Thomas Lindner, Geschäftsführer der Strumpfwerke Lindner GmbH in Hohenstein-Ernstthal, und Martin Dulig, Wirtschaftsminister von Sachsen, begutachten Strümpfe für den Sportbereich.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (r.) besuchte am Montag Textilbetriebe in der Region, darunter die Strumpfwerke Lindner Hohenstein-Ernstthal. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

21.05.2019 | 18:00 Uhr Gesundheit 4.0 - Individuelle Medizintechnik aus Textilien

Die Zeiten von Leinenbettwäsche im Krankenhaus oder einfacher Stützstrümpfe für Patienten sind lange vorbei. Im Netzwerk "health.textil 4.0" werden neue textile Anwendungen für den Gesundheitsbereich entwickelt.

Thomas Lindner, Geschäftsführer der Strumpfwerke Lindner GmbH in Hohenstein-Ernstthal, und Martin Dulig, Wirtschaftsminister von Sachsen, begutachten Strümpfe für den Sportbereich.
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (r.) besuchte am Montag Textilbetriebe in der Region, darunter die Strumpfwerke Lindner Hohenstein-Ernstthal. Bildrechte: MDR/Nora Kilenyi

Antizeckenstrümpfe, keimtötende Socken für Klinikpersonal oder eine Matratzenauflage, die erkennt, wann der bettlägrige Patient gedreht werden muss - Textilunternehmen aus Sachsen punkten in der Gesundheitsbranche mit innovativen Ideen.

Doch geht es darum, Medizinprodukte an den Markt zu bringen, kämpfen die Betriebe mit der Bürokratie. "Die Barrieren sind in Deutschland ziemlich hoch", sagt Thomas Lindner, Geschäftsführer der Strumpfwerke Lindner Hohenstein-Ernstthal. "Wir haben zum Beispiel das Problem, dass die europäische Gesetzgebung immer schwieriger wird. Wir müssen jede Menge Tests beibringen, was einen unheimlichen Aufwand bedeutet." Bündle man die Kräfte und Produkte, sei es leichter bei der Zulassung der Medizinprodukte. Um Synergien zu nutzen, haben sich Lindner und ca. 20 weitere Firmen und Partner im Netzwerk "heath.textil 4.0" zusammengeschlossen.

André Fahrenholz ist in der Strumpfwerke Lindner GmbH in Hohenstein-Ernstthal mit der Druckmessung medizinischer Strümpfe beschäftigt.
Medizinische Strümpfe gehören zur Produktpalette der Strumpfwerke Lindner GmbH. Bildrechte: dpa

health.textil 4.0 ... ... ist ein Netzwerk von Herstellern und Anwendern innovativer Gesundheitstextilien in Sachsen. Textilproduzenten und Textilforscher arbeiten mit Technologiepartnern aus den Bereichen IT und technische Sensorik zusammen, um zum Beispiel

- die Vitalfunktionen von Patienten zu ermitteln
- Belastungsszenarien des Pflegepersonals zu testen
- die Wäscheversorgung mit integrierten Ausgabelabels zu verbessern.

Sächsisches Textilforschungsinstitut hält die Fäden zusammen

Auch das Sächsische Textilforschungsinstitut in Chemnitz ist Partner des Netzwerkes "heath.textil 4.0". Die Wissenschaftler suchen gemeinsam mit den Unternehmen nach passgenauen Lösungen für die Produktion von medizinischen Textilien. Der Wissenschaftliche Direktor des Instituts, Yves-Simon Gloy, arbeitet dazu auch mit der Firma Lindner zusammen. "Wir forschen daran, medizinische Textilien dem Körper des Patienten ganz genau anzupassen." Am Endes sollten die Messergebnisse der Patienten direkt aus dem Sanitätshaus zur Maschinen übertragen werden, um das Textil herzustellen. "Diese Schnittstellen müssen wir erst noch schaffen." Die konzeptionelle Phase sei bereits abgeschlossen. Jetzt gehe es in die Umsetzung. "Ich denke, in ein bis zwei Jahren haben wir Ergebnisse, mit denen wir an den Markt gehen können."

Maximilian Janetzki begutachtet in der Strumpfwerke Lindner GmbH in Hohenstein-Ernstthal an einer Strumpfstrickmaschine einen Strumpf für Diabetiker.
In Zukunft sollen Daten von Patienten direkt an die Maschinen der Strumpfwerke Lindner übertragen werden. Die Maschine fertigt dann ein maßgeschneidertes Produkt. Bildrechte: dpa

Wirtschaftsminister sagt Unterstützung zu

Gefördert wird das Netzwerk vom sächsischen Wirtschaftsministerium. Ressortchef Martin Dulig, der am Montag mehrere Textilbetriebe in der Zwickauer und Chemnitzer Region besuchte, sieht die Branche auf einem guten Weg. "Wir müssen die Nische finden, in der wir mit unseren Produkten wettbewerbsfähig sind. Wir müssen zeigen, dass das, was in Sachsen erforscht und produziert wird, ist weltmarktfähig. Im Gesundheits- und Sportbereich haben wir Unternehmen, die genau in diesem Bereich tätig sind. Diese innovativen Gesundheitstextilien sind auf der ganzen Welt gefragt. Und das macht mich schon stolz, dass man sagen kann: 'Made in Saxony'."

Dulig versprach, eine eine Anschlussfinanzierung für das Projekt "heath.textil 4.0" zu unterstützen, dessen Förderung im kommenden Monat ausläuft. Künftig soll das Projekt vom Bund gefördert werden.

Quelle: MDR/tfr/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 20.05.2019 | 17:30 Uhr

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