Lesung Robert Claus stellt sein Buch "Hooligans" in Chemnitz vor

Rund 150 Gäste kamen am Mittwochabend zur Lesung von Robert Claus in Chemnitz. Er stellte sein Buch "Hooligans" im Rahmen der Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Ausgrenzung" vor. In der anschließenden Podiukmsdiskussion kam es zu deutlichen Aussagen.

Robert Claus bei einer Lesung in Chemnitz
Robert Claus bei der Lesung in Chemnitz Bildrechte: MDR/Anett Linke

"Ich war sehr gespannt, wer heute alles auf die Veranstaltung kommt", erzählt Robert Claus im Anschluss an seine Lesung im Gespräch mit MDR SACHSEN. "Es waren ja auch ein paar Neonazis da, die aus dem Raum gebeten wurden." Drei Mal machte der Veranstalter, das Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit, an diesem Abend von seinem Hausrecht Gebrauch und verwies insgesamt neun Personen aus dem Raum. Es wären bekannte Personen gewesen, die eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen seien, so die Veranstalter. Robert Claus beginnt den Abend mit einer Mischung aus einem Vortrag und vorgelesenen Passagen aus seinem Buch. "Nicht alle Hools sind Rechte", stellt er dabei mehrmals klar.

Es gibt auch linke und komplett unpolitische Hooligangruppen.

Robert Claus

Die Hooliganszene - sie ist schwer zu definieren. Claus versucht es mit einer Art Drei-Stufen-System: Zuerst sind da die aktiven Kämpfer. Claus schätzt sie auf 1.500 bis 2.000 Personen in Deutschland. In Sachsen hätte jeder Fußballverein, außer RB Leipzig, eine aktive gewaltbereite Hooligangruppe. Die zweite Stufe sind Fans mit "gewollter Gewalterfahrung" im Fußball. Also Leute, die jetzt nicht mehr aktiv sind, aber stolz darauf sind, früher mit dabeigewesen zu sein. Die dritte Stufe ist am schwierigsten zu fassen. "Es sind Fans von Fangewalt im Fußball." Diese wären nicht selbst aktiv gewalttätig, würden die Hools und deren Lebensstil aber bewundern.

Claus gibt einen Einblick in die Vernetzung der Hooligans, vor allem in der Kampfsportszene. "Wir müssen uns überlegen, wie wir mit Gruppenkampfsport umgehen. Irgendwer wird diesen Markt besetzen", warnt er vor rechstextremen Anbietern, die das künftig versuchen wollen: Nicht Mann gegen Mann, sondern Gruppe gegen Grupe. Damit illustriert er die Professionalisierung der Hooligankämpfe. Was früher eine verabredete Massenschlägerei irgendwo in einem Wald war, werde nach und nach zu einem Sportevent. HooNaRa, die von Thomas Haller in Chemnitz gegründete Gruppe, war laut Robert Claus ein Vorreiter der Professionalisierung. "Sie waren sehr gut traniert und im Kampfsport verwurzelt. Daher haben sie die Hooliganszene auch dominiert."

Chemnitzer stellen viele Fragen

Fragen aus dem Publikum nach Statistiken und genauen Zahlen kann Claus nicht konkret beantworten. Es gäbe keine validen Zahlen, keine Statistiken, alle seine Angaben seien geschätzt. Eine junge Frau fragt, was den Reiz der Mitgliedschaft bei einer Hooligangruppe ausmachen würde. Zugehörigkeit, sozialer Status und natürlich auch eine gewisse Machtposition, erklärt Claus.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion werden vor allem die aktuelle Ereignisse in Chemnitz zum Thema. Robert Claus erklärt, dass es rechtsextreme Hooligans in fast jedem Verein gäbe. Im Unterschied zu Chemnitz wären sie sonst aber relativ isoliert. In Chemnitz fehle das Gegengewicht. Ines Vorsatz, von der Koordinierungsstelle des Lokalen Aktionsplans der Stadt Chemnitz, versucht Mut zu machen. Bei ihnen seien so viele Förderanträge wie noch nie für demokratiefördernde Projekte eingegangen. Allerdings fehle es etwas an der Kommunikation nach außen. Viele würden nicht wissen, was es von der Stadt alles für Angebote gibt.

Für Tim Mönch wird die rechtsextreme Szene in Chemnitz schon viel zu lange verharmlost. Die Stadt müsse sich bewusst werden, wie riesig die Strukturen vor Ort sind. Ines Vorsatz erklärt den Eindruck, dass vieles toleriert wird, mit Angst.

Es ist ein Machtkampf entstanden um die Deutungshoheit in der Stadt.

Ines Vorsatz Koordinierungsstelle des Lokalen Aktionsplans der Stadt Chemnitz

Lars Fassmann, Stadtrat der Fraktion Vosi/Piraten in Chemnitz, meldet sich aus dem Publikum zu Wort und sieht die Probleme auch in der Relativierung seitens der Politik. Keiner beziehe mehr Stellung oder zeige Haltung.

Ein Zuschauer fragt, ob es CFC-Fans im Publikum gäbe. Ihn würde eine Innenansicht interessieren. Nur ein junger Mann meldet sich. Er gehe schon sehr lange ins Stadion, habe sich in den letzten Jahren aber stark entfernt von der Fanszene. Sprüche wie "Judendynamo" oder "Schiri, du Zigeuner" seien in der Südkurve an der Tagesordnung. Wenn man dort offen Widerspruch äußere, bekäme man ganz klar gezeigt, dass das nicht gewünscht wird. "Das bedeutet, dass man umringt wird von Hooligans oder von irgendwelchen Vollidioten, die einem dann zeigen, entweder du hälst deinen Mund oder du bist halt raus aus dem Stadion", erzählt er. Die Bedrohung würde durch Blicke gezeigt oder auch mit körperlichen Übergriffen. Katrin Siegel vom Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit fordert, dass der Verein hier in die Pflicht genommen werden müsse. "Der CFC muss anfangen tiefer zu graben und aufzuarbeiten, bevor die Fans (gegen die Hooligans, Anmerkung der Redaktion) aktiv werden können."

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.04.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 04. April 2019, 14:15 Uhr

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17 Kommentare

06.04.2019 08:30 Dieter 17

MuellerF 16:
Sport und Kultur sind andere Lebensbereiche. Universitäten sollten Orte sein, in denen Wissenschaft betrieben und für unser Land wichtige Berufe ausgebildet wird- Gender Studies gehören nicht dazu. Hier wird Steuergeld für ideologischen Mumpitz verbrannt. Wir brauchen Forschungen in Zukunftsthemen (wie bewältigen wir die Auswirkungen des Klimawandels, wie entwickeln wir Autos der Zukunft, ohne fossile Brennstoffe) .

05.04.2019 18:56 MuellerF 16

@6 & @15: Wenn Sie über die Sinnhaftigkeit von Berufen reden wollen-bitteschön: welche produktive Relevanz hat denn Profisport, bzw. wie hier, Fussball? Auch nicht mehr als die von Künstlern, Autoren etc., oder?

05.04.2019 16:51 Paule 15

Dieter hat schon alles gesagt, ein Studium, welches die sinnvolle Arbeit weit von sich weist. Wir brauchen mehr solche Experten, um in einigen Jahren auf dem Level gewisser Zentralafrikanischen Staaten zu liegen. Vorwärts nimmer, rückwärts immer.

05.04.2019 12:31 MuellerF 14

@9: Schlecht gelogen-das Buch erschien erstmals 2017!
@10: Herr Fassmann kommt aus Chemnitz, sitzt in Chemnitz im Stadtrat & besitzt zahlreiche Immobilien in Chemnitz- wie kommen Sie darauf, er hätte evtl. nichts für diese Stadt übrig?
@12: Kaotic, NS-Boys & Co. sind ja keine offiziellen CFC-Fanklubs. An die Personen käme man also nur bei ihren Aktionen im Stadion heran. Also zum Beispiel konsequente Spielunterbrechungen oder- abbrüche, wenn sich Leute in der Südkurve vermummen, Pyro zünden oder illegale Banner zeigen; diese Leute mit Ordnern u./o. Polizei rausziehen & dann Stadionverbote verhängen. Das würde eine Zeitlang viel Wirbel machen & evtl. auch sportliche Konsequenzen haben, aber irgendwann wäre dann Ruhe.

05.04.2019 11:42 Kirchenmitglied 13

Robert Claus stellt fest, dass es Fans gibt, die "die Hools und deren Lebensstil bewundern". Wie kann jemand ein Leben, das sich ausschließlich um Fußball, um Stunksuche, um Herumpöbeln und Herumrülpsen in der Öffentlichkeit und um Schlägereien dreht, bewundern? So etwas ist doch pervers! Ist es nicht besser, Menschen zu bewundern, die auch in ihrer Freizeit aufbauen und nicht zerstören und vernichten?

@Beobachter, "Eine Diskussion mit echten Fans oder Hools war von vornherein unerwünscht." Das liegt ganz einfach daran, dass Hooligans nicht reden, sondern prügeln. Würden die sich zivilisiert benehmen, könnte man die auch einladen.

05.04.2019 09:37 CFC Fan 12

Immer dieses Relativieren vieler Fans. Der CFC hat ein Problem mit rechten Fans. Hier müssen endlich Maßnahmen her! Erscheinungsverbote von Gruppierungen wie NS-Boys, Kaotic und Co haben nicht viel Wirkung entfaltet. Weg mit diesen Leuten aus dem Stadionumfeld und verstärkt Prävention und Aufklärungsarbeit leisten.

05.04.2019 08:13 Ole Wels 11

@1: Als ob Hools zum offenen "Diskutieren" kommen würden, sehr witzig. Auch haben sich bei solchen Veranstaltungen Ausschlussklauseln und die Nutzung des Hausrechtes etabliert, weil die "nicht genehmen Personen" eben nicht einfach nur da sind, sondern immer die Veranstaltungen stören oder z.T. auch komplett als Bühne für sich missbrauchen wollen. Ich lad mir doch auch niemanden zur Party ein, bei dem ich weiß, dass er nur seine Musik hören will und am Ende alle anderen mit Bierflaschen bewirft.

04.04.2019 23:28 Aha 10

Herr Fassmann war auch da. Wem wundert's. Ist ja kein großer Fan vom CFC. Hoffe er hat wenigstens was für die Stadt über. Naja...gibt es die Piraten Partei noch? Hmm...warum wohl wählt die keiner mehr Herr Fassmann? Genau weil sie keiner braucht!

04.04.2019 23:17 Roccos 9

Hab das Buch schon vor 12 Jahren gelesen. Nix neues. Weiß nicht warum es noch mal gedruckt wurde. Wahrscheinlich um Geld zu mach. Trauriges Deutschland. Freu mich auf den Wetterbericht morgen. Mal was neues.

04.04.2019 22:51 Bergfreund 8

Tolle Gesprächsrunde.Die jenigen
welche eventuell anderer Meinung
sein könnten werden erstmal ausgesperrt.Ganz großes Kino.
Tief gegraben wird hier sowieso nichts.Es wäre wichtiger das unser Stadionsprecher und unsere Fanbeauftragte wieder da sind und diese Hexenjagd aufhört. Bei Leonhard in Aue würde es dieses blöde Gelabbe gar nicht geben.Da käme die Faust auf den Tisch und es wäre Ruhe.

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