12.07.2019 | 15:24 Uhr Mit App auf Schlagloch-Jagd in Chemnitz

Harti Lange testet die Schlagloch-App
Harti Lange, Vertriebsleiter der Saskia Informationssysteme GmbH, zeigt die Schlagloch-App in Aktion. Bildrechte: SASKIA® Informations-Systeme GmbH

Lutz Neubert, Ortsvorsteher vom Chemnitzer Stadtteil Grüna, dokumentiert schon seit Jahren gemeinsam mit der "Community Chemnitzer Schlaglöcher" Straßenschäden in Chemnitz. Bisher war er mit einer Kamera, Zettel und Stift unterwegs, um die Schäden zu erfassen. Jetzt hat er von der Chemnitzer Firma Saskia Informationssysteme GmbH eine maßgeschneiderte App bekommen.

Mit dieser kann er jetzt ganz einfach ein Foto des Schlaglochs aufnehmen, die GPS-Daten ermitteln, Notizen hinzufügen und das ganze über die App per E-Mail an das Chemnitzer Tiefbauamt schicken. "Die Stadtverwaltung lässt bisher Löcher per E-Mail oder Telefon melden. Aber wenn das angeblich gut klappt, warum gibt es dann so viele Löcher?", fragt sich Neubert. Für ihn ist die App eine gute Möglichkeit, den bürokratischen Aufwand zu verringern. Er spricht sich dafür aus, allen Ortsvorstehern die App auf das Diensthandy zu installieren.

Ursprünglich wurde die App von Saskia Informationssysteme GmbH für die Kontrollfahrten von Bauhöfen entwickelt. Hier konnten neben den Bildern und GPS-Daten auch fachliche Informationen über die Tiefe der Löcher und mögliche Baumaßnahmen angelegt werden. Nachdem die Firma auf Lutz Neubert aufmerksam wurde, besuchte sie ihn im Grünaer Rathaus und passte die App dann an seine Bedürfnisse an. "Jeder Ortsvorsteher oder Bürger kann die selbsterklärende App bedienen", sagt Harti Lange, Vertriebsleiter bei Saskia. Auch Lutz Neubert bestätigt, dass die App sehr nutzerfreundlich gestaltet ist.

Es ist zunächst so, dass die Ortsvorsteher mit der App umgehen sollen. Es wäre aber genauso gut möglich, dass auch der Bürger bestimmte Informationen liefert. Wichtig ist natürlich, dass der Bürger eine Rückinformation zum Bearbeitungsstand bekommt. Das könnte man automatisiert einrichten.

Harti Lange Vertriebsleiter der Chemnitzer Firma Saskia Informationssysteme GmbH

Eine Rückmeldung zum Bearbeitungsstand kann allerdings nur erfolgen, wenn die Stadt einer Nutzung der App zustimmt und die entsprechenden Ämter mit eingebunden werden.

Firma SASKIA® Informations-Systeme GmbH
Die Chemnitzer Firma Saskia Informationssysteme GmbH bietet Produkte und Dienstleistungen im Informations- und Technologiebereich an. Bildrechte: SASKIA® Informations-Systeme GmbH

Saskia Informationssysteme GmbH stellt aktuell 28 Apps für den öffentlichen Bereich bereit. Viele sächsische Städte nutzen diese bereits. Zschopau war die erste Stadt in Sachsen, die eine der Apps genutzt hätte, so Lange. "Die Stadt Chemnitz nutzt bisher keine der Apps. Wir würden uns sehr freuen, wenn die Stadt auf uns zukommen würde."

Das sagt die Stadt Chemnitz

"Straßenschäden werden regelmäßig von Straßenkontrolleuren des Tiefbauamtes der Stadt Chemnitz festgestellt und registriert", teilte die Stadt mit. In einem Abstand von etwa sechs Wochen liefen sie jeweils die gleiche Kontrolltour. Die Kontrollgänger seien bereits seit mehreren Jahren mit entsprechender Technik zur Schadenserfassung ausgestattet. Bürger würden bisher sehr erfolgreich über die Behördenrufnummer, per E-Mail an das Tiefbauamt oder über das Sektretariat des Tiefbauamtes Schäden melden.

Die Stadt müsste vor Einführung der App die technischen Voraussetzungen prüfen. "Die Erwartungen bei solchen Kommunikationsmöglichkeiten der Bürger bestehen oft in der sofortigen Beseitigung. Dies lässt sich aber nur bei Unfallgefahren sofort realisieren." Die Zeit von Meldung des Schadens bis zur Beseitigung würde sich laut der Stadt durch die App nicht verkürzen. Wenn keine Unfallgefahr bestehe, werden die Schadensmeldungen zusammengefasst und über Zeitvertragsfirmen oder dem Bauhof beseitigt.

Manche Schlaglöcher, die der Grünaer Ortsvorsteher Lutz Neubert dokumentiert hat, bestehen laut ihm seit mehreren Jahren. "Vielleicht hat die Stadt auch Berührungsängste mit der App, da Bürger dann nachverfolgen könnten, was mit ihrer Meldung passiert", sagt er.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.07.2019 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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1 Kommentar

12.07.2019 21:09 Gerhard Richter 1

Es ist kein Wunder, dass man bei neuer Software aus dem Hause Saskia lieber Vorsicht walten lässt. Einzig Marketing und Vertrieb funktionierten bisher sehr gut. So konnte hiesige Kommunen seit Jahren erfolgreich mit mangelhafter, unperformanter und resourcenhungriger Software besetzen. Selbst fundierte Kritik wurde stets mit verschränkten Armen wohlwollend ignoriert.

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