Auf einem Fußweg stehen unzählige Kerzen und Blumen. Auf einer Grabschleife steht 'Unvergessen! Lieber Daniel'
Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Öffentlichkeitsfahndung Staatsanwaltschaft sucht dritten Mann im Chemnitzer Tötungsfall

Auf einem Fußweg stehen unzählige Kerzen und Blumen. Auf einer Grabschleife steht 'Unvergessen! Lieber Daniel'
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Mehr als eine Woche nach der tödlichen Messerattacke von Chemnitz wird nach einem dritten Tatverdächtigen gefahndet. Wie der sächsische Generalstaatsanwalt Hans Strobl am Dienstag im Sächsischen Landtag sagte, hat das Amtsgericht Chemnitz "heute Vormittag diesen Haftbefehl erlassen". Das Amtsgericht habe eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Mann angeordnet. Der Gesuchte sei ein 22 Jahre alter Asylbewerber aus dem Irak, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz.

Die Hinweise auf den nun Gesuchten hätten sich durch Aussagen von Zeugen und eines der anderen Tatverdächtigen ergeben. Zunächst habe der Name des mutmaßlich dritten Tatverdächtigen überprüft werden müssen, so die Sprecherin. Auch hätten die Ermittler versucht, den Aufenthaltsort des Mannes abzuklären, hätten ihn aber nicht ausfindig machen können. Deshalb werde nun öffentlich nach ihm gefahndet. Wo der Mann zuletzt gemeldet war, konnte die Sprecherin nicht sagen.

Öffentlichkeitsfahndung nach drittem Tatverdächtigen

Die Polizei fahndet nach Farhad Ramazaan Ahmad. Er steht im Verdacht, aDas Foto zeigt den Mann im Jahr 2016. Laut Polizei trägt der Verdächtige seine Haare derzeit an den Seiten kurz und das Haupthaar länger. Er habe sein gewohntes Umfeld verlassen.

Die Polizei fragt: Wer kann Angaben zum derzeitigen Aufenthaltsort der Verdächtigen machen? Wer hat den 22-Jährigen seit dem 26. August 2018 gesehen? Wem ist er möglicherweise in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgefallen?

Es wird ausdrücklich um Vorsicht bei möglichen Aufeinandertreffen gebeten. Der Tatverdächtige könnte bewaffnet sein!

Hinweise werden durch die Kriminalpolizeiinspektion Chemnitz unter der Rufnummer 0371/387 3448 entgegengenommen. 

Herkunft der bisherigen Tatverdächtigen ist ungeklärt

Die Herkunft der beiden Männer, die nach dem Messerangriff auf einen 35-Jährigen in Chemnitz inhaftiert wurden, ist zudem ungeklärt. Bisher hatten die Behörden die beiden als Iraker und Syrer bezeichnet. Das Bundesinnenministerium teilte am Dienstag jedoch mit, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Angaben von Alaa S. "im Rahmen des laufenden Widerrufsverfahrens" verifiziert. Dem mutmaßlichen Syrer sei im September 2015 "im schriftlichen Verfahren die Anerkennung als Flüchtling gewährt" worden. Seine Angaben zur Identität beruhten auf einer Selbstauskunft.

Der zweite Tatverdächtige Yousif A. habe bei der Anhörung im Asylverfahren im November 2017 einen irakischen Personalausweis sowie weitere Dokumente vorgelegt, die sich später als "Totalfälschungen" entpuppt hätten, hieß es vom Bundesinnenministerium. Das Ergebnis der dokumententechnischen Überprüfung durch das BAMF lag den Angaben zufolge allerdings erst im Juni 2018 vor. Sein Asylantrag wurde inzwischen abgelehnt. Die Ablehnung sei jedoch noch nicht rechtskräftig.

Seehofer räumt Fehler ein

Wie bereits zuvor bekannt geworden war, war Yousif A. im November 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wäre eine Rücküberstellung nach Bulgarien, wo er zuvor registriert worden war, grundsätzlich möglich gewesen. Das dies nicht geschah, sei auf Versäumnisse bei der Kommunikation zwischen den Behörden und Verzögerungen bei der Überprüfung der Dokumente zurückzuführen.

Die Kommunikation zwischen der zuständigen Ausländerbehörde und dem BAMF "hätte hier besser sein müssen", erklärte Seehofer. "Solche Verzögerungen und Fehler müssen wir in der Zukunft verhindern." Die dem sächsischen Innenministerium nachgeordnete Landesdirektion Sachsen hatte bereits vor einigen Tagen hinsichtlich der verpassten Abschiebung nach Bulgarien mitgeteilt, die zentrale Ausländerbehörde sei Mitte 2016 irrtümlich davon ausgegangen, dass die Frist für die Überstellung des Irakers bereits abgelaufen sei.

Seehofer räumte zudem ein, dass auch die Untersuchung der von dem Mann vorgelegten Dokumente "zu lange gedauert" habe. Dies sei darauf zurückzuführen, dass das BAMF über zu wenige hochspezialisierte Dokumentenprüfer verfüge. Seehofer verwies darauf, dass er sich als Bundesinnenminister bereits vor Monaten für mehr Personal eingesetzt habe, damit die Überprüfung deutlich schneller erfolgen kann. "Denn klar ist: Es muss schnellstmöglich geklärt werden, ob Dokumente echt sind und damit die Identität eines Asylantragstellers feststeht", betonte Seehofer.

Quelle: MDR/ms/dpa/AFP

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.09.2018 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 04. September 2018, 15:06 Uhr

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