11.10.2019 | 15:01 Uhr Kraftklub-Sänger Felix Kummer öffnet Plattenladen in Chemnitz

Die Band Kraftklub ist in Chemnitz eine "Hausnummer", jetzt auch mit eigenem Plattenladen. Sänger Felix Kummer hat sich damit in seiner Heimatstadt einen Traum erfüllt - und verkauft persönlich sein neues Solo-Album.

Felix Kummer
Seine Fans kennen ihn unter dem Namen Felix Brummer. Als Frontmann der Band Kraftklub singt er sarkastische, gesellschaftskritische und selbstironische Songs. Doch es gibt auch
einen anderen Felix - Felix Kummer. Das ist der bürgerliche Name des
30-Jährigen. Er ist der Sohn von jan Kummer der legendären Combo AG Geige.
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Mit einem "Hereinspaziert" hat Felix Kummer, Frontmann der Chemnitzer Band Kraftklub, in seiner Heimatstadt einen Plattenladen eröffnet. Zuvor hatten hunderte Fans diesem Moment teilweise lautstark singend entgegen gefiebert. Kummer will sein erstes Solo-Album "Kiox" drei Tage lang persönlich verkaufen. "Ich habe so was noch nie gemacht. Keine Ahnung, was uns erwartet," sagte Kummer. Mit dem gleichnamigen Plattenladen "Kiox" erfülle er sich einen Traum. Der Laden soll allerdings nach drei Tagen wieder schließen.

Bildergalerie Kraftklub-Sänger öffnet Pop-Up-Store in Chemnitz

Geheimkonzert von Kraftklub-Sänger Felix Kummer auf dem Dach seines Plattenladens KIOX.
Bildrechte: MDR/Georg Ulrich Dostmann
Geheimkonzert von Kraftklub-Sänger Felix Kummer auf dem Dach seines Plattenladens KIOX.
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Geheimkonzert von Kraftklub-Sänger Felix Kummer auf dem Dach seines Plattenladens KIOX.
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Warten der Fans auf den Konzertbeginn.
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Warten der Fans auf den Konzertbeginn.
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Felix Kummer
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Felix Kummer, Frontmann der Chemnitzer Band Kraftklub, gibt Autogramme in seinem eben eröffneten Plattenladen.
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Kunden stehen im Plattenladen von Felix Kummer, Frontmann der Chemnitzer Band Kraftklub.
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Einige Fans verbringen Nacht vor dem Laden

Während der Musiker kurz vor der Ladeneröffnung um 10 Uhr noch ein Video der rund 200 Meter langen Warteschlange dreht und ins Netz stellt, fiebern hunderte Fans teilweise lautstark singend dem Event entgegen. "Wir sind seit gestern Abend 21 Uhr hier und dachten schon, wir sind voll spät", sagt Alica aus Chemnitz. Ausgestattet mit vier Pullis und einer Jacke hat die 21-Jährige gemeinsam mit ihrem Freund Paul aus Zwickau die Nacht wartend vor der Tür verbracht, um die Erste zu sein. Der Plan geht auf - inklusive Selfie mit Kummer.

Kummer: Neonazis in Chemnitz kein neues Phänomen

Auf dem neuen Album rappt der 30-Jährige unter anderem über seine Jugend in Chemnitz - und die Alltäglichkeit rechter Gewalt, lange vor den aktuellen Ereignissen. Felix Kummer hat schon früh mit Menschen aus der rechten Szene Probleme bekommen. Es werde immer so getan, als seien Neonazis ein neues Phänomen in Chemnitz. Das stimme nicht, es habe bislang "nur niemanden gejuckt". Über Begegnungen mit Schlägern und Zeiten, in denen er "einfach kassiert" habe, rappt er in dem Song "9010", benannt nach der alten Postleitzahl seiner Heimatstadt. "Als 14-Jähriger habe ich auf jeden Fall mehr aufs Maul bekommen als heute", sagt Kummer. "Immer dann, wenn ich es nicht geschafft habe wegzurennen." Nachts, auf dem Nachhauseweg, habe er sogar Schleichwege benutzt.

"Ich bleib' in Chemnitz"

Im Spätsommer 2018 wurde Chemnitz zum Inbegriff rechter Gewalt. Nach einem tödlichen Messerangriff marschierten tagelang Rechte durch die Stadt. Es folgten Auseinandersetzungen mit Migranten, Gegendemonstranten und Journalisten. Es sei gut, dass die Menschen jetzt "das braune Chemnitz" kennen, sagt Kummer. So könne die Politik nicht einfach wegschauen, sondern müsse das Problem angehen.

Vor der Landtagswahl in Sachsen hatte der Sänger sogar mit dem Gedanken gespielt, aus Chemnitz wegzuziehen, falls sich die AfD an der Regierung beteilige. "Ich bleib' in Chemnitz", sagt er jetzt. "Es ist nicht die Lösung abzuhauen." Gerade jetzt zähle es, Leute vor Ort zu unterstützen und nicht allein zu lassen.

Kampf gegen ein bestimmtes Männer-Bild

Doch Felix Kummer kämpft nicht nur gegen die rechte Szene in Sachsen, sondern auch gegen ein bestimmtes Bild von Männlichkeit. Ein Bild, das etwa deutsche Rapper wie Kollegah vermitteln. "Echte Männer sind Gewinner. Echte Männer weinen nicht", singt Kummer in seinem Song "Nicht die Musik" und parodiert damit die Szene. Er selbst habe ein anderes Männlichkeitsideal, sagt der 30-Jährige. Die Idee von einem Mann, der keine Gefühle zulassen könne und nach möglichst viel Reichtum und Stärke strebe, finde er "nicht besonders cool".

In den Fußstapfen des Vaters

Kummer wandelt mit dem Plattenladen in den Fußstapfen seines Vaters. Jan Kummer, der in der DDR als AG Geige bekannt war, hatte in Chemnitz einen Plattenladen unter demselben Namen. Kummer sagte MDR SACHSEN, er habe als Vater manchmal ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn er seine Kinder nach der Schule in den Plattenladen holte, um ihn zu vertreten. "Im Nachhinein scheint das gar nicht so schlecht gewesen zu sein."

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN GUTEN MORGEN SACHSEN | 11.10.2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 15:01 Uhr

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