Ein Spielzeugbagger in einem mit Wasser gefüllten Schlagloch.
Bildrechte: Marcus Jehmlich

Loch an Loch Mit schwarzem Humor gegen Schlaglochpisten in Neuhausen

In der Region Chemnitz werden vielerorts Schlaglöcher geflickt. Im mittelsächsischen Neuhausen ist der Zustand der Straßen so schlecht, dass die Anwohner der Sache nur noch mit Sarkasmus begegnen können.

Ein Spielzeugbagger in einem mit Wasser gefüllten Schlagloch.
Bildrechte: Marcus Jehmlich

In Neuhausen baden manchmal Quietscheenten in den Schlaglöchern. Neuerdings steht auch die Figur eines Anglers am Straßenrand und fischt in einem tiefen Schlagloch. Bürgermeister Peter Haustein ist eigentlich nicht mehr zum Lache zumute: "Der Zustand der Straßen ist katastrophal", sagt er. In Neuhausen kreuzen sich die S207 und die S211. Direkt nach dem Ortseingangsschild beginnt die Löcherpiste. Und das sind keine bloßen Winterschäden. Laut Haustein bedürfen beide Staatsstraßen schon lange einer grundhaften Sanierung. Das liegt aber in den Händen des Landes Sachsen.

"Man springt in der Stadt von Loch zu Loch. Und das liegt nicht am Verkehrsaufkommen, sondern an der Pflege", so Haustein. Im Sanierungsplan des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr ist nur eine der beiden Straßen zu finden. Seit zehn Jahren gibt es Planungen für Brückenbaumaßnahmen an der S211. Erst wenn die verwirklicht sind, soll die Straße saniert werden. Das ist für den Neuhausener Bürgermeister mehr als unverständlich. Zumindest die Flickarbeiten sollen jetzt beginnen, um die tiefsten Schlaglöcher zu stopfen.

Bildergalerie Schlaglöcher in Chemnitz und Neuhausen

Fünf Barbiepuppen feiern an einem mit Wasser gefüllten Schlagloch eine Strandparty.
In Neuhausen bilden die Schlaglöcher regelrechte Krater. Seit Jahren fordert die Gemeinde eine grundhafte Sanierung zweier Staatsstraßen. Bildrechte: Marcus Jehmlich
Fünf Barbiepuppen feiern an einem mit Wasser gefüllten Schlagloch eine Strandparty.
In Neuhausen bilden die Schlaglöcher regelrechte Krater. Seit Jahren fordert die Gemeinde eine grundhafte Sanierung zweier Staatsstraßen. Bildrechte: Marcus Jehmlich
Ein Spielzeugkran zieht ein Spielzeugauto aus einem mit Wasser gefüllten Schlagloch.
Um auf die schlechte Straßensituation aufmerksam zu machen, werden die Einwohner von Neuhausen kreativ. Bildrechte: Marcus Jehmlich
Fünf Barbiepuppen feiern an einem mit Wasser gefüllten Schlagloch eine Strandparty.
Das Schlagloch ist tief genug, um mit Barbiepuppen eine Strandparty zu feiern. Bildrechte: Marcus Jehmlich
Fünf Barbiepuppen feiern an einem mit Wasser gefüllten Schlagloch eine Strandparty.
Loch an Loch - so zeigt sich die Straße von Neuhausen. Bildrechte: Marcus Jehmlich
Ein tiefer Spalt an einer aufgerissenen Straßenfuge
Auch Chemnitz kämpft mit schlechten Straßenverhältnissen. Direkt an der Ampel vor dem Industriemuseum in Chemnitz verläuft dieser Riss im Asphalt. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Bröckelnde Straßenflicken
Vor dem Industriemuseum bröckeln bei jedem darüberfahrenden Auto die Flicken. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Ein tiefes Schlagloch an einem Gullideckel
Das Schlagloch an einem Kanaldeckel am Industriemuseum wird mit jedem Tag tiefer. Bildrechte: MDR/Anett Linke
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Sanierungsstau auch in Chemnitz

Auch Chemnitz kämpft mit den schlechten Straßenverhältnissen. 500.000 Euro stehen für die Sanierung der schlimmsten Winterschäden zur Verfügung. Das teilte die Stadt am vergangenen Mittwoch mit. Die Flickarbeiten haben bereits begonnen. Es wären Kontrolleure vom Tiefbauamt unterwegs, um die Schäden zu registrieren. Die Stadt sei aber auch für Bürgerhinweise dankbar. "Viele Bürger werden die Schäden gar nicht melden, da sie sich denken, dass es nichts bringt", vermutet Lutz Neubert, Ortsvorsteher vom Chemnitzer Stadtteil Grüna. Er selbst protokolliert die Schlaglöcher der Stadt seit Jahren fotografisch. Getan hat sich nicht viel. "Es ist alles nur Flickschusterei, was die Stadt macht", sagte er im Gespräch mit MDR SACHSEN. Die Schlaglöcher kämen nicht nur vom Winter, sondern von fehlender Sanierungsarbeit.

Die Stadt stellt nach eigenen Angaben im Jahr 2019 rund 23 Millionen Euro für Straßenbau- und Straßeninstandhaltungsmaßnahmen bereit. Für Lutz Neubert ist das viel zu spät: "Die Stadt weiß doch gar nicht mehr, wo sie anfangen soll." Es fehle ein koordinierter Plan. Chemnitz wolle Kulturhauptstadt werden und schaffe schon mit seinen Straßen einen negativen ersten Eindruck. Für die Chemnitzer Straße in Grüna fordert er eine grundhafte Sanierung. Im Schnitt würden 15.000 Autos pro Tag die Straße nutzen. Nur Schlaglöcher zu flicken, reiche nicht mehr aus.

Beginn der Straßensanierungen in Annaberg-Buchholz

In Annaberg-Buchholz beginnen am Montag ebenfalls die Straßenarbeiten zur Sanierung der Winterschäden. Für das Ausbessern von Schlaglöchern und den grundhaften Ausbau einiger Abschnitte stehen im städtischen Haushalt 149.000 Euro zur Verfügung. Kommunen, die auf über 291 Höhenmeter liegen, erhalten einen Zuschuss vom Land von vier Euro je Kilometer und für jeden Höhenmeter oberhalb der Grenze von 291 Höhenmetern. Die Durchschnittshöhe in Annaberg-Buchholz beträgt 600 Meter. "Wir bekommen rund 1.200 Euro pro Kilometer mehr, das sind aber nur 1,20 Euro pro Meter. Und das ist natürlich relativ wenig Geld", erklärt Matthias Förster, Sprecher der Stadt Annaberg-Buchholz. Er fordert eine dynamische Anpassung der Zuschüsse, um die gestiegenen Kosten auszugleichen. Die Kommunen im Gebirge seien deutlich mehr belastet mit Straßenschäden.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.04.2019 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 18:37 Uhr

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10 Kommentare

02.04.2019 14:39 Jale 10

Ja, und? In den Großstädten sieht es doch nicht anders aus. In Leipzig gibt es Hauptverkehrsstraßen, die viel stärker befahren sind, die sehen genauso aus. Von den Nebenstraßen wollen wir mal gar nicht reden. Da ist man doch schon froh, wenn die Löcher nicht allzu tief sind, damit man noch 30 km/h fahren kann.

02.04.2019 08:39 Bernd 9

Daumen hoch an die Initiatoren das ist echte Satiere!!! Ob es etwas aendert. Komisch immer wieder wird geschrieben dass es uns sooooo toll geht. Aber wenn Geld gebraucht wird.

02.04.2019 07:34 Klartexter 8

Ich finde es beängstigend, dass die Straßenausbaubeiträge abgeschafft werden und sich die Wähler dafür noch begeistern können und von den Parteien begeistern lassen. Das spricht nicht gerade für verantwortungsvolles Handeln der Politik, die nur nach Wählerstimmen Ausschau hält. Wenn jetzt schon die Straßen nicht mehr repariert werden, was wird dann erst nach Abschaffung der Beiträge sein. Den Menschen stürzen die Wasser- und Abwässerkanäle vor der Tür ein. Die Anwohner werden über Schlaglochpisten in den Carport fahren. Die DDR-Altlasten sind überall noch zu sehen. Der Straßenzustand ist eine Katastrophe. Das ist Politikversagen auf allerhöchstem Niveau! Die Logik bleibt auf der Strecke.

02.04.2019 06:47 peter 7

Ein Jammer im reichen Deutschland!
Man darf gespannt sein, wie die Lage entspannt wird. Unsere Autowerkstatt freuts, denn täglich Reperaturen mit gebrochenen Federn, Stoßdämpfern!!!!

02.04.2019 00:23 Rocko R. 6

@1 & 4: Bevor die Flüchtlinge da waren, gab es natürlich nie Probleme mit Schlaglöchern, die wurden alle ohne Ausnahme sofort beseitigt nach dem Winter... Mensch, wie erbärmlich ist das, ständig die Schuld auf Ausländer zu schieben...

01.04.2019 23:36 MM 5

Die sächsische Landesregierung und unsere Oberen in Berlin haben uns schon lange vergessen.Hauptsache Steuern zahlen,konsumieren und immer schön den Mund halten.Dafür gibt's dann kaputte Strassen,lahmes Internet und Osttarife bei den Löhnen.

01.04.2019 19:11 Henrik Medler 4

Für Bankenrettungen, VW-Autos, falsche Flüchtlinge, Hilfen für faule EU-Mitglieder, Auslandshilfen für fast die ganze Welt usw., werden Milliarden deutscher Steuergelder verschleudert...
Nur ein Bruchteil dieser Summen könnte in unserem Land sämtliche Infrastrukturprobleme lösen.

01.04.2019 19:00 Bertsche 3

Chemnitz - ein Tag zwei Meldungen: Schlaglochpisten und letztes Kia-Jahr frei. Man kann das Geld nur einmal ausgeben. Der Stadtrat hat seine Priorität gesetzt. Punkt.

01.04.2019 18:34 Zeitgeist 2

Was wurde gelästert über marode Straßen in der DDR.
Und nun nach fast 30 Jahren, wie sieht es aus ( siehe Artikel !).
Komisch nur in Neuhausen über den Berg nach Böhmen runter, da sind die Straßen dann besser ?

01.04.2019 18:33 na so was 1

Selber Schuld, da ladet euch doch einfach mal ein paar Obere des Landes Sachsen plus einen Vorzeigetrupp Neubürger ein. Und schon habt ihr ganz schnell eine Superstraße.

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