Jüdische Gemeinde Zentralrat der Juden und Chemnitz trauern um Siegmund Rotstein

Der Zentralrat der Juden in Deutschland trauert um Siegmund Rotstein, den langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Chemnitz und ehemaligen Präsidenten des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR. Er starb am Donnerstag im Alter von 94 Jahren.

"Wir verlieren einen engagierten und warmherzigen Menschen, der sich Zeit seines Lebens unermüdlich für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt hat", erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster am Freitag in Frankfurt.

Siegmund Rotstein
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Trotz der leidvollen Erfahrungen von Verfolgung, Deportation und Zwangsarbeit während der NS-Zeit, kehrte er in seine Heimatstadt Chemnitz zurück, wo er die Jüdische Gemeinde wiederaufbaute und 40 Jahre lang leitete.

Josef Schuster Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Ludwig: "Kluger und gütiger Mann voller Herzenswärme"

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig sprach der Familie Siegmund Rotsteins ihr Mitgefühl aus. Wie viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer sei sie traurig über den Tod Rotsteins, teilte sie am Freitagabend mit. "Wenn ich an Siegmund Rotstein denke, erinnere ich mich an einen klugen und gütigen Mann voller Herzenswärme. [...] Seinem unerschütterlichen Mut und seiner Beharrlichkeit verdanken wir, dass das jüdische Leben in Chemnitz wieder einen so wichtigen Platz hat."

Die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, Ingrid Mössinger, der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, Siegmund Rotstein, die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, und die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (v.l.) besuchen am Dienstag (12.10.2010) im Anschluss an den Festakt zu 125 Jahren Jüdischer Gemeinde gemeinsam die Sonderausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz.
Siegmund Rotstein besuchte 2010 im Anschluss an den Festakt zu 125 Jahren Jüdischer Gemeinde die Sonderausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz. Bildrechte: imago/HärtelPRESS

Mit Siegmund Rotstein verlieren wir einen der letzten Zeitzeugen des Holocaust, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, folgenden Generationen zu berichten. Wir werden ihn sehr vermissen.

Barbara Ludwig Oberbürgermeisterin Chemnitz

Neue Synagoge 2002 eingeweiht

Rotstein wurde 1925 in Chemnitz geboren. Die Nationalsozialisten deportierten ihn in das KZ Theresienstadt. Nach dem Krieg kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er die Jüdische Gemeinde wiederaufbaute und ab 1966 40 Jahre lang leitete. Er engagierte sich beharrlich für den Bau der neuen Synagoge, die 2002 eingeweiht wurde. 2007 verlieh ihm die Stadt Chemnitz die Ehrenbürgerwürde.

Von 1988 bis 1990 wirkte er als Präsident des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR. In den 1990er Jahren sei ihm die Integration jüdischer Zuwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein Herzensanliegen gewesen, so der Zentralrat der Juden in Deustchland.

Chemnitzer Synagoge
Die neue Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz an der Stollberger Straße. Bildrechte: dpa

Die Jüdische Gemeinde in Chemnitz Die Jüdische Gemeinde in Chemnitz besteht seit 1875. Am 7. März 1899 wurde die Synagoge am Stephansplatz auf dem Kaßberg eingeweiht. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde über 1.000 Mitglieder. Im Jahr 1923 war diese Zahl auf 3.500 angewachsen.

Im Zuge der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge am Stephansplatz vollständig zerstört. Es sollte 64 Jahre dauern, bis es in Chemnitz wieder eine Synagoge gab.

1942 wurden alle jüdischen Einwohner von Chemnitz in die Vernichtungslager deportiert. Im September 1945 begannen 57 zurückgekehrte Mitglieder mit dem Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde. Am 24. Mai 2002 wurde schließlich die neue Synagoge in der Stollberger Straße eingeweiht. 2010 zählte die Gemeinde etwa 700 Mitglieder.

Quelle: MDR/al/KNA

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.08.2020 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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