Kunst gegen Hass und Gewalt Wölfe vor dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz

Der Bildhauer Lew Kerbel hat sich vor 47 Jahren sicher nicht träumen lassen, dass sein Karl-Marx-Monument in Chemnitz einmal Ort für politische Kontroversen sein würde. Ein Künstler regt genau dort eine Diskussion an.

Blick auf das aufgerissene Maul einer Wolfsskulptur, dahinter eine weitere Skulptur eines Wolfes.
Verstörend: Mehrere der Wölfe von Rainer Opolka zeigen den Hitlergruß. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Der Brandenburger Künstler Rainer Opolka hat am Donnerstag seine Installation "Die Wölfe sind zurück?" vor dem Chemnitzer Karl-Marx-Monument gezeigt. Die Installation, die aus zehn überlebensgroßen Wölfe in verschiedenen Posen besteht, war er schon in Berlin, Dresden und München zu sehen. Fünf der Wölfe zeigen den Hitlergruß, mehrere setzen zum Sprung an, andere haben verbundene Augen. Für Chemnitz habe er sich spontan entschieden, nachdem er von den Ereignissen der vergangenen Wochen erfahren habe, sagte Opolka.

Die Ausstellung richtet sich in keiner Art und Weise gegen die Chemnitzer Bürger. Es gibt ja auch so etwas wie einen 'Neonazi-Tourismus', und die Ausstellung richtet sich nicht gegen die Stadt, sondern gegen Hass und Gewalt.

Rainer Opolka Künstler

Eindeutige Position und kontroverse Debatten

Drei Wolfsskulpturen stehen nebeneinander, dahinter Zuschauer.
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Hinter den eindringlichen Figuren mit Hitlergruß und gefletschten Zähnen bezieht der Künstler auf großen Transparenten eindeutig Stellung zu den aktuellen Ereignissen in Chemnitz. "Jedes Gewaltopfer ist eines zu viel. Wir trauern.", "Wo gehetzt wird, wird später auch getreten." oder "Nicht jeder trauert! AfD/Pegida und Nazis instrumentalisieren unsere Angst und hetzen!" ist auf großen Bannern zu lesen.

Bei vielen Passanten erregte das Kunstwerk sofort Aufmerksamkeit. Auch jene, die zufällig am Karl-Marx-Monument aufeinandertrafen, diskutierten sofort miteinander oder mit dem Künstler über das Projekt und die öffentliche Wahrnehmung der Stadt in jüngster Zeit.

Reaktionen einiger Passanten "Ich find' sie häßlich. Ob das jetzt für uns gut ist?"

"Hübsch sehen die nicht aus. Aber ich denke, sie sollen auf gar keinen Fall schön aussehen."

"Ich finde das ganze Projekt Schwachsinn. Da wird immer wieder aufgerührt, auch seitens der Stadt, 'rechts, rechts, rechts', das spaltet noch mehr."

"Mich berührt diese Ausstellung ganz ganz sehr. Sie betrifft die Probleme in unserer Stadt sehr. Ich hoffe, dass viele Menschen wachgerüttelt werden."

"Ich bin dafür, dass die Wölfe hier so schnell wie möglich wegkommen. Das ist eine Provokation sondersgleichen."

Eine Wolsskulptur mit aufgerissenem Maul und verbundenen Augen.
Opolkas Wolfsskulpturen lassen nicht viel Raum für Interpretationen: Das ist sein "Blind Soldier". Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Opolka: "Wir brauchen mehr Demokraten"

Opolka zielt mit seiner Aktion auf ein besseres Demokratieverständnis ab. Und er distanziert sich von jeder Art rechten Gedankengutes: "Von 1933 bis 1945 hat man aus der Haut von Juden Lampenschirme gebaut. Und wenn sich heute Leute mit dem 'Hitler-Gruß' vor das Marx-Monument hinstellen, dann sage ich in aller Eindeutigkeit 'Nein'. Daher ist das so eindeutig." Manchmal seien die Dinge eindeutig und klar: "Wir brauchen mehr Demokraten." Denn es gäbe keine Alternative zur Demokratie. "Allerdings brauchen wir einen Wandel von der delegierenden zur gestaltenden Demokratie. "Wir müssen wieder lernen, miteinander zu diskutieren", sagte der Künstler abschließend. Im Angesicht der Wölfe wurde am Tag reichlich Gebrauch davon gemacht - bei kontroversen, aber friedlichen Gesprächen.

Der Künstler Rainer Opolka steht neben einer von ihm geschaffenenen Wolfsskultur vor dem Karl-Marx-Monument.
Der Künstler Rainer Opolka bezieht eindeutig Stellung, war aber auch während der Dauer der Aktion gesprächsbereit. Bildrechte: MDR/Sven Böttger

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.09.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.09.2018 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 19:37 Uhr

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