27.06.2020 | 18:10 Uhr Chemnitzer Ortsteil Grüna: Ortsvorsteher zieht Ausgemeindung in Erwägung

Hotel in Grüna
Das geplante Wohnprojekt für Suchtkranke im Chemnitzer Ortsteil Grüna stößt auf breiten Widerstand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit der Entscheidung der Stadt Chemnitz, im leerstehenden Hotel "Grünaer Hof" im Ortsteil Grüna ein Wohnprojekt für Wohnungslose und Suchtkranke einzurichten, formiert sich lautstarker Widerstand. Ortsvorsteher Lutz Neubert kritisiert vor allem die fehlende Kommunikation der Stadt mit dem eingemeindeten Ortsteil. "Die Diskussion richtet sich nicht gegen die Menschen", so Neubert. "Es geht einzig und allein um den Standort und die Unfähigkeit der Stadt Chemnitz. Sie hat wieder einmal bewiesen, dass sie bei solchen sensiblen Themen die Einwohner oder auch die Vereine im Vorfeld nicht einbezieht."

Grünas Ortsvorsteher bringt Ausgemeindung ins Spiel

Lutz Neubert, Ortsvorsteher Grüna
Der Grünaer Ortsvorsteher Lutz Neubert kann den Frust der Einwohner verstehen. Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Doch die Auseinandersetzung mit der Stadt dauert Neubert zufolge schon länger und er zweifelt daran, dass die Grünaer bei zukünftigen Entscheidungen besser einbezogen werden. Die Stadt habe schon in der Vergangenheit viele Beschlüsse den Ortsteil betreffend allein gefasst. Als Beispiele nennt er brandschutzrechtliche Entscheidungen zu einer Asylunterkunft und Bauleistungen bei Sportstätten.

Das Thema Ausgemeindung ist für Neubert mittlerweile auch eine Option, wenn sich Stadt und Ortsteil bezüglich des geplanten Wohnprojektes nicht einigen können. "Die rechtlichen Mittel dazu gibt es. Man kann sich ausgemeinden lassen. Das ist der letzte Schritt", sagt Neubert MDR SACHSEN. Bei den Grünaern sitze der Frust tief.

Stadt beharrt auf Grüna als Standort für Wohnprojekt

Die Stadt Chemnitz zeigt sich gesprächsbereit, beharrt aber auf Grüna als Standort für das Wohnprojekt. Wie Sozialbürgermeister Ralph Burghart sagte, könnten die Grünaer ein anderes Grundstück als Alternative vorschlagen. "Dann werden wir dort auch noch mal die Kriterien anlegen und sagen, ist das ein geeigneterer Standort", so Burghart. Dann müsse man sehen, wie man gegebenenfalls zum Ziel komme. Allerdings sollen nach Aussage von Ortsvorsteher Neubert die Bauarbeiten für das Wohnprojekt am ehemaligen Hotel bereits in zehn Tagen beginnen. Damit bleibt für Verhandlungen mit der Stadt Chemnitz wenig Zeit.

Grüna Grüna ist mit rund 14 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Stadtteil von Chemnitz. Der Ort liegt im Westen des Stadtgebietes und wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Er wurde am 1. Januar 1999 eingemeindet. Zur Zeit leben in Grüna etwa 5.300 Einwohner. Stadt Chemnitz

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.06.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen