir den Kunden dann zeigen, was man Tolles aus dem alten, schweren Mantel machen kann, klappt denen die Kinnlade runter", lacht der Kürschnermeister. Zum Beweis haben die Pelzfachleute eine kleine Modenschau improvisiert. Viele Stücke sind aus alten Mänteln und Jacken neu gefertigt.

Wenn wir den Kunden zeigen, was man Tolles aus dem alten, schweren Mantel machen kann, klappt denen die Kinnlade runter.

Charles Ahlefeld Kürschner-Meister aus Chemnitz

Betriebe setzen auf Nachhaltigkeit

Gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung seien die Kürschner voll im Trend, sagt Innungschef Förster. Dazu passe auch das neue Nachhaltigkeits-Label "We Prefur" - ein Wortspiel aus dem Englischen "prefer" für "bevorzugen" und "Fur" für "Fell".

Ein Sticker mit der Aufschrift: I love Natur - Wolle Seide Leder Pelz statt Plastik
Mit solchen Stickern wirbt die Pelzbranche. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Das Siegel garantiere, dass die Pelzmode aus waidgerechter Jagd stamme. "In Deutschland werden zum Beispiel pro Jahr über eine halbe Million Rotfüchse geschossen. Nur zehn Prozent davon werden für Pelze genutzt", erklärt Förster. Die Felle für das Siegel stammen laut Förster von Beständen, die bejagt werden müssen, wie Waschbären, Marderhund, Bisam oder Nutria. Ein solcher Pelz sei viel vernünftiger als ein Kunstfell aus endlichen Rohstoffen wie Erdöl und Kohle.

Teils berechtigte Kritik

Die Kritik von Tierschützern an Pelztierfarmen hält Förster für teilweise berechtigt. Es gebe durchaus Länder, in denen Pelztiere nicht artgerecht gehalten würden. "Wir in unserem Verband haben deshalb eine Selbstverpflichtung. Wir verarbeiten beispielsweise keine Felle aus China, obwohl die durchaus preiswerter wären." Die Kürschner in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt arbeiteten mit zertifizierten Betrieben, die die Anforderungen des Tierschutzes einhielten.

Meerschweinchen stellte berufliche Weiche

Zwei junge Frauen und ein Mann lächeln in die Kamera.
Lehrling Beatrix Walter, Kürschnerin Jessica Macuacua und Kürschnermeister Udo Meinelt (v.l.) Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Über Nachwuchssorgen klagen die Kürschner nicht. Einerseits ist es eine sehr kleine Branche - oft Familienbetriebe - andererseits reizt viele junge Leute die Kombination aus Handwerk und Kreativität. Beatrix Walter ist durch einen kuriosen Umstand zu ihrer Ausbildungsstelle gekommen. "Mein Meerschweinchen war gestorben und ich wollte das Fell als Erinnerung behalten. Also bin ich in die Kürschnerei von Udo Meinelt nach Rötha gegangen." Als sie merkte, wie vielfältig der Beruf ist, musste sie nicht lange überlegen. Heute ist sie Lehrling im ersten Lehrjahr bei Udo Meinelt.

Kurse für Hobbykürschner

Der 79-Jährige steht nach wie vor in der Werkstatt und im Laden. "Meine Woche geht Montagfrüh los und endet am Samstagabend". Und als wäre das nicht schon genug, hat Meinelt eine neue Idee umgesetzt. Seit zwei Jahren bietet er Kürschner-Kurse an. Zwei Mal im Monat können Interessierte erste Schritte im Pelzhandwerk machen. "Ich garantiere jedem, dass er in fünf Stunden ein Kürschner werden kann" sagt der energische Seniorchef. Ob jemand wirkliches Talent habe, zeige sich natürlich erst später. Die Kurs-Anfragen kommen laut Meinel aus aller Welt. "Das Interesse ist da, deshalb mach ich mir um die Zukunft der Branche keine Sorgen."

Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.10.2019 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 17:04 Uhr

2 Kommentare

Jagdkritikerin vor 1 Wochen

Der Deutsche Bundesrat wertet in einem 2015 vorgelegten, bislang aber nicht umgesetzten Gesetzesentwurf das Töten von Tieren zum Zweck der Pelzgewinnung als Verstoß gegen das verfassungsrechtlich verankerte Staatsziel Tierschutz.

Jagdkritikerin vor 1 Wochen

Für Pelzbekleidung gibt es kaum noch einen Markt; viele große Modedesigner und Kaufhäuser – wie zuletzt etwa Breuninger – haben der Produktion und dem Verkauf von Pelzmode abgeschworen. Aus gutem Grund: Pelz ist, unabhängig davon, ob er aus Jagd, Fallenfang oder sogenannten „Pelzfarmen“ stammt, untrennbar mit Leid und Tod von Tieren verbunden. Dennoch versuchen Jagdverbände nun, Pelz wieder salonfähig zu machen – und verwenden dazu nach Informationen des Aktionsbündnisses Fuchs in erheblichem Maß Steuergelder und staatliche Förderung. Der Deutsche Jagdverband hat 2016 gemeinsam mit dem Landesjagdverband Baden-Württemberg die Fellwechsel GmbH gegründet, ein Unternehmen, das Felle getöteter Wildtiere als vermeintlich naturnahe Kleidung und Accessoires verarbeiten und vermarkten soll.

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