23.03.2020 | 17:11 Uhr | Update Doppelmord vor 25 Jahren: Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt

Angeklagter
Bildrechte: Harry Härtel

Am Landgericht Chemnitz hat am Montag der Prozess um einen mutmaßlichen Doppelmord begonnen. Ein 53 Jahre alter Vietnamese wird beschuldigt, 1995 zwei Landsleute getötet zu haben. Er soll die zwei Brüder gefesselt, geknebelt und dann erdrosselt haben. Zum Prozessauftakt schwieg der Angeklagte und wollte nach Aussage seines Anwalts auch keine Angaben zur Person machen.

Mann wollte möglicherweise im Zigarettenschmuggel Fuß fassen

Hintergrund für die Tat soll Zigarettenschmuggel sowie womöglich Schutzgelderpressung gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte in das Geschäft einsteigen wollte.

Das Ganze ging um den damals ziemlich florierenden Zigarettenschmuggel. Er kam ursprünglich wohl aus Leipzig und wollte hier in Chemnitz bei diesen Schmuggelhandlungen Fuß fassen.

Marika Lang Sprecherin des Landgerichts Chemnitz

Tatverdächtiger konnte damals flüchten

Laut Marika Lang wurden nach der Tat viele Beweise und Zeugen ermittelt. Die Spur habe schon damals klar zum Angeklagten geführt, er konnte sich aber absetzen und wurde trotz internationalen Haftbefehls nicht gefunden. Wie sich herausstellte, war der Tatverdächtige nach Tschechien geflohen. "Er war dort unter einer anderen Personalie gemeldet", so Staatsanwalt Stephan Butzkies.

Im September 2019 wurde der 53-Jährige in Prag verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Die Hintergründe seien auch Butzkies nicht ganz klar. "Die tschechischen Behörden halten sich bedeckt", erzählt er. Es habe geheißen, man habe Ermittlungen in der vietnamesischen Community geführt.

Prozess Landgericht Chemnitz Doppelmord
Blick in den Verhandlungssaal am Chemnitzer Landgericht. Bildrechte: Harry Härtel

Bis zum 20. Mai sind bislang sechs weitere Verhandlungstermine angesetzt. Die Vorsitzende Richterin sondierte bereits Termine bis in den August. Es sollen zwei Gutachter und über 20 Zeugen, die inzwischen über die ganze Bundesrepublik verteilt oder gar wieder in Vietnam sind, gehört werden. Wegen der langen Zeit zwischen Tat und Prozessbeginn offenbarten sich bei den ersten Zeugen Erinnerungslücken. Ein Polizist, der damals als einer der Ersten am Tatort war, wusste aber noch, dass die Eltern der Opfer dort waren. Diese hätten sehr geweint, berichtete er vor Gericht. Eine Frau, die damals auf derselben Etage wohnte wie die Getöteten, hatte die Polizei alarmiert. Nach ihrer Aussage lagen die Brüder auf dem Bauch, die Hände waren auf dem Rücken zusammengebunden. "Es sah aus wie in einem Krimi", sagte sie.

Der Prozess am Landgericht findet aufgrund der Corona-Krise unter besonderen Hygienevorkehrungen statt.

Quelle: MDR/nk/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.03.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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