Chemnitz
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Chemnitz/Karlsruhe Alle Beschuldigten der "Revolution Chemnitz" in U-Haft

Nach dem NSU und der "Gruppe Freital" soll sich in Sachsen eine weitere rechte Terrorzelle gebildet haben. Sieben Männer sind am Montag verhaftet worden, ein weiterer saß bereits im Gefängnis. Die mutmaßlichen Mitglieder der rechtsextremistischen Terrorgruppe "Revolution Chemnitz" wurden im Anschluss dem Haftrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt.

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Einen Tag nach der Enttarnung einer Gruppe mutmaßlicher Rechtsterroristen in Sachsen bleiben alle acht Verdächtigen in Haft. Wie die Generalbundesanwaltschaft am Dienstagabend mitteilte, wurde gegen alle Beschuldigten Untersuchungshaft angeordnet. Maximilian V., Sten E., Martin H., Marcel W., Sven W., Hardy Christopher W., Tom W. sowie der bereits am 14. September 2018 von der Staatsanwaltschaft Chemnitz festgenommene Christian K. waren zuvor dem Haftrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt worden.

Die Beschuldigten stehen im Verdacht, spätestens am 11. September die terroristische Vereinigung "Revolution Chemnitz" gegründet zu haben. Den Ermittlern zufolge sollen sie Angriffe auf Ausländer und Andersdenkende geplant haben und im Begriff gewesen sein, sich Schusswaffen zu besorgen. Eine Attacke war demnach für den Tag der Deutschen Einheit an diesem Mittwoch geplant.

Kretschmer: "Gewalttäter mit aller Härte verfolgen"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer äußerte sich am Montagabend zu den Festnahmen. Beim sogenannten Sachsengespräch in Dresden zeigte er sich zufrieden mit dem Fahndungserfolg.

Michael Kretschmer (CDU) steht am 25.10.2017 in Dresden (Sachsen) auf der Konferenz der Verantwortungsträger der Sächsischen Union vor einem Transparent mit der Aufschrift «Miteinander».
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Rechtsextremisten und Gewalttäter, die unsere freiheitliche-demokratische Grundordnung in Frage stellen, die Rassismus und Hetze säen, müssen mit aller Härte verfolgt werden. Wir sehen an dem Ermittlungserfolg, dass das im Freistaat Sachsen auch passiert. Das ist gut so.

Ziel sei es außerdem, die Erkenntnisse, die bei den verschiedenen Polizeidienststellen vorhanden sind, besser zu bündeln, um wirkungsvoller gegen Rechtsextremismus vorgehen zu können, so Kretschmer.

Köditz: "Führende Köpfe sind den Behörden schon länger bekannt"

Nach Ansicht von Linke-Politikerin Kerstin Köditz hätten die mutmaßlichen Rechtsterroristen der Gruppierung "Revolution Chemnitz" viel früher ins Visier der sächsischen Ermittler geraten müssen. "Revolution Chemnitz" sei schon 2013 mit einem eigenen Facebook-Profil in Erscheinung getreten, so Köditz in einer Mitteilung. Im Internetatlas 2014 des Landesamtes für Verfassungsschutz sei die betreffende Facebook-Seite ausdrücklich als neonazistisches Internetangebot aus Chemnitz erwähnt.

Namentlich bezieht sie sich auf Tom W., den Kopf der 2007 verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34" aus Mittweida bei Chemnitz. Auch mindestens ein weiterer aktuell Beschuldigter soll zum Umfeld derselben Gruppe gehören.

Kerstin Köditz, Angeordnete der Linken im sächsischen Landtag
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Die juristische Aufarbeitung wurde jahrelang verschleppt, auch Tom W. kam letztlich mit einer Bewährungsstrafe davon. Dabei fielen frühere Mitglieder weiter durch Straftaten auf, offenbar wurde sogar wegen des Verdachts der illegalen Fortführung der Gruppe ermittelt - jedoch ohne Ergebnis.

Führende Personen in der rechtsextremistischen Szene Sachsens

Die Bundesanwaltschaft hatte am Montag in Sachsen und Bayern sieben mutmaßliche Rechtsextremisten festnehmen lassen. Ein achter Mann, der mutmaßliche Anführer Christian K., befindet sich bereits seit Mitte September in Untersuchungshaft. Er war am 14. September wegen besonders schweren Landfriedensbruchs verhaftet worden.

Laut Bundesanwaltschaft sollen sich die Beschuldigten im Alter zwischen 20 und 31 Jahren im September zu der Gruppierung "Revolution Chemnitz" zusammengeschlossen haben. Auf Grundlage ihrer rechtsextremistischen Gesinnung hätten sie ein "revolutionäres" Ziel verfolgt - die Abschaffung des demokratischen Rechtsstaates. Nach bisherigen Erkenntnissen gehören die Beschuldigten der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene im Raum Chemnitz an und sollen sich als führende Personen in der rechtsextremistischen Szene Sachsens verstanden haben.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft soll die Gruppe gewalttätige Angriffe und bewaffnete Anschläge auf Ausländer und politisch Andersdenkende geplant haben. Die Tatverdächtigen hätten bereits versucht, sich halbautomatische Schusswaffen zu besorgen. Mehrere der Beschuldigten sollen außerdem als Teil einer "Bürgerwehr" an gewalttätigen Übergriffen auf Pakistaner und Iraner am 14. September auf der Chemnitzer Schlossteichinsel beteiligt gewesen sein.

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Quelle: MDR/ms/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.10.2018 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2018, 18:09 Uhr

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