Ein Zug der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) fährt in den Hauptbahnhof Chemnitz.
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18.06.2019 | 16:07 Uhr Regionalexpress-Linie Chemnitz - Leipzig: Transdev gelobt Besserung

Ein Zug der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) fährt in den Hauptbahnhof Chemnitz.
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Alte Reichsbahn-Waggons und kaputte Siemens-Loks: Reisende und Pendler auf der Bahnlinie Chemnitz - Leipzig sind seit Jahren hart im Nehmen. Aktuell fällt jeder dritte Zug aus, weil die Mitteldeutsche Regiobahn nicht genug Reserveloks bereithält. Der Fahrgastverband Pro Bahn bezeichnet den "aktuellen Zustand dieser Linie" als "ein unglaubliches Armutszeugnis für den Öffentlichen Verkehr in Sachsen".

Freitag sollen alle Loks wieder fit sein

Der Verkehrskonzern Transdev als Betreiber der Mitteldeutschen Regiobahn und damit auch des RE 6 zwischen Chemnitz und Leipzig gelobt auf Anfrage von MDR SACHSEN Besserung. "Wir gehen davon aus, dass die Loks mit Betriebsbeginn am Freitag wieder eingesetzt werden können", erklärte die Pressestelle des Unternehmens. Am Donnerstag will sich der Konzern mit Triebwagen behelfen. Ersatzbusse seien kurzfristig nicht aufzutreiben, weil die Deutsche Bahn an vielen Stellen baut und deshalb schon viele Busse im Bahnersatzverkehr unterwegs seien.

Zwei Loks gleichzeitig defekt

Die Probleme mit den Loks seien unerwartet aufgetreten und auch noch an zwei Loks gleichzeitig, so Transdev. Der Hersteller Siemens sei in die Fehlersuche einbezogen. Warum die Unternehmensgruppe Transdev als eines der größten Bahn- und Busunternehmen in Deutschland keine Reserven vorhält, erklärte die Pressestelle nicht.

Unsere vier Lokomotiven müssen in einem fest vorgeschriebenen Turnus gewartet werden (sog. Frist-Arbeiten). Für den Regelbetrieb benötigen wir drei Lokomotiven, d.h. eine dient als Reserve, unter anderem um die Fristzeiten abzudecken. Ein Bauteil, welches normalerweise nur alle acht Jahre im Rahmen von Revisionen getauscht wird, hat bei zwei Lokomotiven nach einer Einsatzzeit von weniger als zwölf Monaten einen Defekt aufgewiesen. Die Firma Siemens untersucht hier mit Hochdruck die Ursachen. Ein Ersatzteil war auf Lager und konnte direkt verbaut werden. Die Lieferzeit für das zweite Ersatzteil führte zu einer Verzögerung der Reparatur und der Überschneidung mit der notwendigen Frist einer weiteren Lok.

Pressestelle Transdev

Man könne "die Kritik des Fahrgastverbandes Pro Bahn ... nicht vollständig teilen", so Transdev. Zugleich räumt die Pressestelle ein, die Pünktlichkeits- und Ausfallquote entspreche "noch nicht unserem Qualitätsanspruch". Zugleich verweist Transdev für 2018 auf der Linie Leipzig  – Chemnitz auf eine durchschnittliche Pünktlichkeit von knapp 90 Prozent und Zugausfälle im Vergleich zur Gesamtleistung von knapp vier Prozent pro Monat. "Die Pünktlichkeit konnten wir in 2019 deutlich auf durchschnittlich ca. 93 Prozent verbessern. Die Zugausfälle lagen in den ersten Monaten bei knapp vier Prozent", so der Verkehrskonzern. Man sei aber nur an der Hälfte der Zugausfälle selbst schuld. Die andere Hälfte der Züge sei wegen Bauarbeiten oder Streckensperrungen durch Bundespolizei-Einsätze verursacht worden.

VMS verärgert über Transdev

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) als Besteller des Verkehrs gibt sich schmallippig. Ein Sprecher sagte MDR SACHSEN: "Der VMS ist ebenso unzufrieden und bewertet aktuell alle Optionen für eine Verbesserung der Qualität dieser Zugverbindung. Die Kritik des Fahrgastverbandes ist uns gestern bekannt geworden. Wir sind intensiv bestrebt, eine Veränderung herbeizuführen." Ob auch eine vom Fahrgastverband ins Spiel gebrachte Neuausschreibung eine Option sein könnte, ließ der Verkehrsverbund offen.

Auch auf anderen Strecken in Sachsen hatte die Mitteldeutsche Regiobahn schon Fahrgäste verärgert, weil Züge wegen technischer Störungen nicht einsatzbereit waren - so etwa zwischen Leipzig und Grimma oder zwischen Dresden und Hof.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.06.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus Chemnitz

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13 Kommentare

20.06.2019 11:23 Grosser, Klaus 13

Vom Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) werden nicht alle vertraglichen Möglichkeiten gegen die Transdev Regio Ost GmbH ausgeschöpft, um schnellstmöglich wieder zu einem stabilen
Betriebsablauf zu gelangen.
Eine Kündigung des Vertrages ist somit längst überfällig.
Offensichtlich rechnet es sich finanziell für die Transdev Regio Ost GmbH und für den Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), dass auf den Strecken der Transdev Regio Ost GmbH immer wieder Züge
ausfallen, ohne das ein Busnotverkehr eingerichtet wird.
Insbesondere weil auf den Strecken des Dieselnetz Nordwestsachsen bereits seit über 3 Jahren die Züge regelmäßig ausfallen.
Von den ganzen anderen Problemen der Transdev Regio Ost GmbH möchte ich gar nicht erst reden.

20.06.2019 11:21 Grosser, Klaus 12

Die Frage ist doch:
Hat die Transdev Regio Ost GmbH um das günstige Angebot abgeben zu können, damit sie den Zuschlag für das Dieselnetz Nordwestsachsen erhält, wurde dafür mit viel zu wenig Personal und viel zu wenig Zügen kalkuliert?
Warum wurde und wird dies nicht vom Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) überprüft?
Verantwortlich für die Zugausfälle und den Lokführermangel ist letztendlich die Bahnprivatisierung und Bahnregionalisierung.
Es muss endlich zu einer Staatsbahn zurückgekehrt werden.

20.06.2019 11:16 Grosser, Klaus 11

Vom Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) werden nicht alle vertraglichen Möglichkeiten gegen die Transdev Regio Ost GmbH ausgeschöpft, um schnellstmöglich wieder zu einem stabilen Betriebsablauf zu gelangen.
Eine Kündigung des Vertrages ist somit längst überfällig. Offensichtlich rechnet es sich finanziell für die Transdev Regio Ost GmbH und für den Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), dass auf den Strecken der Transdev Regio Ost GmbH immer wieder Züge ausfallen, ohne das ein Busnotverkehr eingerichtet wird. Insbesondere weil auf den Strecken des Dieselnetz Nordwestsachsen bereits seit über 3 Jahren die Züge regelmäßig ausfallen.
Von den ganzen anderen Problemen der Transdev Regio Ost GmbH möchte ich gar nicht erst reden.

20.06.2019 10:41 Grosser, Klaus 10

Ich frage mich, wieso beklagt sich jetzt Herr Ronny Hausdorf über die Zugausfälle der Mitteldeutsche Regiobahn?
Jetzt erleben wir die Auswirkungen der Bahnreform und des mehr an Wettbewerb, den auch ihr Fahrgastverband "Pro PrivatBahn" immer so gerne fordert.
Denn was hat es gebracht das viele Bahnunternehmen in Deutschland unterwegs sind?
Höhere Preise, weniger Sicherheit, weniger Komfort,
weniger Pünktlichkeit und weniger Kundenservice, von den Auswirkungen für die Mitarbeiter der Bahnunternehmen ganz zu schweigen.

20.06.2019 10:36 Andreas Heidrich 9

Die "Deutsche Reichsbahn" war niemals so schlecht wie es die DB und deren Partnerunternehmen aktuell sind. Neu ist eben nicht immer besser.

PS. Vielleicht sollte die DB wieder zu den guten alten Dampfloks zurückkehren. Die fuhren zwar langsamer aber dafür auch zuverlässig da weniger störanfällig.

19.06.2019 23:01 Ronny Baier 8

Wenigstens interessiert sich der Fahrgastverband für diese Strecke. Die Politik weder von Leipzig noch von Chemnitz offenbar überhaupt nicht. Seit über 2 Jahren passiert nichts. Als Pendler ist auf den regelmäßigen Verkehr der MRB leider kein Verlass. Vielleicht hilft nur die Kündigung des Abo's.

19.06.2019 20:33 Harzfeuer 7

Die Eurorunner, also die Siemens-Loks, die bei der MRB fahren, fahren zuverlässig auch in Österreich für die ÖBB. Warum schaffen sie es, was bei uns nicht möglich ist? Kann man zur Not nicht einige Loks aus Österreich ausleihen? Sicherheitstechnisch dürfte es kein Problem sein, da Österreich die gleiche Technik verwendet. Und was ist mit den Doppelstockzügen, die eingesetzt werden sollten? Die DB hat einige rumstehen oder schicken sie zur Verschrottung.

19.06.2019 20:00 Zwon81 6

Beinahe 30 Jahre sinnfreie Bahnanschluss- Planungen, Versprechen, Zusagen, Handlungsunfähigkeit. Die Regiobahn setzt dem ganzen noch einen drauf, veraltete Technik, unzuverlässige Verbindungen, leere Worte. Die "3.Welt" hat einen besseren Service in der Fläche als Sachsen. Ob Stadt Chemnitz, LK´e L, Mittelsachsen, ERZ, die Polit-Riege Sachsens- gemeinsames Interesse an schnellstmöglicher Erschließung von Südwestsachsen ist Fehlanzeige. Bis 2018 ist noch lang hin, wenn die Ausführung ebenso schnell realisiert wird wie der Bau der A72, C- L, dann ist mit Fertigstellung 2050 zu rechnen. Derweil weiter dilettantischer Fernstraßenbau (siehe A4, A17, B174, B95), Staus & Baustellen, Wohnungsnot in L & DD, anhaltende Landflucht. Wir planen schon mal grünen Strom, Fahrverbote, Fahrradwege. Macht echt Spaß euer Monopoly

19.06.2019 13:41 Martin H 5

Wenn sie die letzten Jahre schreiben, möchte ich da aber gleich ergänzen, ich fahre die Linie schon seit mehr als 10 Jahren. Bei der DB wars auch absolut nicht gut...Keine funktionierende Neigetechnik, Klos, Klimaanlage ohne Fenster!!!, Türen, hoher Einstieg. Für mich als Kunde ist es egal aus welchem Grund der Zug ausfällt aber meine Sicht ist so:
Das Problem mit den häufigen Zugausfällen liegt in der nicht ausreichend ausgebauten Strecke hinsichtlich Zweigleisigkeit und Schnelligkeit. Bei 1:01 Reisezeit. Der integrale Taktfahrplan sieht Reisezeiten von 50 Minuten als optimal an. Trotz Neigetechnik hat man die geplanten 54 Minuten nie wirklich zuverlässig geschafft. Das wäre relativ leicht auf der Strecke zu realisieren. Man wird es dennoch nicht schaffen, da man es schlicht nicht umsetzen will. Bei einer Verspätungen von ein paar Minuten in Chemnitz muss zwangsläufig ein Zug ausfallen, da er ja sonst immer verspätet ist und die eingleisige Strecke gar nicht flexibel ist.

19.06.2019 11:46 Grundig 4

In den letzten Jahren hat Qualität auf der Strecke Chemnitz - Leipzig deutlich abgenommen. Das hat nichts mit modernen Nahverkehr zu tun! Die Tarife sind in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben gegangen. Bahnkunden zahlen extrem hohe Preise für absolut schlechten Bahnservice. Vor ca. 15 Jahren war die Bahn zum Teil besser! Es ist ein absolutes Armutszeugnis das auf der Strecke Chemnitz - Leipzig solche Züge überhaupt fahren! Das hat nichts mit modern zu tun. Der Anbieter muss wechseln! Sie haben genug Zeit gehabt, was ordentlich und kundenfreundlich zu gestalten. Dies Zustände sind nicht tragbar!

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