Revolution-Chemnitz
Wegen der "Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung" müssen sich acht Mitglieder der Gruppe "Revolution Chemnitz" vor Gericht verantworten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

11.07.2019 | 11:08 Uhr Rechte Terrorgruppe "Revolution Chemnitz" mit Zugriff auf Daten von Linken

Revolution-Chemnitz
Wegen der "Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung" müssen sich acht Mitglieder der Gruppe "Revolution Chemnitz" vor Gericht verantworten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die mutmaßliche rechtsextreme Terrorgruppe "Revolution Chemnitz" hat offenbar Zugriff auf eine große Menge Daten über Linke und Punks gehabt. Fünf der acht inhaftierten Neonazis im Alter zwischen 21 und 31 Jahren, die von der Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung angeklagt sind, hätten über eine rechte Chatgruppe Einblick in eine Liste mit 24.300 Namen und Adressen gehabt, berichtet der in Berlin erscheinende "Tagesspiegel" unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Daten über linksalternativen Online-Handel

Die Liste habe einer der fünf Rechtsextremisten mit dem Stichwort "Mitglieder der Antifa" präsentiert. Die Antifa-Szene zählte zu den zentralen Feindbildern der 2018 aufgeflogenen Terrorgruppe. Intern sei von "Linksparasiten" die Rede gewesen. Die Daten hatten den Angaben zufolge rechte Hacker 2015 bei einer Attacke auf einen linksalternativen Online-Versandhandel erbeutet. Die Firma verkaufe Kleidung und weitere Utensilien, darunter Antifa-Aufnäher und Aufkleber gegen Rassismus und die AfD. Dass die Liste bei Rechtsextremisten kursiere, bedeute für die betroffenen Linken und Punks eine "Steigerung des abstrakten Gefährdungsrisiko", schreibt die Zeitung weiter unter Verweis auf Sicherheitskreise.

Über 340 Neonazis sollen über 24.000 Adressen gesehen haben

An der rechten Chatgruppe waren außer den fünf mutmaßlichen Mitgliedern von "Revolution Chemnitz" mehr als 340 weitere Neonazis aus zehn Bundesländern beteiligt. Konkrete Pläne für Angriffe von "Revolution Chemnitz" auf Personen der Liste seien nicht bekannt, hieß es weiter. Die Bundesanwaltschaft hält den acht mutmaßlichen Mitgliedern der sächsischen Terrorgruppe vor, sie hätten am 3. Oktober 2018 in Berlin bei den Feierlichkeiten zum Tag der Einheit Anschläge verüben wollen, um einen Bürgerkrieg zu entfachen. Die Gruppe soll versucht haben, eine Maschinenpistole und weitere Waffen zu beschaffen. Nach Erkenntnissen der Ermittler wollte die Terrorgruppe den NSU übertreffen, der zehn Menschen ermordet und drei Sprengstoffanschläge verübt hatte.

Quelle: MDR/epd/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.07.2019 | ab 13:00 Uhr in den Nachrichten

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