Unterstützer gesucht Junger Rollstuhlskater aus Chemnitz will Weltmeister werden

Til ist 15 Jahre alt und schon Deutscher Meister im Rollstuhlskaten - in der Einsteigerklasse. Dieses Jahr will er seinen Titel verteidigen und zur Weltmeisterschaft fahren. Doch vorher muss er Unterstützer finden.

Ein Junge mit schwarzem Schutzhelm sitzt im Rollstuhl und lächelt in die Kamera. Die zu klein wirkenden Beine sind am Rollstuhl festgeschnallt.
Bildrechte: MDR/Mario Unger

Die Liste der Krankheiten von Til Augustin ist lang: Er hat von Geburt an das kaudale Regressionssyndrom, eine komplexe Fehlbildung der unteren Wirbelsäule. Er ist ab dem Bauchnabel abwärts gelähmt und wurde mit offenem Rücken geboren. Erst vergangenes Jahr lag er acht Monate im Krankenhaus und wurde wegen einer Wirbelsäulenversteifung behandelt. Das alles hält Til aber nicht davon ab, Sport zu treiben. Bei einer Orthopädiemesse hat er Rollstuhlskater getroffen und das als neuen Sport für sich entdeckt. Es macht ihm Spaß und gibt ihm einen Adrenalinkick, sagt Til.

Ich kann anderen Skatern zeigen: 'Hey, Rollstuhlfahrer sitzen nicht nur rum, sondern wir können auch coole Sachen machen. Wir können genauso aktiv sein wie andere.'

Til Augustin

Deutscher Meister

Ein Junge mit Helm sitzt im Rollstuhl und rollt eine Skaterrampe hoch.
Mit einem Spezialrollstuhl könnte Til auch höhere Rampen schaffen. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Gesagt, getan: Nach nur zwei Monaten Training nahm er vergangenes Jahr an der Meisterschaft teil - in der Einsteigerklasse und hat auch gleich gewonnen. Diesen Titel will er dieses Jahr im Mai verteidigen. Sein großes Ziel aber ist die Weltmeisterschaft im August in Köln. Dort will er mindestens unter die Top Ten kommen.

"Das ist echt ein richtiger Sport", sagt der 15-Jährige. "Du musst trainieren, trainieren, trainieren." Dann kämen Ausdauer und höhere Geschwindigkeit. Dadurch kann man mehr Tricks erlernen, weil man mehr Rampen schafft. So kommt eins zum anderen.

Ein Spezialrollstuhl ist teuer

In einem Skaterpark sitzt ein Junge im Rollstuhl, rechts und links neben ihm stehen sein jüngerer Bruder und seine Mutter.
Sein jüngerer Bruder Jannis (l.) und seine Mutter (r.) unterstützen Til. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Til trainiert mit seinem einzigen Rollstuhl. Geht der kaputt, kann er sich nicht mehr fortbewegen. Ein Spezialrollstuhl zum Skaten hat einen größeren Radabstand und vor allem eine gute Federung. Außerdem braucht Til eine spezielle Schutzausrüstung. Da kommen bis zu 10.000 Euro zusammen, schätzt seine Mutter ein. Gundel Augustin kann das Geld als alleinerziehende Mutter von acht Kindern nicht aufbringen. Daher suchen nun beide nach Unterstützern und Sponsoren. Das sei in der Rollstuhlskater-Szene so üblich, sagt sie. Die anderen hätten es auch über Spenden und Sponsoring geschafft.

Die Krankenkasse unterstütze so einen Spezialrollstuhl nicht, sagt Gundel Augustin. Vermutlich, weil sie auch sehen, was bei dieser Sportart alles passieren kann. Sie selbst hat kein Problem damit, dass sich Til gerade diesen Sport ausgesucht hat. "Ich lasse den Til machen, er weiß selbst am besten, wie stark er sich belasten kann." Und sie fügt hinzu: "Er hat eine begrenzte Lebenserwartung, und da soll er einfach das machen, was er machen will."

Ich glaube, Til hat so eine Bucketlist (*) - was er alles erreichen und schaffen will in seinem Leben, und da gehört das Rollstuhlskaten halt dazu.

Gundel Augustin

* Die Bucketlist ist eine Liste, auf der manche Menschen für sich Dinge aufzählen, die sie unbedingt vor ihrem Lebensende gerne noch machen oder erleben wollen.

Quelle: MDR/mu/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2019, 10:50 Uhr

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