16.02.2020 | 17:38 Uhr Reptilienbörse Chemnitz - Tierschutz in der Plasteschachtel

Zwei Mal im Jahr treffen sich in Chemnitz Reptilienfreunde, um bei einer Börse zu fachsimpeln und neue Tiere zu kaufen. Darunter sind auch seltene Exemplare, deren Lebensraum in freier Wildbahn bedroht ist. Die Tierschutzorganisation PETA hatte im Vorfeld ein Verbot der Chemnitzer Reptilienbörse aus Tier- und Artenschutzgründen gefordert. Doch welche Auflagen der Behörden haben die Veranstalter zu erfüllen?

In einem Foyer sind Verkaufsstände aufgebaut, Besucher und Händler sind im Gespräch.
Die Verkaufsstände der Chemnitzer Reptilienbörse waren am Sonntag dicht umlagert. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Am Sonntag haben sich die Reptilienfreunde in der Stadthalle Chemnitz die sprichwörtliche Klinke in die Hand gegeben. Exotische Spinnen, Schildkröten, Schlangen und Frösche wechselten den Besitzer, genauso wie Zubehör und Futter. Veranstalter Alexander Floß, der 2003 sein Hobby zum Beruf gemacht hat und selbst mit Reptilien handelt, hatte alle Hände voll zu tun, um Anfragen zu bearbeiten und Fragen zu beantworten. "Das gehört einfach dazu. Hier bin ich der Veranstalter, bei anderen Reptilienbörsen bin ich Gast. Hier in Mittelsachsen wechseln wir uns quasi ab."

Ein runder, gemusterter Frosch sitzt mit einem Blatt in einer Schachtel.
Ein Chaco-Schmuckhornfrosch beobachtet das Gedränge um ihn eher gelangweilt. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Strenge Tierschutzauflagen für Reptilienbörsen

Floß verweist darauf, dass er bei solchen Börsen an strenge Auflagen gebunden ist, die auch vom Veterinäramt kontrolliert werden. "Ich verstehe das auch. Schließlich soll es den Tieren gut gehen." So werden die wechselwarmen Reptilien beim Verkauf in Thermoboxen abgegeben, um ein Auskühlen während des Transports zu verhindern. Zudem ist in der 39 Punkte umfassenden "Börsenordnung" nachzulesen, welche geschützen Tiere nicht gehandelt werden dürfen und wie der schonende Umgang mit den Reptilien gewährleistet werden soll.

In einem Regal stehen durchsichtige Schachteln mit verschieden gefärbten Chamäleons.
Auch Chamäleons betrachteten das Geschehen von ihrem exponierten Verkaufsregal. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Gekko in freier Wildbahn gefährdet - Sicherer Bestand in Gefangenschaft

Händler Ingo Fritzsche aus Sachsen-Anhalt bietet unter anderem einen Gekko gecko oder Tokee zum Kauf an. Diese Art stehe seit vergangenem Jahr unter besonderem Artenschutz, erzählt er. Seitdem bestehe eine Meldepflicht für die Besitzer solcher Reptilien. "Schuld daran ist aber nicht der Handel in Europa, da sind bisher nicht mehr als 2.000 Tiere pro Jahr importiert worden." In China würden dem Gekko aber heilsame Kräfte nachgesagt, weshalb Millionen der Tiere getötet und aus den Nachbarländern dorthin importiert worden seien. "Das hat dazu geführt, dass in freier Wildbahn der Bestand schon stark zurückgegangen ist. Wir können jetzt in der Ferne dazu beitragen, durch Haltung und Zucht die Art zu erhalten." Es gäbe bereits Froscharten aus dem südamerikanischen Regenwald, die nur noch in Terrarien überleben würden, weil der Regenwald schlicht nicht mehr existiere.

Ein Gecko "lacht" mit aufgerissenem Maul in die Kamera.
In freier Wildbahn ist der Tokee mittlerweile eine stark gefährdete Art. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.02.2020 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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