15.01.2020 | 18:42 Uhr Schloss Augustusburg: "Unsere Mauern stehen nicht für braunen Mief"

Schloss Augustusburg bei Chemnitz aus der Vogelperspektive.
Bildrechte: dpa

Nach der Selbstinszenierung eines Hitler-Imitators beim Biker-Wintertreffen hat sich Schloss Augustusburg nochmals für den Vorfall entschuldigt. "Ja, ich schäme mich für den geschmacklosen Auftritt des Hitler-Imitators, den wir nicht verhindert haben, weil wir ihn bedauerlicherweise nicht mitbekommen haben", teilte Geschäftsführerin Patrizia Meyn am Mittwoch mit.

Die altehrwürdigen Mauern unseres Jagdschlosses stehen keineswegs für braunen Mief, sondern für aufgeklärte Modernität. Deshalb werden wir alles dafür tun, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.

Patrizia Meyn Geschäftsführerin Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH

Rechtspopulistischen Tendenzen den Boden entziehen

Zugleich kritisierte sie, dass das Bild ihres Hauses und der ganzen Region verzerrt werde. "Hitler? – Wir stehen hier für etwas ganz anderes", betonte Meyn. "Wir leisten hier eine großartige Arbeit und tragen mit viel Engagement und Liebe zur Bewahrung und Vermittlung des historischen Erbes im Freistaat bei." In den vergangenen Jahren hätte das Schloss Augustusburg ein museumpädagogisches Angebot aufgebaut, "das in Quantität und Qualität seinesgleichen sucht". Nahmen 2010 rund 600 Schüler und Schülerinnen an Bildungsangeboten teil, waren es 2018 bereits über 3.000, so die Geschäftsführerin. Mit der Kulturvermittlung, den Sonderausstellungen und den attraktiven Mitmachangeboten trügen die Schlossbetriebe ihren Teil zur Zufriedenheit der Bevölkerung bei und arbeiteten so proaktiv daran mit, rechtspopulistischen Tendenzen den Boden zu entziehen, heißt es weiter.

Staatsschutz eingeschaltet

Beim Wintertreffen - einem traditionsreichen Treffen von Bikern aus ganz Deutschland - war am vergangenen Wochenende ein Gespann vorgefahren, dessen Mitfahrer im Beiwagen als Hitler verkleidet die umstehenden Besucher amüsierte. Das Gespann parkte direkt neben einem Polizeifahrzeug ein. Der Polizist am Lenkrad filmte das Treiben offenbar sehr amüsiert. Gegen ihn werden dienstrechtliche Konsequenzen geprüft. Außerdem hat sich der Staatsschutz eingeschaltet.

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2020, 18:42 Uhr

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