25.01.2020 | 17:55 Uhr Tag der (Aus)-Bildung in Chemnitz

Ein junger Mann bohrt mit einer Ständerbohrmaschine Löcher in einen kleinen Metallwürfel.
Für manche jungen Leute war es der erste Kontakt mit einer Maschine, bei der die Späne fliegen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Über mangelnden Zuspruch mussten sich die Veranstalter beim "Tag der Bildung 2020" in Chemnitz nicht beschweren. Am Sonnabend stürmten fast 3.900 junge Besucher die Chemnitzer Arbeitsagentur, die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer der Stadt. 2.100 freie Lehrstellen in den unterschiedlichsten Branchen sind zur Zeit noch zu haben teilten die Einrichtungen mit. Allein bei der IHK zeigten 70 Unternehmen, was sie den Azubis zu bieten haben, was sie aber auch von ihnen erwarten.

Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz Hans-Joachim Wunderlich im Gespräch mit einer Frau
Der Hauptgeschäftsführer der IHK Chemnitz, Hans-Joachim Wunderlich, plädiert für mehr Technikorientierung in den Schulen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

IHK Geschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich sieht in solchen Ausbildungsmessen eine Chance für beide Seiten. "Hier kann man sich informieren, bevor man sich entscheidet, welchen Berufsweg man einschlagen will." Gleichzeitig sieht Wunderlich auch die Schulen mehr in der Pflicht. "Ich denke, es muss bereits in der Schule mehr getan werden in Sachen Technikorientierung. Nicht nur, um die Schülerinnen und Schüler frühzeitig auf technische Berufe vorzubereiten." Auch ein Kaufmann könne dann besser nachvollziehen, was sich hinter den Zahlen einer Abrechnung verbirgt. "Wir haben hier auf der Messe eine kleine Werkstatt eingerichtet, an dem ganz praktisch gebohrt oder gelötet werden kann. Viele Jugendliche kommen hier zum ersten Mal mit solchen praktischen Tätigkeiten in Kontakt."

Unternehmen suchen sich Nachwuchs in den Schulen

Die IHK sieht, dass die Suche nach den besten Bewerbern zunehmend schwieriger wird für die Unternehmen der Region. Hans-Joachim Wunderlich macht dafür auch eine neue Konkurrenz aus. "Die öffentlichen Verwaltungen haben jahrelang kaum ausgebildet. Jetzt konkurrieren sie mit den Wirtschaftsunternehmen um den Nachwuchs." Viele Unternehmen würden daher schon früh den Kontakt zu Schulen suchen, um den potentiellen Nachwuchs für die entsprechenden Berufe zu interessieren. "Die Werbung um die Bewerber beginnt heute schon sehr früh. Viele Azubis haben ihren Ausbildungsbetrieb schon bei einem Schülerpraktikum kennengelernt." Aber auch da sei noch Luft nach oben.

Bildungs-Werkstatt: Nachholbedarf bei Schulbildung

Thomas Beyer, Geschäftsführer der Bildungswerkstatt Chemnitz gGmbH
Thomas Beyer, Geschäftsführer der Bildungswerkstatt Chemnitz gGmbH Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Die Bildungs-Werkstatt Chemnitz ist mit 300 Mitgliedsunternehmen der größte Ausbildungsverbund der Industrieregion Chemnitz. Jahr für Jahr absolvieren in dieser Berufsschule etwa 1.000 Azubis ihre Lehre. Geschäftsführer Thomas Beyer sieht Licht und Schatten bei den jungen Leuten, die bei der Bildungswerkstatt im Auftrag der Unternehmen ausgebildet werden. "Viele Azubis haben nach der Schule - sagen wir mal - noch etwas Nachholbedarf in Sachen Bildung. Weniger im praktischen Bereich, aber bei den theoretischen Fähigkeiten." Als Beispiele führt Beyer die Prozentrechnung an oder das Schreiben von Berichten. "Aber gerade da können wir als überbetriebliche Ausbilder ganz gut gegensteuern und die Jugendlichen gezielt fördern." Ein kleineres oder mittelständisches Unternehmen hätte gar keine Kapazitäten dafür.

"Nach solchen Messen steigt die Zahl der Anfragen nach einer Lehrstelle bei uns und den Unternehmen erfahrungsgemäß an", weiß Thomas Beyer. Aber erst, wenn die Azubis ihre Lehrzeit erfolgreich hinter sich gebracht haben, wissen sie, ob sie die richtige Berufswahl getroffen hatten.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.01.2020 | 09:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2020, 17:55 Uhr

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