"Gegenwarten" Kunstausstellung im öffentlichen Raum sorgt für Verwunderung in Chemnitz

Observatorium, Wandelgang, 2020 Brückenstraߟe 30
Das Kunstwerk "Wandelgang" der niederländischen Künstlergruppe Observatorium steht am Ende der Brückenstraße. Bildrechte: Roman Mensing

Seit einiger Zeit tauchen im Chemnitzer Stadtbild Neuerungen auf, die die Anwohner verwundern und Diskussionen und Kritik hervorrufen. Ein Auto im Schlossteich, ein großes Holztor am Ende der Brückenstraße, ein großer Schriftzug an der Chemnitz Plaza an der Zentralhaltestelle. All diese Dinge sind Teil der Kunstausstellung "Gegenwarten" im öffentlichen Raum der Stadt Chemnitz. Dabei sollen bis zum 25. Oktober Projekte von 20 Künstlern und Künstlerinnen gezeigt werden.

Chemnitz wird international

"Die Ausstellung 'Gegenwarten' ist eine wichtige Etappe der Kulturhauptstadtbewerbung der Stadt Chemnitz", sagt Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz. "Das Projekt unterstreicht auch den Willen der Stadt, internationale Projekte ausrichten zu wollen und zu können." Ausgehend von gegenwärtigen Situationen sollen die künstlerischen Arbeiten sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft von Chemnitz verweisen. Kritische Diskussionen seien normal bei so einem Projekt, so Bußmann.

"Die Zeit ist reif für Chemnitz, als Kunststadt für moderne Kunst auch international zu werden. Sowohl was die ausgewählten Künstler angeht, als auch die Ausstrahlung der Stadt", sagt Baubürgermeister Michael Stötzer über das Kunstprojekt. Die offizielle Eröffnung der Ausstellung findet am Sonnabend im Stadthallenpark statt. Dort soll es dann auch Führungen zu den einzelnen Werken geben.

Die Ausstellung 'Gegenwarten' hat sich zum Ziel gesetzt, Chemnitz für die Chemnitzer Bevölkerung neu erlebbar zu machen, neu entdeckbar zu machen, an Orten, die vielleicht in Vergessenheit geraten sind und die damit neu, genaugenommen damit neu entdeckt werden können. Das ist eigentlich eine Entdeckung der Stadt.

Florian Matzner, Kurator

Werkstattszene mit den Künstlerinnen
Die Künstlerinnen Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová beim Bau ihrer Skulptur. Bildrechte: Roman Mensing

Karl-Marx-Darm als Skulptur

Die Künstlerinnen Anetta Mona Chişa und Lucia Tkáčová haben eine besondere Skulptur geschaffen, die auf der Wiese im Schillerpark neben dem Hotel Chemnitzer Hof zu sehen ist. Die Skulptur stellt den Darm von Karl Marx dar, in den passenden Proportionen zum Karl-Marx-Kopf in der Brückenstraße.

"Karl Marx haben wir schon oft in unseren Kunstwerken verwendet", erzählt Chişa. "Er ist eine Art Leitmotiv." Das Karl-Marx-Monument in Chemnitz sei einer der größten Karl-Marx-Köpfe in der Welt und ihnen stellte sich die Frage, warum immer der Kopf von wichtigen Personen dargestellt werde. "Gibt es nicht noch andere Organe, die einen Einfluss haben?", so Chişa. Der Darm sei der Ort mit den meisten fremden Organismen im Körper. "Und diese Organismen sind sehr wichtig für die Stimmung, die Ideen und das Glücklichsein eines Menschen", sagt sie.

Die meiste Verwunderung bei den Chemnitzern ruft das Auto im Schlossteich hervor. Viele glauben auf den ersten Blick, dass es sich um einen Unfall handelt. Doch laut Rene Kraus, Amtsleiter der Feuerwehr Chemnitz, gab es nur einen Notruf, der sich auch gleich aufklären ließ.

Auto im Schlossteich sorgt für Aufregung

"Ich glaube, es ist schon ziemlich offensichtlich so wie der Pkw hier im Wasser installiert ist, dass das Fahrzeug so nicht einfach in das Wasser gefahren sein kann", sagt Kraus. Außerdem seien überall Schilder angebracht, sodass es nicht zu Verwechslungen kommen dürfte.

Kunst ist das Auto für viele Chemnitzer nicht. "Ich weiß nicht, aber ich empfinde das nicht als Kunstwerk", sagt ein Bürger. "Aufmerksamkeit erregt es, aber Kunst?", sagt eine weitere Passantin. Florian Matzner hat das Kunstprojekt des Schweizers Roman Signer kuratiert. Ihn überrascht die Aufregung um das versenkte Auto, das ein Abgesang auf die autofreundliche Innenstadt sein soll, nicht. "Damit habe ich gerechnet, mit diesen Reaktionen", sagt er. "Aber das ist ja genau die Aufgabe von Kunst: Fragen zu stellen, auch mal zu provozieren. Dass das dann auch mal hoch hergehen kann, ist absolut ok und normal."

Quelle: MDR/al/mw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.08.2020 | 19:00 Uhr

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