03.02.2020 | 19:50 Uhr "Parents for Future" fordern Klimanotstand für Chemnitz

Am 5. Februar befasst sich der Stadtrat Chemnitz mit einer Petition zur Ausrufung des Klimanotstands in der Stadt. Die Verwaltung empfiehlt, die Petition nicht anzunehmen, weil es bereits entsprechende Beschlüsse gäbe.

Zwei Tage vor der Abstimmung über die Petition zur Ausrufung des Klimanotstands in Chemnitz hat die Chemnitzer Gruppe von "Parents for Future" die Stadträte noch einmal über die Inhalte der Petition informiert. Allerdings sind mit Jörg Viehweg von der SPD, dem Linke-Stadtrat Thomas Scherzberg und Bernhard Herrmann von Bündnis 90/Die Grünen nur drei Kommunalpolitiker zur Informationsveranstaltung im Technischen Rathaus erschienen.

Uwe Grüner von "Parents for Future" präsentierte Zahlen aus der Stadt, um die Dringlichkeit des Anliegens zu verdeutlichen. "Allein 2018 sind 2.500 Bäume in der Stadt durch Trockenheit gestorben. Genau 323 Nachpflanzungen hat es im vergangenen Jahr gegeben." Das sei zu wenig. Auch die Wasserstände in den Flüssen seien zurückgegangen. "Im August 2018 hat die Zschopau in Lichtenwalde bei Chemnitz einen Durchfluss von gerade 2,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gehabt." Das sei ein Zehntel des Normalwertes. Diese Entwicklung habe sich im vergangenen Jahr fortgesetzt, so Grüner.
"Der Weltklimarat geht inzwischen nicht mehr von einer Erderwärmung von 1,5 bis drei Grad aus, sondern spricht von drei bis sieben Grad. Das hat mir eine schlaflose Nacht bereitet, als ich das gehört habe."

Parents for Future Chemnitz Nach eigenen Angaben sind die Mitglieder der "Parents for Future Chemnitz" Menschen aus der Eltern- und Großelterngeneration, die in Solidarität zur "Fridays For Future"-Bewegung stehen. Sie wollen die Kinder und Jugendlichen in ihren Forderungen nach einer konsequenten Klima- und Umweltschutzpolitik unterstützen. Wichtig ist ihnen die Vernetzung mit anderen Chemnitzer Nachhaltigkeitsinitiativen und mit For-Future-Initiativen mitteldeutscher Städte. Es gibt Verbindung mit "Parents for Future" Dresden, Erfurt, Freiberg, Leipzig und Magdeburg. Ebenso bestehen Kontakte zu den "Scientists for Future" Chemnitz, Dresden und Leipzig.
Deutschlandweit gibt es 295 gemeldete Ortsgruppen der "Parents for Future".

Petition soll besseres Klima in der Stadt ermöglichen

Anja Hadamus-Lang, die die Petition zum Klimanotstand mit auf den Weg gebracht hat, sieht trotz düsterer Klimaprognosen eine Chance für Veränderung. "Hier haben sich junge Leute von 'Fridays for Future', ältere Menschen von 'Parents for Future' und einfach betroffene Bürger und Bürgerinnen zusammengefunden für ein besseres Klima. Für und in unserer Stadt. Das ist schon ein guter Anfang. Wir nehmen nicht mehr hin, wie langsam und träge die Politik auf die Herausforderungen reagiert." Das sei der Grund gewesen, mit einer Petition den Stadträten den Ernst der Lage zu verdeutlichen und sie zum Handeln zu zwingen, wenn sich eine Mehrheit finde. "Der Begriff 'Notstand' hat mehrere Stadtratsfraktionen irritiert. Uns geht es aber darum, die Stadt lebenswert zu erhalten, auch wenn der Klimawandel anhält", so Hadamus-Lang.

Verwaltung gibt klare Empfehlung gegen die Petition ab

In der Empfehlung, die die Verwaltung für die Stadträte der Beschlussvorlage beigefügt hat, steht hingegen ein klares "Nein" zur Ausrufung des Klimanotstands in der Stadt. Zur Begründung wird angeführt, dass die Stadt bereits 2008 einen entsprechenden Beschluss gefasst habe, der Maßnahmen zur Verringerung des CO²-Ausstoßes beinhalte. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass Teile der Petition juristisch nicht haltbar seien. So verstoße die Forderung, nachhaltig wirtschaftende Betriebe bei der Auftragsvergabe zu bevorzugen, gegen geltendes Vergaberecht.
Zudem würden bereits konkrete Maßnahmen zum Hochwasserschutz umgesetzt. Ein Hitzeaktionsplan sei ebenfalls in Arbeit.

Ein Fluss führt leichtes Hochwasser
Die Stadt sieht sich gut vorbereitet auf eventuelle Hochwasser und Hitzeperioden. (Symbolbild) Bildrechte: Gert Steger

Messdaten sind eindeutig: Sachsen ist zu warm und zu trocken

Die Messdaten des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sind eindeutig. Sie bescheinigen, dass mit einer Abweichung von +2,3 Grad das Jahr 2019 das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Sachsen war. Gleichzeitig unterschreiten nach Angabe der Behörde rund 90 Prozent der ausgewerteten 167 Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand um durchschnittlich 60 Zentimeter.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.01.2020 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

6 Kommentare

der_Silvio vor 26 Wochen

"In D wurden zB schon 2013 pro Tag 80ha an Fläche bebaut, also größtenteils versiegelt."

1.) Sind da schon die Flächen mit eingerechnet, die mit Solaranlagen zugepflastert worden sind?
2.) Wie ist das dann mit der immerwährenden Forderung nach Wachstum, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Zuwanderung vereinbar?

In beiden Fragen beißt sich die Katze in den Schwanz.

der_Silvio vor 26 Wochen

"Petition soll besseres Klima in der Stadt ermöglichen"
(Quelle: MDR–Artikel siehe oben)
Einen größeren Schwachsinn hab ich dazu noch nicht gelesen.
Wie soll eine Petition das Klima in Chemnitz verbessern?!?

"Maßnahmen zur Verringerung des CO²-Ausstoßes beinhalte."
(Quelle: MDR–Artikel siehe oben)
Was brauchen grüne Pflanzen nochma zum Wachstum? Richtig: CO²!

Chemnitzer vor 26 Wochen

Aber,aber...in einer zukünftigen Kulturhauptstadt kann doch kein Klimanotstand herrschen.
Man kommt sich vor wie beim Tanz auf dem Vulkan. Der viele Beton in der Innenstadt ...darauf kann man ja ein Hähnchen im Sommer bruzzeln. Traurig. Gut, dass die ältere Generation sich nicht lange bitten lässt.

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