CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Empörung und Distanzierung So reagieren Politik und Gesellschaft auf die Aktion im Stadion Chemnitz

Die Traueraktion für einen Neonazi im Stadion des Chemnitzer FC vor einem Punktspiel ruft bei vielen politischen und gesellschaftlichen Akteuren Empörung und Unverständnis hervor. Wir haben einige Reaktionen gesammelt.

CFC-Fans trauern um Hooligan
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SPD fassungslos

Der SPD-Stadtverband Chemnitz ist nach eigenen Worten fassungslos. In einer auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme heißt es, die Trauerminute für einen einschlägigen und führenden Kopf der Chemnitzer Neonaziszene sei entweder schwerwiegende Unkenntnis, eine erschreckende Verharmlosung oder ein Zeichen der Zustimmung zu den Werten des Gründers der HooNaRa. Zugleich distanziert sich der Verband von der privaten Kondolenz der SPD-Stadträtin Peggy Schellenberger. Sie spräche mit "ihrem vermeintlich unpolitischen Beileid" nicht für die SPD.

Wir können und wollen eine solche Verharmlosung für Menschen aus dem rechtsextremen Spektrum nicht akzeptieren.

Jürgen Renz Vorsitzender der SPD Chemnitz

Ich finde es für die Stadt Chemnitz eine Katastrophe, weil das ein erneuter Rückschlag ist. Für das, was wir hier versuchen zu tun, um Chemnitz aus der rechten Ecke herauszuholen. Wir haben ein Bild in Deutschland als Nazi-Hochburg, was Chemnitz überhaupt nicht ist. Und wir kämpfen dagegen. Was der CFC sich hier gestern geleistet hat, das ist einfach eine Riesen-Blödheit und ein Bärendienst für die Stadt.

Detlef Müller SPD-Abgeordneter im Stadtrat Chemnitz

Linke fordert Konsequenzen

Die Linke im Chemnitzer Stadtrat fordert von der CFC-Führung und vor allem vom Insolvenzverwalter klare disziplinarische Maßnahmen. Bei einer fehlenden Distanz des Vereins zu den Vorkommnissen werde es künftig sehr schwer, den Bürgern der Stadt zu erklären, warum diese mit ihren Steuergeldern den einheimischen Fußballclub unterstützen sollten.

Die Vereinsführung des CFC hat sich mehrfach von Extremismus und Fremdenfeindlichkeit distanziert, zuletzt im Zusammenhang mit dem Beschluss des Stadtrates vom 6.3. Haller aber war über viele Jahre einer der führenden Köpfe der Szene. Einer, der so mit dafür verantwortlich war, dass Chemnitz in Verruf gekommen ist.

Dietmar Berger Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Stadtrat Chemnitz

Grüne sehen Stadt in der Pflicht

Die Grünen-Fraktion im Chemnitzer Stadtrat wirft der CFC-Führung vor, sie habe es an Bewusstsein für die Problematik missen lassen. Zugleich sehen die Grünen die Stadt in der Pflicht. Diese müsse ihre weitere finanzielle Unterstützung an ein klares Bekenntnis des Vereins knüpfen: gegen Rassismus, gegen Nationalismus und gegen entsprechende Bestrebungen unter den Fans. Fraktionschef Thomas Lehman kündigt in der "Freien Presse" an, dem CFC seine persönliche Unterstützung zu entziehen.

Rassismus dulden durch Wegschauen geht gar nicht. CFC und Stadt müssen für Spieler, Fans und Kinder da sein, die sich für Toleranz und gegen Rassismus einsetzen - nicht umgekehrt.

Kathleen Kuhfuß Kandidatin der Grünen für den Stadtrat Chemnitz

Stadt gibt sich wortkarg

Die Stadt Chemnitz lehnte am Sonntag Gesprächsanfragen und ausführliche Statements ab. In einer kurzen Erklärung äußerte sie ihr Unverständnis und Befremden über die Aktion und forderte den Chemnitzer FC auf, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Chemnitz ist und bleibt eine weltoffene, tolerante und friedliche Stadt. Wir distanzieren uns deshalb ausdrücklich von allen rassistischen und rechtsextremen Handlungen und Statements.

Aus der Pressemitteilung der Stadt Chemnitz vom 10. März 2019

Sparkasse steigt aus

Der CFC-Hauptsponsor, die Sparkasse Chemnitz, distanziert sich entschieden von den Vorgängen am Sonnabend im Stadion und fordert den Chemnitzer FC auf, umgehend Konsequenzen zu ziehen. Sprecher Sven Mücklich verwies auf Beschwerde-E-Mails an die Sparkasse und gab offiziell bekannt, dass das Finanzinstitut sein Engagement bei dem Verein beenden wird. Die Entscheidung sei allerdings schon früher gefallen und dem CFC mitgeteilt worden.

Wir haben uns bereits vor den aktuellen Vorkommnissen entschieden, dass wir unser Engagement nicht fortsetzen werden. Die Ereignisse vom Samstag bestätigen uns, dass diese Entscheidung richtig war.

Sven Mücklich Sprecher der Sparkasse Chemnitz

Vosi/Piraten für Druck auf CFC

Die Fraktionsgemeinschaft von Wählervereinigung Volkssolidarität und Piraten-Partei spricht sich auf Twitter dafür aus, die Pacht und Vertragsbedingung für die Stadionnutzung mit dem Chemnitzer FC neu zu verhandeln. Der Stadt wäre geholfen, wenn der Fußballverein keinen Schutzraum für Neonazis mehr darstelle und man es schaffe, ihre Organisationsfähigkeit einzuschränken. Piraten-Stadtrat Toni Rotter fordert Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig in einem offenen Brief auf, den Stadtratsbeschluss vom 6. März zu finanziellen Erleichterungen für den CFC nicht umzusetzen.

Fußballverbände von Chemnitzer FC enttäuscht

Der Präsident des Sächsischen Fußballverbandes, Herrmann Winkler, kritisierte die Entscheidung des CFC, die Traueraktion im Stadion und zudem vor einem Punktspiel zugelassen zu haben. Er sagte der MDR-Sendung "Sport im Osten", ein Fußballspiel sei nicht der richtige Ort dafür. Hier hätte er sich vom CFC eine eindeutige Haltung gewünscht. Der Nordostdeutsche Fußballverband kündigte Konsequenzen für den Verein und Stürmer Daniel Frahn an.

Der Tod eines Menschen ist ohne Frage eine Tragödie. Mit der Vorgehensweise des Chemnitzer FC und seinen Fans im Rahmen des Heimspiels gegen die VSG Altglienicke sind wir allerdings nicht einverstanden.

Hermann Winkler Präsident des Sächsischen Fußballverbandes

Wir sind enttäuscht und verurteilen das, was in Chemnitz passiert ist. [...]Wir werden uns damit beschäftigen, wie wir gegen Daniel Frahn vorgehen müssen.

Erwin Bugar Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes
Erwin Bugar 1 min
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Erwin Bugar ist frisch gewählter Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes. Was er zu den Vorkommnissen in Chemnitz sagt, hier!

So 10.03.2019 16:56Uhr 00:36 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-281678.html

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Video

Buchautor kritisiert Verhalten des Vereins

Robert Claus ist Verfasser des Sachbuchs "Hooligans. Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik". Er kritisiert bei Twitter einen laschen Umgang des Chemnitzer FC im Umgang mit seinen extrem rechten Fans. Dieser habe seit Jahrzehnten zu wenig Präventionsarbeit geleistet. Zudem lasse die Stellungnahme des Vereins ein fehlendes Problembewusstsein erkennen. Die offizielle Stellungnahme des Vereins zu den Ausschreitungen nach dem Tod von Daniel H. im August 2018 sei reine Symbolpolitik gewesen.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.01.2019 | ab 11:00 Uhr in den Nachrichten
SPORT IM OSTEN | 10.01.2019 | 16:30 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 10.01.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 10. März 2019, 20:22 Uhr

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