Riesenbärenklau
Bildrechte: IMAGO

Achtung giftig! Chemnitz "fahndet" nach Riesenbärenklau

Neophyten sind Pflanzen, die in unsere Breiten eingewandert sind oder eingeführt wurden. Eine davon ist der Riesenbärenklau. Schon kleinste Berührungen können Verbrennungen verursachen. Außerdem verdrängen die Pflanzen die einheimische Vegetation.

Deshalb sind die Chemnitzer aufgerufen, Vorkommen von Riesenbärenklau beim Bürgertelefon des Ordnungsamtes der Stadt zu melden. Der jeweilige Grundstückseigentümer erhält dann die Aufforderung, die Pflanzen in einer angemessenen Frist fachgerecht zu beseitigen. Warum die Ausbreitung der Pflanze verhindert werden soll und warum sie so gefahrlich ist? Wir haben beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nachgefragt.

Riesenbärenklau
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Welche Auswirkungen hat die Verbreitung des Riesenbärenklaus auf die Natur?

Der hohe Wuchs von Riesenbärenklau verändert das für uns gewohnte Landschaftsbild. Dominanzbestände entstehen vor allem auf Wiesen- und Ackerbrachen. Zudem werden einheimische Arten häufig verdrängt. Problematisch kann das vor allem in Naturschutzgebieten werden. Da die Wurzeln des Riesenbärenklaus keine uferfestigende Wirkung haben, kann sein Vorkommen an Gewässerrändern auch zu erhöhter Erosionsgefahr führen.

Die Pflanze, die mit vier Metern Höhe fast so groß wie ein Baum werden kann, ist alles andere als harmlos.

Karin Bernhardt Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Ein Arbeiter mit Basecap schaut zur Blüte des Riesenbärenklau empor.
Der Riesen-Bärenklau verdrängt viele einheimische Pflanzenarten. Bildrechte: Stadtverwaltung Zwickau

Wie verbreitet sich der Riesenbärenklau?

Der Riesenbärenklau ist eine zweijährige, in seltenen Fällen auch mehrjährige Pflanze. Die Keimlinge treiben im frühen Frühling oder im Herbst aus. Nach der Blühte im zweiten Jahr und der Fruchtbildung stirbt er ab. Der Riesenbärenklau kann bis zu 40.000 Samen pro Pflanze erzeugen, die im Boden bis zu sieben Jahre keimfähig bleiben. Die Pflanzen haben aber auch ein großes Regenerationspotenzial, bilden Nachtriebe und Notblüten. Wenn die Blütenbildung durch das Mähen dauerhaft verhindert wird, kann die Pflanze trotzdem mehrere Jahre überleben.

Welche Gefahr für den Menschen geht vom Riesenbärenklau aus?

Der Saft des Riesenbärenklaus enthält phototoxisch wirkende Furocumarine. Das heißt, wenn die Haut nach der Benetzung mit Pflanzensaft der Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird, entstehen Hautentzündungen. Mögliche Folgen davon sind Juckreiz, Rötung, Schwellung und sogar Blasenbildung auf der Haut. Die Veränderungen können wie Verbrennungen ersten oder zweiten Grades aussehen.

Riesenbaerenklau im Samen
Die Bekämpfung des Riesen-Barenklaus ist aufwändig und langwierig. Bildrechte: Manuela Lonitz

Wie kann der Riesenbärenklau bekämpft werden?

Es gibt mehrere Methoden: Man kann die oberste Wurzelschicht von zehn bis 15 Zentimeter unter der Erdoberfläche im März oder spätestens April abstechen. Bei kleinen Beständen ist auch das Ausgraben einzelner Pflanzen mitsamt der Wurzel möglich. Auch die Mahd der gesamten Pflanze oder das Abschneiden des Blütenstandes zu Beginn bzw. während der Blüte Ende Juni bis Anfang Juli ist machbar.

Um die Nachreife der Samen zu verhindern, müssen die Dolden jedoch verbrannt werden. Gemähte Bestände müssen kontrolliert werden, um gegebenenfalls später erscheinende Notblüten zu entfernen. Wo das möglich ist, hilft auch die Beweidung mit Schafen oder Ziegen. Sie werden dadurch geschwächt und gehen mit der Zeit ein. Auch eine Bekämpfung mit Herbiziden ist möglich. Allerdings benötigt man für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eine Genehmigung des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Was muss man beachten, wenn man die Pflanzen selbst entfernen will?

Bei jeder Arbeit mit dem Riesenbärenklau muss man unbedingt Schutzkleidung tragen, um jeden Hautkontakt mit Teilen der Pflanze zu vermeiden. Ratsam ist auch, die Arbeiten nicht bei Sonnenschein auszuführen, weil das Sonnenlicht die Wirkung des Giftes verstärkt. Sollte es doch zu einem Kontakt mit der Pflanze kommen, müssen die betroffenen Stellen sofort mit viel Wasser gespült werden. Bei stärkeren Symptomen sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.

Freiwillge bei der Bekämpfung des Riesenbärenklau im Süden von Sachsen-Anhalt
Das Tragen von Schutzkleidung ist ein Muss bei der Entfernung der giftigen Pflanze Bildrechte: Kay Schönenburg

Chemnitz und der Riesenbärenklau Chemnitz kämpft seit mehr als 20 Jahren gegen die Ausbreitung des Riesenbärenklaus. Im vergangenen Jahr wurden 32 Standorte bei der Stadtverwaltung gemeldet. 2016 waren es zwar 50, dennoch könne keine Entwarnung gegeben werden, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Quelle: MDR/tfr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2018, 19:15 Uhr

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4 Kommentare

15.05.2018 16:32 Fragender Rentner 4

Zitat von Oben: Neophyten sind Pflanzen, die in unsere Breiten eingewandert sind oder eingeführt wurden.

Und das ist das Ergebnis, sie breiten sich wie es aussieht massenhaft aus.

Es kam schon auf verschiedenen Programmen im Fernsehen, wie man versucht sie los zu werden nur scheit es schwierig zu sein.

Man soll sie auch noch als Sondermüll entsorgen und nicht auf den Komposthaufen werfen.

14.05.2018 23:44 part 3

Hier wird vor der Verbreitung von Neophyten gewarnt. Gefährlich für die heimische Flora und Fauna sind jedoch mehr die Einheitsgräser, die durch das Verbot des Abbrennes von Rasenflächen oder Ödland enorm die Artenvielfalt unterdrücken. Vor 30 Jahren war dies noch Usus bis hin zur esten Urbarmachung. Da helfen auch Blühstreifen- EU- gefördert recht wenig, wenn bei jedem kleinen Rasenbrand unsinnigerweise der Polizei- Heli kommt. Insekten bevorzugen nun mal Blühpflanzen und keine Segge. Der Riesenbärenklau wird nur gefählich durch Pflanzensaft in Verbindung Sonneneinstrahlung auf der Haut, nicht mehr und nicht weniger als ein Sonnebrandbeschleuniger.

14.05.2018 21:19 Uborner 2

Man kann den Artikel auch als Panikmache bezeichnen. Vor allem der Aufmacher ( kleinste Berührungen können.... ) ist Unsinn - im Text wird dann die Gefahr durch phototoxischen Reiz erläutert - für alle die weiterlesen. Mähen ist dann natürlich besonders nett.
Die verdrängende Wirkung wird bei weitem übertroffen durch immer noch fortschreitende Flächenversiegelung und durch eine blödsinnige Monokulturlandwirtschaft. Diese zwei Vorgänge bedrohen unsere Natur in extrem höheren Maße als ein paar Bärenklaue.
Nochmal zur Giftigkeit - es gibt Menschen mit einer Bienengiftallergie - wollen wir deshalb die Bienen ausrotten.
Besser wäre doch wohl ein sinnvoller Umgang mit Gefahren und nicht solche solche Artikel.

14.05.2018 19:22 Justus Lieb 1

Wer ist hier erwünscht?