01.11.2019 | 16:49 Uhr "Rassimus-Tribunal" in Chemnitz und Zwickau

Mehrer tausend Menschen, unter Ihnen Angehoerige der Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe NSU protestiern nach der Urteilsverkündung im NSU-Prozess
Demonstration nach der Urteilsverkündung im NSU-Prozess Bildrechte: imago/Christian Mang

Das Tribunal "NSU-Komplex auflösen" will von Freitag bis Sonntag in Chemnitz und Zwickau die Lage von Migranten in Sachsen beleuchten und den NSU-Komplex weiter aufarbeiten. Auftakt ist am Abend im Chemnitzer Weltecho. Dort gibt es am Wochenende ein vielseitiges Programm. Geplant sind Filmvorführungen, Workshops und Stadtrundgänge. Unter anderem sollen Betroffene, Anwälte und Aktivisten über ihre Erfahrungen und Strategien im Kampf gegen Rassismus berichten.

Im Fokus stehen die Geschehnisse um den NSU, aber auch die Situation der DDR-Vertragsarbeiter und der jüngste Naziterror nach dem Tod von Daniel H. in Chemnitz. Mit 300 bis 400 Teilnehmern aus ganz Deutschland rechnen die Organisatoren an allen drei Tagen.

Ziel ist die Auseinandersetzung mit rassistischer Gewalt

Das Tribunal möchte eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über rassistische Gewalt von den 1970-er Jahren bis heute erzeugen. Es ist ein Ort der gesellschaftlichen Anklage von Rassismus. "Da wo staatliche Strafverfolgung nicht in dem Ausmaß funktioniert, wie sie funktionieren sollte, wo auch ganz viele Täter immer noch auf freiem Fuß sind, soll es ein zivilgesellschaftliches Tribunal geben", erklärt Hannah Zimmermann, Prokjektleiterin des Projekts "Offener Prozess" und Mitorganisatorin der Veranstaltung. Das Tribunal solle zum einen der Klage um die Opfer Raum geben, aber auch die Täter anklagen und eine rassismusfreie Gesellschaft einfordern.

Ein Urteil zu sprechen oder Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, läge weder in der Macht der Organisatoren noch sei dies das Ziel. "Wir erhoffen uns ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass wir in einer migrantischen Gesellschaft leben", so Zimmermann. "Wir müssen eine Lehre aus dem NSU-Komplex ziehen. Wir müssen zusammenarbeiten, zusammenhalten und gemeinsam eine demokratische Gesellschaft aufbauen."

Ein Arbeiter trägt eine Baumstütze am Gedenkort für Enver Simsek, dem ersten Opfer der Terrorzelle NSU, im Schwanenteichpark.
Am Sonntag findet in Zwickau eine Gedenkveranstaltung für die NSU-Opfer und die Einweihung des neuen Gedenkortes statt. Bildrechte: dpa

Tribunal fordert NSU-Dokumentationszentrum

Am Sonntag fahren die Teilnehmer des Tribunals gemeinsam nach Zwickau, um an der Gedenkveranstaltung für die NSU-Opfer und der Einweihung des neuen Gedenkortes teilzunehmen. Außerdem will das "Rassismus-Tribunal" dort ein vorübergehendes Dokumentationszentrum zu NSU und rechtem Terror einweihen. Gezeigt werden dort Ausstellungen der Geschichtswerkstätten Chemnitz und Zwickau. Damit soll die Forderung nach einem dauerhaften Dokumentationszentrum bekräftigt werden.

Das bundesweite Aktionsbündnis "NSU-Komplex auflösen" besteht seit 2014 aus zahlreichen Initiativen aus ganz Deutschland, die sich mit strukturellem Rassismus, dem NSU-Komplex und Gedenkkultur beschäftigen und sich für Betroffene von rassistischer Gewalt einsetzen. Tribunale fanden bereits in Köln und Mannheim statt. Für das Tribunal in Chemnitz wurde das Bündnis unter anderem vom Verein Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen (RAA) und dem Arabischen Verein für Integration und Kultur in Chemnitz bei der Organisation unterstützt.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.11.2019 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2019, 16:49 Uhr

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