21.10.2019 | 16:31 Uhr | Update Chemnitzer Pfarrer wegen Drogenhandels zu Haftstrafe verurteilt

Ein Mann verdeckt mit seinem Hut sein Gesicht, neben ihm sein Anwalt
Der Chemnitzer Pfarrer wurde in acht von elf Fällen wegen des Besitz und Handels mit Drogen verurteilt. Bildrechte: MDR/ Harry Härtel

Das Landgericht Chemnitz hat am Montag einen Pfarrer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Dem Geistlichen aus Chemnitz wurde Besitz und Handel von Drogen in elf Fällen vorgeworfen - in acht Fällen wurde er schließlich verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 49-jährige einem Flüchtling beim Transport der Drogen half und selbst mit Marihuana gedealt hat. Dabei ging es um eine Gesamtmenge von mehr als zehn Kilogramm. Nach Angaben eines MDR-Reporters ist aus Chat-Protokollen hervorgegangen, dass der Pfarrer auch selbst mit den Drogen gehandelt und die Preise festgelegt haben soll.

Pfarrer war geständig

"Bei dem Urteil wurde natürlich berücksichtigt, dass der Angeklagte geständig war, dass er an der Verurteilung mitgewirkt hat und andere Dealer bekanntgegeben hat", sagte Gerichtssprecherin Marika Lang MDR SACHSEN. Zudem sei berücksichtigt worden, dass den Pfarrer ein Disziplinarverfahren erwarte und er seinen Beruf aufgeben müsse. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und sechs Monate gefordert. Hinter dieser Forderung sei das Gericht aus besagten Gründen sehr stark zurückgeblieben.

Marihuana von Leipzig nach Chemnitz transportiert

Zum Prozessauftakt vor einer Woche hatte der Pfarrer die Taten gestanden. Er habe einem Flüchtling aus dem arabischen Raum Geld geliehen, damit dieser seine Familie nach Deutschland holen könne. Von mehr als 10.000 Euro war vor Gericht die Rede. Weil der Flüchtling das Darlehen jedoch nicht zurückzahlen konnte, habe der Pfarrer ihm geholfen, große Mengen Marihuana von Leipzig nach Chemnitz zu transportieren. Später habe der Pfarrer nicht mehr nur Kurierdienste übernommen, er habe selbst mit Drogen gehandelt.

Quelle: MDR/lam/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.10.2019 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 16:31 Uhr

3 Kommentare

HaraldChemnitz vor 3 Wochen

Ich habe für dieses Urteil keinerlei Verständnis- Ein Mann, wie Carsten R.,welcher sich in Chemnitz an der hiesigen Kreuzkirche einen Namen gemacht hat, beliebt bei seinen Gemeindemitgliedern war, sozial engagiert war- einen solchen Mann härter zu bestrafen als einen Kinderschänder, welcher über Jahre hinweg Kinder aus der eigenen Familie und deren Freunde zu Oralverkehr genötigt hat ( 3 Jahre auf Bewährung plus Geldstrafe), ist eine schreiende Ungerechtigkeit!!! Carsten R. ist schon gestraft genug, dafür, dass er seinen Beruf nie wieder ausüben darf.
Für die Bereitschaft anderen Menschen zu helfen, wird hiermit definitiv ein Zeichen gesetzt es um Gottes Willen niemals zu tun. Sicher hätte er versuchen müssen, auf legalem Weg sein Geld wieder zurück zu bekommen. Das war falsch! Eine Bewährungsstrafe hätte vollkommen ausgereicht!

Fuerst Myschkin vor 3 Wochen

Die gute Absicht des umtriebigen Pfäffleins erklärt sicher die ungewöhnliche Milde des Gerichts. Der verirrte Seelenhirte war ja zum Glück kein AfD- Anhänger. Außerdem war ja der wackere Gottesmann für eine gute Sache unterwegs gewesen und hatte einem armen Flüchtling geholfen, sich mit einem kleinen Handel von Naturprodukten ein Zubrot zu verdienen. Ja die Liebe & Mitmenschlichkeit geht in der evangelischen Kirche manchmal seltsame Wege. Da kann es auch mal passieren, dass man von selbigen etwas ab kommt. Aber wenn es wie hier um die guten Zweck geht, ist Vergebung göttlich.

Maria A. vor 3 Wochen

Für mich, also rein subjektiv betrachtet, ähnlich zu beurteilen, wie ein Pfarrer, der zu DDR-Zeiten für die Stasi tätig war. Egal, was für Gründe auch dafür angegeben wurden, dafür habe ich absolut kein Verständnis. Ich kann es sogar verstehen, wenn in der Kirchgemeinde des verurteilten Pfarrers langjährige Mitglieder so enttäuscht sind, dass die aus der Kirche austreten.

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