CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Schwarz-weiß-rotes Gedenken im Fußballstadion Rechtfertigungen nach Traueraktion für Hooligan in Chemnitz

Die Traueraktion für einen Neonazi im Stadion des Chemnitzer FC sorgt für Wirbel. Und sie hat teils drastische Konsequenzen: Für eine Lokalpolitikerin, einen Spieler, einen Vereinsvorstand und den gesamten CFC.

CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC hat die Gedenkaktion für den verstorbenen Hooligan und Neonazi vor dem Punktspiel gegen die VSG Altglienicke verteidigt. In einer Stellungnahme erklärte der Verein am Sonntag, er habe in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden einer entsprechenden Bitte der Hinterbliebenen von Thomas Haller entsprochen. Dies sei ein Gebot der Mitmenschlichkeit gewesen.

Eine Trauer-Show in den Farben des Deutschen Reiches

CFC-Fans trauern um Hooligan
Trauerbekundung von CFC-Fans für den Neonazi Thomas Haller. Bildrechte: Harry Härtel

Am Sonnabend hatten CFC-Fans in der Südkurve des Stadions ein Transparent mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden, Tommy" angebracht. Vor dem Spiel gab es zudem eine Schweigeminute, es wurde ein schwarzes Banner mit einem weißen Kreuz entrollt sowie rote und weiße Pyrotechnik gezündet. Der Chemnitzer FC betonte in seiner Stellungnahme, es habe sich um "keine offizielle Trauerbekundung" gehandelt. Allerdings fand die Aktion im Rahmen des CFC-Stadionprogramms statt, ein Porträt des Verstorbenen wurde auf der Videowand des Stadions eingeblendet und der Stadionsprecher bekundete sein Beileid. Dem Verein zufolge war dies keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen.

Polizei: Entscheidung traf allein der Verein

Wie und aus welchen Beweggründen genau der Verein diese nicht offizielle Aktion offiziell zuließ, blieb zunächst unklar. Die Bitte von MDR SACHSEN um ein Gespräch lehnte die CFC-Presseabteilung ab. Die Polizei Chemnitz teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, die Behörde sei im Vorfeld über die beabsichtigte Trauerbekundung informiert worden und habe dabei Bedenken geäußert sowie auf strafrechtliche Grenzen hingewiesen, zum Beispiel das mögliche Zeigen verbotener Kennzeichen. Eine Entscheidung habe aber allein der Veranstalter, also der Chemnitzer FC, treffen müssen und letztlich auch getroffen. Die Polizei habe in diesem Fall keine Entscheidungsbefugnis gehabt und sei lediglich kurz zuvor informiert worden, dass die Aktion stattfinden werde.

Bilder widersprechen offizieller Darstellung

CFC-Fans trauern um Hooligan
CFC-Stürmer Frahn hält auf dem Platz ein Hooligan-T-Shirt hoch. Bildrechte: Harry Härtel

Distanziert hat sich der Verein von einer Aktion seines Stürmers Daniel Frahn. Dieser hatte im Torjubel ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" (Unterstütze deine örtlichen Hooligans) hochgehalten. Das Shirt lag zuvor auf der Wechselbank. Videoaufnahmen zeigen, wie es ihm von dort gereicht wird, der Stadionsprecher spricht von einer starken Geste. Die CFC-Verantwortlichen allerdings bezeichnen die Aktion als unangebracht, inakzeptabel und nicht abgesprochen. Frahn wurde deshalb mit einer Geldstrafe belegt. Zudem drohen ihm Sanktionen vom Fußballverband. Der 31-Jährige bat um Entschuldigung für sein Verhalten und erklärte, ihm sei die Bedeutung des Shirts in der örtlichen Nazi-Szene nicht bewusst gewesen.

Vorstand tritt zurück, Hauptsponsor Sparkasse steigt aus

Kurz nach der Mitteilung zu den Folgen von Frahns Aktion zog CFC-Vorstand Thomas Uhlig persönliche Konsequenzen. Er übernahm die Verantwortung für die Vorkommnisse und legte sämtliche Ämter im Verein nieder. Gleichzeitig musste der Verein noch einen finanziellen Tiefschlag verkraften: Die Sparkasse Chemnitz steigt als Hauptsponsor aus. Dies sei dem Verein zwar schon zwei Tage vor den Ereignissen im Stadion mitgeteilt worden, erklärte Unternehmenssprecher Sven Mücklich. Aber dass der Chemnitzer FC keinerlei Schuldbewusstsein zeige, bestätige die Sparkasse in ihrer Entscheidung.

Aussagen vom CFC zu der Traueraktion

Sportdirektor Thomas Sobotzik ( Chemnitzer FC)
Bildrechte: IMAGO

Dass ein Spieler während eines Spiels Botschaften, egal welcher Art, verbreitet und diese nicht vorher mit den Verantwortlichen des CFC bespricht, ist für uns nicht hinnehmbar.

Thomas Sobotzik Sport-Vorstand des Chemnitzer FC

Ich weiß, dass dieses T-Shirt verkauft wurde, als Thomas Haller erkrankt ist, um die medizinische Betreuung zu gewährleisten. Daher hatte das Shirt für mich eine andere Bedeutung. Dass dieses T-Shirt so tief in der Nazi-Szene verbreitet ist, war mir dabei nicht bewusst.

Daniel Frahn Stürmer des Chemnitzer FC
Thomas Uhlig ( Geschäftsführer - Finanzvorstand).
Bildrechte: imago/Picture Point

Um weiteren Schaden vom Chemnitzer FC fernzuhalten, habe ich die Entscheidung getroffen mit sofortiger Wirkung alle Ämter niederzulegen. In meiner Funktion als kaufmännischer Geschäftsführer und Veranstaltungsleiter trage ich die Verantwortung für die Spieltage des CFC und dessen Begleiterscheinungen.

Thomas Uhlig (ehemaliger) kaufmännischer Geschäftsführer und Vorstand des Chemnitzer FC

Hooligans als Stadion-Ordner

CFC-Fans trauern um Hooligan
Bildrechte: Harry Härtel

Die Verbindungen zwischen dem Fußballverein und Haller reichen bis in die 1990-er Jahre zurück. Damals hatte Haller die Vereinigung "Hooligans-Nazis-Rassisten" (HooNaRa) gegründet, die vom sächsischen Verfassungsschutz rechtsextrem eingestuft und 2007 offiziell aufgelöst wurde. Inoffiziell soll HooNaRa aber auch danach noch aktiv gewesen sein. Außerdem war Hallers Sicherheitsfirma bis 2007 für die Sicherheit im Stadion zuständig. Dann wurde der Vertrag vom CFC wegen "vereinsschädigender Äußerungen" aufgelöst.

Nach MDR-Informationen ist Haller-Security allerdings bis heute im Stadion aktiv und stellt als Subunternehmen des derzeitigen Generalauftragnehmers einen Großteil der Ordner. Haller selbst hatte nach Informationen von MDR SACHSEN in den vergangenen Jahren die junge rechtsextreme Szene in Chemnitz mit aufgebaut und war an den Ausschreitungen nach dem Tod von Daniel H. im Sommer vergangenen Jahres beteiligt.

SPD sägt Parteigenossin ab

Peggy Schellenberger, 2017
Peggy Schellenberger wird wegen ihres privaten Facebook-Eintrags auch von Parteikollegen heftig kritisiert. Bildrechte: Harry Härtel

Die Traueraktion im Stadion hat inzwischen politische Konsequenzen. Peggy Schellenberger, SPD-Abgeordnete im Chemnitzer Stadtrat und Fanbeauftragte beim CFC, wurde am Sonnabend von ihrer Partei nicht wieder als Kandidatin für die Kommunalwahl im Mai nominiert. Grund war ihre Beileidsbekundung für Haller auf ihrem persönlichen Facebook-Account. Im Gespräch mit MDR SACHSEN betonte Schellenberger, sie habe den Eintrag als Privatperson über eine andere Privatperson getätigt. Sie habe den Privatmensch respektiert, verachte aber seine politische Haltung und habe diese nie auch nur annähernd geteilt, betonte Schellenberger und verwies auf zahlreiche andere kritische Beiträge. Einige Reaktionen auf ihren privaten Facebook-Eintrag hätten sie sehr betroffen gemacht. Die Entscheidung der Chemnitzer SPD wollte Schellenberger nicht kommentieren und erklärte, sich zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich zu äußern.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2019 | ab 11:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 10.03.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 18:02 Uhr

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