Kritik am Vergabeverfahren Kulturministerkonferenz verschiebt Ernennung von Chemnitz zur Kulturhauptstadt

Transparente werben für Chemnitz als Kulturhauptstadt
Ende Oktober empfahl die europäische Jury Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025. Auf eine offizielle Ernennung durch die Kulturministerkonferenz muss die Stadt aber weiter warten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach der Jury-Entscheidung, dass Chemnitz Europäische Kulturhauptstadt 2025 wird, müssen die Kulturminister der Länder das Votum noch bestätigen. Der Termin, der für Mittwoch geplant war, wurde nun auf Anfang nächsten Jahres verschoben. Damit wolle man der Bitte der Jury nachkommen, die sich zur Kritik am Vergabeverfahren äußern will. Nachdem der Kandidat Nürnberg nicht gewonnen hatte, drohte Bayern damit, sich bei der abschließenden Bestätigung zu enthalten. Ziel sei aber, dass alle Bundesländer hinter Chemnitz stehen, hieß es.

Medienberichte über Vergabe an Chemnitz durch Vitamin-B

In Medienberichten war von möglichen personellen Verstrickungen im Vergabekarussell berichtet worden. Konkret richten sich die Vorwürfe gegen mehrere Berater, die zum Teil auch parallel für mehrere Bewerberstädte gearbeitet haben sollen. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung "agierte bis in die Jury hinein ein internationales Friends-and-Family-Netzwerk, dessen Machenschaften an Organisationen wie IOC oder Fifa erinnern". Auffallend oft seien dieselben Experten, Berater und Kulturmanager am Werk; in wechselnden Rollen, Funktionen und Konstellationen, so die Süddeutsche.

Kulturministerkonferenz tagt Anfang 2021

Das Gespräch der Kulturministerkonferenz mit der Vorsitzenden der Jury, Sylvia Amann, soll Anfang Januar 2021 stattfinden. "Alle Bewerberstädte haben ein transparentes Verfahren verdient", sagte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler, derzeit Vorsitzender der Ministerrunde.

Ferenc Csák
Ferenc Csák Bildrechte: imago images / HärtelPRESS

Ich bin felsenfest überzeugt, dass die Jury eine Entscheidung nach allen Regeln gefällt hat.

Ferenc Csák Projektleiter der Chemnitzer Bewerbung

Die Stadt Chemnitz teilte am Donnerstag mit, dass sie den Beschluss der Kulturministerkonferenz begrüße. Die Minister hätten zweifelsfrei anerkannt, das Chemnitz den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2025" verdient gewonnen hat. Das sieht auch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch so. "Chemnitz ist zweifelsohne die Siegerstadt, dies betonten alle Mitglieder der Kulturministerkonferenz in der Videoschalte", sagt sie. "Gleichzeitig ist es wichtig, dass es keine Zweifel an der Ernennung gibt, deshalb nehmen wir uns die Zeit und entscheiden Anfang Januar."

Kulturhauptstadt Europa 2025 Zeitgleich mit Slowenien ist Deutschland berechtigt, für das Jahr 2025 eine Europäische Kulturhauptstadt zu bestimmen. Chemnitz setzte sich im Oktober in der Endrunde gegen die weiteren Bewerber Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg durch. In Slowenien ist unter anderem noch Ljubljana, die Partnerstadt von Chemnitz, im Rennen. Die Entscheidung soll im Dezember 2020 verkündet werden.

Am Mittwoch hat die Jury Chemnitz für die Ernennung zur deutschen "Kulturhauptstadt Europas 2025" empfohlen. Die Empfehlung der Jury muss von Bund und Ländern noch in eine formelle Ernennung umgewandelt werden.

Jüngste Europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden davor auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988).

"Die Vorwürfe, die in der letzten Zeit erschienen sind, richten sich hauptsächlich gegen die Neutralität der internationalen Jury", so der Projektleiter der Chemnitzer Bewerbung, Ferenc Csák. Der gesamte Vergabeprozess sei noch einmal in Frage gestellt worden. "In der kommenden Sitzung wollen die Minister das Angebot der Jury nutzen, sich die Entscheidung und den korrekten Verlauf des Verfahrens noch einmal schildern zu lassen. Dies ist aus meiner Sicht eine gute Sache und räumt alle Zweifel aus dem Weg", so Csák. Auswirkungen auf die Vorbereitungsabläufe in Chemnitz habe eine Verschiebung der offiziellen Ernennung aber nicht.

Der Generalintendant der Theater Chemnitz, Christoph Dittrich lächelt am 12.09.2013 vor der Oper Chemnitz in die Kamera.
Bildrechte: dpa

Ich glaube, Tatsache ist, dass Chemnitz eine ganz wunderbare Bewerbung hingelegt hat, eine ganz basisorientierte, eine mit den Menschen und deswegen hat die Stadt den Titel völlig zu Recht verdient.

Christoph Dittrich Generalintendant der Theater Chemnitz

Eine detaillierte Befragung zum Vergabeverfahren, die Einblicke in das Verfahren gibt, findet auch Christoph Dittrich, Generalintendant der Theater Chemnitz, völlig legitim. Dabei gehe es aber darum, vielleicht für künftige Vergaben Veränderungen vorzunehmen. "Das hat aber mit diesem Jahr und mit der Chemnitzer Bewerbung überhaupt nichts so tun", so Dittrich. Er glaubt, dass alle Bewerberstädte unter den gleichen Bedingungen agiert haben.

Quelle: MDR/al/nk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.12.2020 | 19:00 Uhr

11 Kommentare

Chemieschwein. vor 10 Wochen

"Medienberichterstattung über Vergabe an Chemnitz durch Vitamin B"!! Welche Medien? In dieser kranken Zeit noch an ehrliche Medien zu denken Hut ab Herr Kommissar!!! Es wird Zeit das Chemnitz zur Landeshauptstadt ernannt wird damit dieses Schmierentheater aufhört!

Der Matthias vor 10 Wochen

Irgendwie erinnert mich das, was Bayern da aktuell macht, frappierend an Donald Trump: Nürnberg hat verloren . . . ergo muss die Wahl wohl gefälscht gewesen sein. Der stichhaltige Beweis dafür: Nürnberg hat verloren! ,.-)))

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 10 Wochen

IC-Anbindung Chemnitz ?

Es gab mal eine Kulturhauptstadt „Weimar“ mit einem Kultour-Bahnhof
und einem ICE-Halt. Heute kräht dort kein Hahn mehr danach und das
DNT spielt trotzdem noch und das Stadtschloss blüht und gedeiht
und das Umland bekennt sich zu seiner Herkunft als
„ländlicher Raum“...

Warum macht das Chemnitz nicht einfach auch ⁉️

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen