24.03.2020 | 13:30 Uhr Corona-Lagerkoller? 10 Tipps von der TU Chemnitz

Symbolbild für Alltag in der Quarantäne: Eine Familie sieht gemeinsam fern.
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Seit Sonntag herrscht in Sachsen eine Ausgangsbeschränkung, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Stephan Mühlig, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Chemnitz, gibt zehn Empfehlungen, wie man dabei den sogenannten "Lagerkoller" vermeidet.

"Wir alle befinden uns derzeit in einer so nie da gewesenen und für die meisten völlig ungewohnten Ausnahmesituation", so Mühlig. Viele Menschen würden sich mit wachsender Unsicherheit fragen, wie sie die nächste Zeit mehr oder weniger isoliert in der eigenen häuslichen Umgebung überstehen sollen.

Sport gegen Lagerkoller - Kinder im Garten
Wer kann, verlegt die Sportstunde einfach in den eigenen Garten. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Zehn Tipps gegen den "Lagerkoller" 1. Tagesrhythmus beibehalten
2. Bewegung an der frischen Luft anstreben
3. Trainingsplan für die sportliche Betätigung zu Hause erarbeiten
4. Zur Stärkung des Immunsystems auf Zigaretten und Alkohol verzichten
5. Soziale Kontakte über Internet und Telefon pflegen
6. Sinnvolle und abwechslungsreiche Beschäftigungen suchen
7. Balance zwischen Zusammensein und Für-sich-sein-Können finden
8. Regeln für das Zusammenleben im Haushalt finden
9. Auf seriöse Informationsquellen achten
10. Bei Überforderung Hilfe suchen Stephan Mühlig | TU Chemnitz

Wichtig sei es laut Mühlig einen Tagesrhythmus mit festen Aufsteh-, Arbeits- und Schlafenszeiten auch im Homeoffice oder beim Homeschooling beizubehalten. Dies schaffe eine regelmäßige Tagesstruktur und begünstige die emotionale Stabilität. Auch Spaziergänge an der frischen Luft und Sport seien wichtig.

Soziale Kontakte über Internet und Telefon pflegen

"Es ist für viele Menschen extrem schwer, über längere Zeit ihre sozialen Kontakte auszusetzen, nicht unter Leute gehen zu dürfen", sagt Mühlig. "Wir sind soziale Wesen und brauchen den Kontakt und Austausch mit anderen Menschen." Deshalb sei es wichtig, seine sozialen Kontakte per Internet, Telefon und Videochats zu pflegen.

Stephan Mühlig, TU Chemnitz
Stephan Mühlig, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Chemnitz Bildrechte: TU Chemnitz

Bei Beschäftigungen zu Hause ist es laut Mühlig wichtig, sich nicht nur passive Unterhaltung, wie Fernsehen, zu suchen. "Wichtig für die emotionale Stabilität ist es, sich Aufgaben zu suchen, mit denen man in der Wartezeit produktiv bleiben kann", sagt er. Zum Beispiel Ordnung machen, die Festplatte aufräumen, Fotos archivieren, Unterhaltungsspiele mit der Familie erleben oder ein Buch lesen.

Hilfe suchen bei Überforderung

Rückzugsmöglichkeiten seien genauso wichtig wie feste Regeln für das Zusammenleben im Haushalt. "Wer den Eindruck hat, trotz alldem mit der Situation überfordert zu sein, oder beispielsweise unter Angstzuständen, Unruhe, starker Anspannung, Überaktivität, Gereiztheit, aggressiven Ausbrüchen oder ausgeprägter Niedergeschlagenheit leidet, sollte  rechtzeitig mit dem professionellen Hilfesystem Kontakt aufnehmen", so Mühlig.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.03.2020 | 19:00 Uhr

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