19.11.2019 | 11:42 Uhr Chemnitzer Stadtsportbund bildet Migrantinnen zu Übungsleiterinnen aus

Stadtsportbund Chemnitz bildet Migrantinnen zu Übungsleitern aus.
Elf Frauen mit Migrationshintergrund werden in Chemnitz zu Übungsleitern ausgebildet. Bildrechte: Stadtsportbund Chemnitz

In vielen Sportvereinen fehlt es an ehrenamtlichen Übungsleitern. Um Abhilfe zu schaffen, hat der Stadtsportbund Chemnitz in Kooperation mit dem Kreissportbund Mittelsachsen ein Pilotprojekt ins Leben gerufen. In einem dreiwöchigen Kurs wurden Frauen mit Migrationshintergrund zu Übungsleitern ausgebildet. "Es gibt einen großen Bedarf an Übungsleitern", erzählt Jitka Dunger, Integrationslotsin beim Stadtsportbund. In der Frauensportgruppe, die sie leitet, bemerkte sie, dass sich viele Frauen mit Migrationshintergrund gern ehrenamtlich engagieren würden. "Da erschien es passend, diese beiden 'Parteien' zusammenzubringen."

Das Einmaleins des deutschen Sportsystems

Das Angebot wurde sachsenweit ausgeschrieben und elf Frauen mit Migrationshintergrund entschieden sich, die Ausbildung zu absolvieren. Jitka Dunger leitet den Kurs in Koopera mit ihrer Kollegin Melanie Wotsch vom Kreissportbund Mittelsachsen. Als Einstieg wurde den Frauen das deutsche Sportsystem näher gebracht, der Aufbau eines Vereins und was ein Übungsleiter macht. Auch Sportanatomie, Sportbiologie und Trainingsmethodik spielen in der theoretischen Ausbildung eine Rolle.

"Dann gibt es natürlich aber auch die praktische Anwendung des Gelernten", so Dunger. "Also wie sollte eine Übungseinheit aufgebaut sein, wie sollte eine Erwärmung aussehen und der Hauptteil." Die Ausbildung ist sportartübergreifend und schafft die Basis, auf die weiter aufgebaut werden kann. "Die Ausbildung ist auch vom Landessportbund anerkannt."

Muslimischen Frauen fehlt in Deutschland Zugang zu Sportvereinen

Am Anfang habe Dunger sich die Ausbildung der Frauen komplizierter vorgestellt, als sie dann war. "Wir haben darauf geachtet, dass wir eine leichte Sprache haben und auch schwere Begriffe erklären", erzählt sie. "Viele der Frauen können aber sehr gut deutsch."

Die Frauen stammen aus Ländern wie zum Beispiel Palästina, Iran, Syrien und Afghanistan. Sie alle haben bereits in ihren Heimatländern Sport getrieben. Eine von ihnen erzählt, dass sie lange nach einer Sportmöglichkeit gesucht habe, da ein Fitnessstudio sie nicht angenommen hätte. Sie wolle aber Sport zum Stressabbau treiben.

"Wir haben festgestellt, dass viele Frauen aus dem muslimisch-arabischen Bereich schlecht den Zugang zum organisierten Sport in Deutschland finden, da ihnen der geschütze Rahmen oder Raum fehlt", so Dunger. "Und es fehlt auch ein bisschen die Vorbildfunktion. Es gibt sehr wenige Migrantinnen, die als Übungsleiter in Vereinen tätig sind."

Junge Frauen in einer Turnhalle.
In der praktischen Ausbildung lernen die Frauen, wie eine Übungseinheit aufgebaut wird. Bildrechte: Stadtsportbund Chemnitz

Wie weiter nach der Ausbildung?

Martina Spindler, Referentin für Chancengleichheit beim Landessportbund Sachsen, unterstützt das Projekt. Sie könne sich auch vorstellen, dass die Ausbildung zukünftig auch in anderen Landkreisen angeboten wird. "Ob das möglich ist, hängt aber auch an der Finanzierung und der uns möglichen Manpower", so Spindler. Außerdem sieht sie die Problematik nach der Ausbildung als Übungsleiter in die Vereine reinzukommen.

Was ist ein Übungsleiter? Zentraler Aufgabenbereich der Übungsleiter ist die Planung und Durchführung regelmäßiger Sport- und Bewegungsangebote im Sportart übergreifenden Breitensport. Im Kern sind die Übungsleiter pädagogisch tätig und tragen in dieser Rolle dazu bei, die Sporttreibenden in ihrer sportlichen, persönlichen und sozialen Entwicklung zu unterstützen und Selbstständigkeit, Teilhabe und selbstbestimmtes Lernen des Einzelnen zu fördern.

Denn wie es nach der Ausbildung weitergeht, steht für die meisten der Frauen noch nicht fest. Die Rückmeldung der Vereine ist bisher noch sehr verhalten. "Wir wissen zwar von den Vereinen, dass sie Bedarf haben, aber bisher haben sich bei uns sehr wenig Vereine gemeldet, die auch gesagt haben, dass sie die Frauen gern als Übungsleiter bei sich im Verein hätten", sagt Dunger.

Die Ursachen dafür sieht Dunger vor allem in dem großen Zeitaufwand. "Die neuen Übungsleiter müssten am Anfang an die Hand genommen werden, damit sie in die Rolle reinwachsen können." Möglicherweise fehle es den Vereinen an Ressourcen, um die neuen Übungsleiter einzuarbeiten.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.11.2019 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 11:42 Uhr

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