01.07.2019 | 16:38 Uhr Fußballfest in Chemnitz mit Unterstützung von umstrittenem Verein

Ein Fußball
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Das Fußballfest des Chemnitzer Polizeisportvereins (CPSV) sorgt für viele Diskussionen. Grund dafür ist, dass der Verein "Heimattreue Niederdorf" am Sonnabend eine Hüpfburg und Zuckerwatte für das Fest sponsorte. Der Vereinsvorsitzende Thomas Witte wird vom Verfassungsschutz beobachtet und im Sächsischen Verfassungsschutzbericht als rechtsextrem eingestuft.

Chemnitzer Polizeisportverein distanziert sich

In einer Stellungnahme distanziert sich der Polizeisportverein von "Heimattreue Niederdorf". Ein Mitglied der Sektion Fußball hätte über private Kontakte ein Angebot für die kostenlose Bereitstellung einer Hüpfburg erhalten und hätte dieses Angebot angenommen, ohne näher zu hinterfragen. "Bei Kenntnis um die Hintergründe des Anbieters der Hüpfburg wäre eine Einbindung in das Fest nicht erfolgt", schreibt der Verein am Montagmittag. Die Bestellung wäre ein individueller Fehler aus Unwissenheit und ohne Vorsatz gewesen. Zukünftig würden die ehrenamtlich organisierten Veranstaltungen mit noch größerer Sorgfalt vorbereitet werden. Der CPSV ist ein Breitensportverein, der nur den Namen mit der Polizei gemeinsam hat. Er ist kein Sportverein der Polizei.

Das steht im Verfassungsschutzbericht über Thomas Witte "[Das Engagement von Nationalsozialisten außerhalb rechtsextremistischer Strukturen] entstammt den asylbezogenen Aktivitäten der Rechtsextremisten der vergangenen Jahre. Die Szene hat hier erkannt, welche Propaganda- und Aktionsmöglichkeiten ihnen die Strategie der Verlagerung von Themenschwerpunkten auf allgemein politische Fragen wie der Integration, der politischen Unzufriedenheit oder auch der 'Heimatpflege' bietet. Dazu werden entweder eigene Vereine gegründet oder rechtsextremistische Szeneangehörige engagieren sich in bereits bestehenden 'Heimat-', 'Traditionspflege-' oder sonstigen Vereinen. Bekannteste Beispiele hierfür sind: die Bildung des Vereines Freigeist durch den NPD-Kreisverbandsvorsitzenden Stefan Hartung, die Vorsitzfunktion des Rechtsextremisten Thomas Witte beim nichtextremistischen Verein 'Heimattreue Niederdorf' und die Aktivitäten des Rechtsextremisten Maik Arnold im nichtextremistischen Verein 'Unsere Heimat unsere Zukunft' aus Oelsnitz (Erzgebirgskreis).
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Besonderes Augenmerk ist auf das Zusammenwirken einzelner Rechtsextremisten zu legen, welche sich zugleich auch in nichtextremistischen Vereinen, wie zum Beispiel 'Heimattreue Niederdorf' und 'Unsere Heimat – unsere Zukunft' (Oelsnitz), engagieren. Hervorzuheben ist die Tätigkeit der Rechtsextremisten Thomas Witte und Maik Arnold. Auf diese Weise verfolgen sie das Ziel, ihre Inhalte und Aktivitäten in der Zivilgesellschaft zu verbreiten."

Außerdem wird Thomas Witte eine prominente Rolle als Ordner bei den Demonstrationen in Chemnitz im August 2018 zugeschrieben.

"Heimattreue Niederdorf" ist kein unbeschriebenes Blatt

Das Mobile Beratungsteam Südwest des Kulturbüros Sachsen unterstellt dem CPSV keine schlechten Absichten. Aber spätestens als die Fahne der "Heimattreuen Niederdorf" gehisst wurde, hätte der Polizeisportverein prüfen müssen, was es mit dem Verein auf sich hätte. Spätestens seit August letzten Jahres sei der Verein auch kein unbeschriebenes Blatt mehr, da er maßgeblich an der Organisation der Demonstrationen in Chemnitz beteiligt gewesen sei.

Dass rechtsextremes Gedankengut auch über Vereinsarbeit verbreitet wird, ist für das Mobile Beratungsteam Südwest nichts Neues. Es gäbe eine Reihe von Vereinen in ihrem Beratungsgebiet, die sich einen unpolitischen Anstrich geben, aber zum Teil rechtsextreme Mitglieder haben. Besonders in ländlichen Regionen, die kaum soziokulturelle Angebote haben, wäre es für diese Vereine leicht, sich als Kümmerer zu inszenieren. Die Strategie dahinter sei, die Zivilgesellschaft mitzugestalten und die Grenzen des Sagbaren zu verschieben.

Kulturbüro Sachsen setzt auf die Zivilgesellschaft

Auch in der kleinen Gemeinde Niederdorf schaffe es der Verein "Heimattreue Niederdorf" mit seinem breiten Angebot von Fußballfesten über Kinderferienlager sich unentbehrlich zu machen. Das Kulturbüro Sachsen warnt davor, dass Rechtsextreme wie Witte auf diese Weise ihre Inhalte verbreiten.

Das Mobile Beratungsteam Südwest setzt vor allem darauf, dass die Zivilgesellschaft dem Verein entgegentritt. Dabei wäre der persönliche Kontakt sehr wichtig. Man solle ansprechen, dass man gut findet, was der Verein tut, aber nicht, welche Inhalte dabei vermittelt werden.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.07.2019 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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