Neben dem historischen Roten Turm in Chemnitz steht ein modernes großes Einkaufszentrum. Das Gläserne Kaufhaus daneben hat die Form einer Welle.
Bildrechte: MDR/Nadine Jejkal

Polizeistatistik Kriminalität verlagert sich aus Chemnitzer City

Die Innenstadt von Chemnitz bleibt ein Kriminalitätsschwerpunkt. Im Vergleich zu anderen Großstädten wie Dresden oder Leipzig, sei es in Chemnitz aber "relativ ruhig". So lautet die Bilanz von Ordnungsbürgermeister Miko Runkel auf der jünsten Sicherheitskonferenz der Stadt.

Neben dem historischen Roten Turm in Chemnitz steht ein modernes großes Einkaufszentrum. Das Gläserne Kaufhaus daneben hat die Form einer Welle.
Bildrechte: MDR/Nadine Jejkal

Auf der Sitzung wurde der Öffentlichkeit die gegenwärtige Situation in Chemnitz erläutert. Konkrete Zahlen konnten Ordungsbürgermeister und Polizei zwar noch nicht vorlegen. Aber Runkel und Kriminaldirektorin Katja Stolzenberg von der Polizeidirektion Chemnitz erläuterten die aktuellen Tendenzen der Kriminalitätsentwicklung. Danach gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Die Straftaten im Zentrum sind in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Gleichzeitig verlagert sich die Kriminalität in andere Stadtviertel.

Sicherheitskonzept für die Innenstadt greift

"In den Jahren 2015 hatten wir mit 69.000 Asylbewerbern allein im Bereich Chemnitz ein ganz anderes Besucheraufkommen. Jetzt haben wir eine gewisse Reduzierung von bestimmten Ereignissen", erklärte Runkel etwas verschwommen die Situation in der Chemnitzer City.

Miko Runkel
Miko Runkel konnte eine gute Entwicklung im Stadtzentrum vermelden. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Die Maßnahmen, die die Stadt mit dem Ordnungsdienst und der Polizei ergriffen hat, zeigen laut Runkel erste Auswirkungen. So wurde die Zusammenarbeit der Polizei mit dem Stadtordnungsdienst verbessert, häufige Komplexkontrollen durchgeführt und die Dienstzeiten des Stadtordungsdienstes verlängert Durch stärkere Kontrollen in den Asylbewerberheimen konnte die dortige Drogenkriminalität und Gewalt eingedämmt werden. "Die Situation in den Unterkünften hat sich deutlich verbessert", so Runkel. Auch die kulturelle Belebung der Innenstadt, Gespräche mit den Anwohnern und der IG Innenstadt und die Sicherheitspartnerschaft mit der Security hätten zu einer merklichen Verbesserung im Stadtzentrum beigetragen.

Mehr schwere Diebstähle und Körperverletzungen

Zwar liegt die Kriminalität im gesamten Stadtgebiet laut Polizei ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Dennoch gibt es Unterschiede. Das zeigte die Polizeistatistik, die Kriminaldirektorin Stolzenberg von der Polizeidirektion Chemnitz präsentierte. Danach sind die Fälle von Körperverletzung, besonders schwerem Diebstahl oder Sexualdelikten gestiegen. Bei normalem Diebstahl und anderen Straftaten sanken die Zahlen. Vier von zehn Straftaten sind Diebstähle, etwa zehn Prozent sind Körperverletzungsdelikte. Der Anteil nichtdeutscher Täter ging gegenüber dem Vorjahr zurück.

Verlagerung auf andere Stadtgebiete

Katja Stolzenberg
Katja Stolzenberg musste einen extremen Anstieg bei Einbrüchen vermelden. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Gleichzeitig beobachten die Verantwortlichen eine Verschiebung der Straftaten. Die Kriminalität im Zentrum geht zurück, in anderen Stadtgebieten steigt sie. Kriminalitätsschwerpunkte sind außer der Innenstadt auch die Stadtviertel Ebersdorf und Altchemnitz. In Morgenleite, Kapellenberg und Ebersdorf ist die Kriminalität in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 45 Prozent gestiegen. In Adelsberg dagegen sank sie gegenüber 2007 um mehr als 34 Prozent.

Extremer Anstieg bei bei Einbrüchen

Nach wie vor große Sorgen machen der Polizei brennende Autos, Reifenstecher und in letzter Zeit vermehrt Keller- und Wohnungseinbrüche. Besonders viele Einbrüche gebe es auf dem Kaßberg, im Zentrum, Sonnenberg und Kappel. Auch bei Wohnungseinbrüchen habe es von Oktober bis November eine Verdreifachung gegeben. Deshalb seien jetzt in den betroffenen Bereichen verstärkt Streifen unterwegs. Laut Polizei handelt es sich bei diesen Straftaten mehrheitlich um Beschaffungskriminalität von Drogenabhängigen.

Es gibt zur Zeit 30 Prozent mehr Kellereinbrüche, die Delikte erschlagen uns förmlich

Katja Stolzenberg Polizei Chemnitz

Pro und Contra Videoüberwachung

André Körner von der TU Chemnitz stellte internationale Studien zum Einsatz von Kameras zur Überwachung des öffentlichen Raumes vor. Demnach gibt es keine Garantie, dass durch Videoüberwachung die Kriminalität sinkt. Wirksam sei der Einsatz aber zum Beispiel in Parkhäusern. Laut Katja Stolzenberg von der Polizei Chemnitz haben Untersuchungen in Deutschland gezeigt, dass Videoüberwachung geplante Delikte wie Einbrüche verhindern kann. Weniger wirksam sei sie dagegen bei Gewaltdelikten wie Schlägereien.

Schild Videoüberwachung
Bestimmte Innenstadtbereiche von Chemnitz sollen mit Kameras überwacht werden. Bildrechte: IMAGO

In Deutschland ist die Zustimmung zur Videoüberwachung derzeit gemischt. Laut dem Forscher von der TU Chemnitz geht die Tendenz in der EU aber nach oben. Körner sagte, es bestehe ein Zusammenhang zwischen der Zustimmung und dem Grad der Videoüberwachung. Je mehr überwacht werde, desto größer sei die Zustimmung. Chemnitz will ab Herbst 2018 besonders neuralgische Punkte in der Innenstadt videoüberwachen lassen.

Quelle: Stadt Chemnitz/PD Chemnitz/mwa

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.11.2017 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2017, 05:00 Uhr

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12 Kommentare

20.11.2017 19:00 Ein guter Plan! 12

Neben "dezentraler Unterbringung" hat sicherlich auch das "Sicherheitskonzept fuer die Innenstadt" etwas mit "der Verlagerung der Kriminalitaet auf andere Stadtviertel" etwas zu tun.

Theoretisch hat man nach einem "Sicherheitskonzept fuer die anderen Stadtviertel, die Vorstaedte, der umliegenden Doerfer und Einsiedeleien" die Kriminalitaet am Ende ganz aus dem Land gedrueckt!

Um sich das alles zu ersparen bzw. "den Ueberblick" nicht zu verlieren, hat die Menschheit im Laufe ihrer Entwicklung die "Grenzen" erfunden. ;)

19.11.2017 17:42 nicht der Werner 11

@Werner: Nur zu Ihrem Verständnis: In Chemnitz befindet sich die Zentrale Ausländerbehörde (am Adalbert-Stifter-Weg). Die war im Jahr 2015 die einzige in Sachsen - zwischenzeitlich wurde noch eine vorübergehende Außenstelle in Leipzig und ich glaube auch in Dresden eröffnet. Das heißt: Im Jahre 2015 sind alle der 69000 Flüchtlinge (die Zahl haben Sie selbst erwähnt) mindestens zweimal in Chemnitz gewesen - zur Antragstellung und zur Anhörung. Das ist das, was Herr Runkel mit dem "Besucheraufkommen" meint und es sind keineswegs geschönte Zahlen. Erstmal das System verstehen, bevor man hier irgendwelche Tatsachen verdreht...

19.11.2017 14:12 Jens 10

Fakt ist, das Chemnitz durch die bekannten politischen Entscheidungen seit 2014/2015 deutlich unsicherer geworden ist!

19.11.2017 13:12 John Silver 9

"Das klassische Völkerrecht kennt drei Merkmale des Staates: eine Bevölkerung (Staatsvolk), einen geographisch abgrenzbaren Teil der Erdoberfläche (Staatsgebiet), eine stabile Regierung, die effektive Gewalt ausübt (Staatsgewalt)." (Wikipedia).
Da in "diesem Land, in dem man gerne lebt" vieles davon inzwischen fehlt, hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott, denn Besserung ist nicht zu erwarten - Schau nach Schweden, Frankreich... oder Dänemark.

19.11.2017 09:17 Freiheit 8

Muß man das verstehen ?

19.11.2017 09:13 Werner 7

""In den Jahren 2015 hatten wir mit 69.000 Asylbewerbern allein im *Bereich Chemnitz*... Runkel etwas verschwommen"
Landesregierung "sachsen dot de": "Wie viele Flüchtlinge kamen seit 2014 nach Sachsen?
Die Anzahl der Zugänge in den sächsischen Erstaufnahme-Einrichtungen (EAE) erhöhte sich in den vergangenen Jahren und erlangte ihren bisherigen Höchststand im Jahr 2015. Demnach kamen im Jahr 2014 insgesamt 11.786 asylsuchende Personen nach Sachsen. Im Zeitraum Januar bis Dezember 2015 wurden rund *69.900* Personen in den EAE in *Sachsen* registriert. Im Jahr 2016 reisten noch rund 14.860 Asylbegehrende nach Sachsen. Bis Ende September 2017 hingegen wurden für das laufende Jahr 6.104 Zugänge in den Erstaufnahme-Einrichtungen (EAE) des Landes gezählt." Wer erklärt sich bereit, wenigstens ein einziges mal wahrheitsgemäße Zahlen zu nennen? Niemand? Traut sich keiner? Wie können so die Kommunen- mit falschen Zahlen- ihre Finanzen, Wohnraum, Schulen, Lehrer... planen? Garnicht.

19.11.2017 08:56 Wo geht es hin? 6

Zitat aus dem Artikel: "Der Anteil nichtdeutscher Täter ging gegenüber dem Vorjahr zurück." Zitat Ende. Gibt es dazu eine belastbare Quelle, wo man das nachprüfen kann? Und wer zählt eigentlich zu "nichtdeutsch"? Wieviel "Nichtdeutsche" waren im Vergleich zum Vorjahr jetzt noch in der Stadt und Umgebung? Mehr? Weniger? Gleich? Passend dazu - Zitat: "In den Jahren 2015 hatten wir mit 69.000 Asylbewerbern allein im Bereich Chemnitz ein ganz anderes Besucheraufkommen. Jetzt haben wir eine gewisse Reduzierung von bestimmten Ereignissen", erklärte Runkel etwas verschwommen die Situation in der Chemnitzer City." Zitat Ende. Mit anderen Worten: Sie wissen es nicht! Und da von "Rückgang" zu sprechen, halte ich für....na ja! Aussagekräftiger meiner Meinung nach wäre ja wohl das Verhältnis Deutsch - % begangene Straftaten und Nichtdeutsch - % begangene Straftaten. Aber wenn man keine genauen Zahlen hat, vermeldet man sicherheitshalber erst mal Erfolge - kann ja nicht schaden, oder?

19.11.2017 06:56 Kalli H. 5

Verschiebung der Kriminalität...
Na sowas aber auch. Hier in Frankfurt am Main kennt man solche Ergebnisse schon seit den 80iger Jahren als die Drogenszene um den Theaterplatz (heute Willy-Brandt-Platz) "besonders Betreut" wurde.
Das erlebt man hier gerade wieder durch Maßnahmen am HBF. Damit muß man wohl oder übel Leben. Grüße aus Ffm

18.11.2017 23:39 Kontrovers 4

Vorsicht Herr Runkel, ungeübte Leser könnten verstehen, dass es unter den vielen traumatisierten Schutzsuchenden Kriminelle gäbe.

18.11.2017 18:08 Horst 3

Ist doch schön bunt, fein gemacht, weiter so.