Mehr als Sachbeschädigung Antisemitischer Vorfall in Chemnitz: Straßenschilder verbogen und abgerissen

In Chemnitz sind nahe der Synagoge zwei Straßenschilder abgerissen und eines verbogen worden. Der Namensgeber der Straße, Hugo Fuchs, war über 30 Jahre Rabbiner der Jüdischen Gemeinde. Für die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Ruth Röcher, ist die Tat "ganz klar antisemitisch".

Straßenschild mit Name "Hugo-Fuchs-Straße" sowie ein Schild mit einem Erklärtext zur Person Hugo Fuchs, das leicht eingebeult ist.
Auf der einen Seite der 170 Meter langen Seitenstraße fehlen die Schilder komplett. Auf der anderen Seite ist eines verbogen worden. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Die Meldung der Polizei wirkt auf den ersten Blick neutral und eher unscheinbar: "Unbekannte Täter beschädigten drei Straßenschilder, die die Hugo-Fuchs-Straße bezeichnen, wobei zwei Schilder abgerissen und ein Schild verbogen wurde." Ermittlungen seien aufgenommen worden. Die Tat ereignete sich Sonnabendnachmittag, heißt es weiter.

Mit dem Schild wird an Chemnitzer Rabbiner erinnert

Aber die Ecke mit den nun fehlenden Straßenschildern liegt gerade mal 150 Meter von der Synagoge und Jüdischen Gemeinde Chemnitz entfernt. Der Namensgeber des Schildes war über 30 Jahre Rabbiner der Jüdischen Gemeinde. Er wurde in der Reichspogromnacht 1938 von den Nationalsozialisten gezwungen mit anzusehen, wie die Synagoge niederbrannte und danach ins KZ Buchenwald verschleppt.

"Antisemitische Tat"

Ruth Röcher, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sagte MDR SACHSEN auf Anfrage: "Auf dem Schild steht Rabbiner Fuchs, also ist für mich ganz klar, dass die Tat antisemitisch ist." Es sei auch nicht das erste Mal, fügte sie hinzu. Vor mehreren Monaten war das Schild an der Ecke zur Stollberger Straße schon einmal stark verbeult gewesen. Ein Anwohner erinnerte sich: "Es war förmlich um die Haltestange gewickelt worden. Da muss jemand viel Kraft angewandt haben."

Die Tat ereignete sich genau eine Woche vor Beginn der "Tage der jüdischen Kultur". Zur Eröffnung am kommenden Sonnabend wird Ministerpräsident Michael Kretschmer eine Rede halten.

Nahaufnahme eines Straßenschildes, auf dem "Stollberger Straße" steht. Man sieht, dass es eigentlich ein Eckstraßenschild ist, zu dem das Schild einer weiteren Straße gehörte, das jedoch nicht mehr vorhanden ist.
Hier fehlen die Namens- und Erklärschilder zur Person Hugo Fuchs. Die Stelle ist 150 Meter von der Synagoge entfernt. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 04.03.2019 | 07:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 03. März 2019, 15:11 Uhr

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