20.06.2019 | 08:27 Uhr Michael Kretschmer führt zweites "Sachsengespräch" in Chemnitz

Ministerpräsident Kretschmer ist am Mittwochabend zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten zum Bürgerdialog nach Chemnitz gekommen. Beim sogenannten Sachsengespräch tauschte er sich mit Einwohnern über die Landespolitik aus. Die Bürger hatten Gelegenheit, ihre Themen mit ihm und seinem Kabinett zu diskutieren.

von Anett Linke

Sachsengespräch in Chemnitz
Bildrechte: MDR/Anett Linke

Chemnitz nach einem Jahr ist eine Stadt, die im Aufbruch ist und ich freue mich, dass wir als Staatsregierung dabei helfen konnten.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Ministerpräsident Michael Kretschmer zog ein positives Fazit des Abends in Chemnitz. Im vergangenen Jahr hätte man sich versprochen, mehr für die innere Sicherheit zu tun und das auch gemeinsam mit der Stadt umgesetzt. Bereits zum zweiten Mal machte er mit seinem "Sachsengespräch" am Mittwoch Station in Chemnitz. Mit ihm kam sein Kabinett. Und so hatten die Bürger Gelegenheit, an einzelnen Tischen ihre Themen zu platzieren.

"Die Chemnitzer haben ihre Themen, ihre Standpunkte mitgebracht. Ganz aufgeräumt, aber auch ohne jede Scheu, genauso muss es sein", erklärte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Und die Chemnitzer bewegten ganz unterschiedliche Themen, zum Beispiel der öffentlichen Nahverkehr und die Lehrerausbildung in Chemnitz. Vor allem die Tische von Sebastian Vogel, Leiter des Geschäftsbereichs Gleichstellung und Integration, und vom Ministerpräsidenten waren gut besucht.

Sachsengespräch in Chemnitz
Bildrechte: MDR/Anett Linke

Keine Koalition mit der AfD

Kretschmer musste sich dabei nicht nur lokalen Fragen stellen. So fragte ihn ein Bürger, ob es denn wirklich der Wählerwille sei, eine Vier-Parteien-Regierung zu bilden, wenn die AfD wirklich stärkste Kraft bei der Landtagswahl werden sollte. Er fühle sich durch solche Aussagen bei der Wahl unter Druck gesetzt. Neben einer Erklärung, wie sich Koalitionen bilden, schloss Kretschmer eine Koalition mit der AfD kategorisch aus: "Die AfD spaltet das Land und sorgt für irre Ängste." Er erhielt für diese Aussage viel Applaus von den Chemnitzern.

Chemnitz ist stark und hat auch einen Zuzug an jungen Leuten. Und das wollen wir weiter unterstützen, denn hier ist das wirtschaftliche Herz des Freistaates.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Russlandpolitik und Klimaschutz

Kretschmers Russlandpolitik wurde mehrmals positiv von den Bürgern erwähnt. Und auch das Thema Klimaschutz kam in der Runde immer wieder auf. Ein Junge wünschte sich, dass die CDU das Thema Klima mehr thematisiert. Kretschmer verwies auf die anstehende Klimakonferenz und sprach über Möglichkeiten des Klimaschutzes "ohne Bevormundung und die nicht auf Kosten der kleinen Leute gehen". Konkreter wurde er jedoch nicht.

Sachsengespräch in Chemnitz
Am Tisch von Sebastian Vogel wurde besonders kontrovers diskutiert. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Einige Meter weiter, am Tisch von Sebastian Vogel, erhitzte das Thema Migration die Gemüter der Chemnitzer. Es war die Rede von "faulen Flüchtlingen" und Vogel musste mehr als einmal um Mäßigung und Differenzierung bitten. Nachdem eine Frau ein konkretes Beispiel von einem gut integrierten Flüchtling brachte, der dann aber abgeschoben wurde, musste sie sich von einem älteren Mann beschimpfen lassen. Er wolle hier nicht immer Einzelfälle hören. Laut ihm werden es immer mehr Flüchtlinge, die nie wieder gehen.

Vogel versuchte alles, um die Diskussion sachlich und zielorientiert zu halten und hoffte, dass der Mann irgendwann Flüchtlinge treffen werde, mit denen er gute Erfahrungen mache. Eine junge Frau fragte nach Rassismusproblemen an Schulen und wie damit umgegangen wird. "Wir brauchen in Sachsen vor allem Akzeptanz", sagte Vogel. "In den Schulen kommt das an, was in der Gesellschaft los ist."

Barbara Ludwig zieht positives Fazit

"Wir können heute Abend hier sehen, dass die Chemnitzer nach vorn schauen und nicht immer nur zurück", fasste Barbara Ludwig den Abend zusammen. Im Gegensatz zum ersten Sachsengespräch, dass ganz im Zeichen der Ereignisse im letzten August stand, könne man dieses Mal den Chemnitzer Alltag sehen. Sie habe den Eindruck, das Gesprächsformat komme bei den Chemnitzern gut an.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.06.2019 | 06:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL| 20.06.2019 | 19:00 Uhr

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11 Kommentare

21.06.2019 10:17 Dieter 11

Veranstaltungen dieser Art erinnern an die DDR, als die Partei mit dem Volk diskutierte. WER hat schon den Mut,
hier klare Positionen gegen die Asylpolitik und die Rechtsbrüche zu beziehen? Er würde dann beruflich Problem bekommen (wie die Bibliothekschefin) oder Herr Tauber würde versuchen, ihm die Bürgerrechte abzuerkennen.

21.06.2019 07:34 Skywalker 10

K. und L. stehen exemplarisch für das Versagen. Der ältere Herr dagegen hat es auf den Punkt gebracht "Laut ihm werden es immer mehr Flüchtlinge, die nie wieder gehen" und das, obwohl ein eigentlicher Fluchtgrund oftmals nie bestanden hat bzw. gar nicht mehr besteht. Bei der SPD in Sachsen ist es nur noch eine Frage der Zeit bis zur 5% Hürde. Die CDU wird ebenfalls weiter an Zustimmung verlieren. Die Wahl wird ein Freudentag...

21.06.2019 04:37 doppeltes lottchen 9

die afd sorgt fuer irre aengste nicht bei den buergern, sondern bei der cdu vor den wahlen in ostdeutschland.
jetzt, wo es richtig ernst wird, beginnt man ploetzlich mit den buergern direkt zu sprechen. ob die den ansagen noch glauben ?

21.06.2019 00:29 DER Beobachter @ Sonja Müller + Wagner 1 + 2 8

Für welchen Teil der sächsischen Bürger- und Wählerschaft nehmen Sie in Anspruch zu sprechen? Falls Sie sich ausschließlich auf die AfD-nahe Bürger- und Wählerschaft beziehen, erinnern Sie sich bitte, dass gegenwärtig 75% der in Sachsen sich entschieden Habenden der AfD NICHT vertrauen. Und die vielen Nichtwähler oder Unentschlossenen machen eben auch deutlich, dass sie gegenwärtig KEINER Partei EINSCHLIESSLICH der AfD sonderliches Vertrauen entgegen bringen...

21.06.2019 00:14 DER Beobachter @ roca remeed 3 7

"diese Mitteilung und meine Erfahrungen zusammen ergeben ein recht genaues Bild über Zustandekommen und Zusammensetzung dieser Veranstaltung. Nun bin ich gespannt auf den starken Applaus nach Verkündung der Wahlergebnisse am Abend des 1. September." Nun bitte ich Sie, Ihr "recht genaues Bild aufgrund von Erfahrung" doch einmal darzulegen. Falls Sie dazu in der Lage sind, gern auch auf der Basis von Fakten...

21.06.2019 00:09 DER Beobachter 6

Dann hoffe ich doch sehr, dass Kretschmer wenigstens in diesem Politikfeld gegenüber der AfD konsequent bleibt/wird und im September nicht doch einknickt. Und als Richtliniengeber konsequent schaut, ob unser Innen- und Justizminister ihre Pflichten erfüllen einschließlich des Finanzministers, Geld dafür (genügend Polizeistellen mit besserer Aus- und Weiterbildung) locker zu machen. Ein Bündnis mit der AfD kann man erst peilen, wenn sie sich auf Landes- und Bundesebene sowohl von ihrem rechtspopulistischen bis rechtsextremen Flügel als auch dessen Rechtfertiger, Verharmloser und Anhänger emanzipieren kann und v.a. will. In dieser Hinsicht zeigen die bisherigen Kommentatoren 1-3, dass bis dahin noch eion langer Weg ist...

21.06.2019 00:07 Winkler 5

Vermutlich hat Herr Kretzschmer 90 % des Publikums aus Dresden mitgebracht. Wer setzt sich als Normalbürger schon noch freiwillig in eine dermaßen getürkte Laberveranstaltung .

20.06.2019 21:18 Sascha10 4

Die Merkelpolitik seit 2015 bedeutet für die gesamte CDU einen deutlichen Schritt nach links, Herr Kretschmer ist mitgelaufen sonst wäre er nicht mehr in der Partei. Der nicht mehr in der CDU vertretene konservativ-patriotische Teil hat jetzt in der AFD, was letztendlich nicht anderes ist als eine deutschlandweite CSU, eine neue Heimat gefunden und fühlt sich dort auch wohl. Merkel und Kretschmer hat diesen Teil ausgebürgert, damit die AFD auch protegiert und wollte diesem keine Träne nachweinen, doch leider sind es so viele, dass die Karre sich festgefahren hat, wie 89. Die sächsischen CDU sollte für die Zeit nach dem absehbaren Wahldebakel schon mal einen neuen Krenz aus ihren Reihen aussuchen, der dann die Verhandlungen führt, Kretschmer ist es auf jeden Fall nicht, vielleicht Patzelt oder der Ex-Verfassungschef, der klar zu Chemnitz stand auch gegen die Stroemlinge.

20.06.2019 18:01 roca remeed 3

Kretschmer: "'Die AfD spaltet das Land und sorgt für irre Ängste'. Er erhielt für diese Aussage viel Applaus von den Chemnitzern." - Na immerhin, diese Mitteilung und meine Erfahrungen zusammen ergeben ein recht genaues Bild über Zustandekommen und Zusammensetzung dieser Veranstaltung. Nun bin ich gespannt auf den starken Applaus nach Verkündung der Wahlergebnisse am Abend des 1. September.

20.06.2019 14:11 Sonja Müller 2

Nein Herr Kretschmer, Sie irren gewaltig!!! Nicht die AFD spaltet das Land und schürt Ängste! Sondern die Altparteien mit ihrer unsäglich falschen Politik gegen die Bürger. Und Sie beseitigen die Gegner dieser Missstände nicht durch immer wieder gebetsmühlenartige Wiederholungen, wie ach so gefährlich die AFD sei, sondern erkennen Sie endlich, dass wirkliche Demokratie nur im Zusammenspiel aller Parteien geschehen kann!

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