Drogenkonsum In Chemnitzer Abwasser schwimmt das meiste Crystal Europas

Chemnitz hat zum ersten Mal bei einer europaweiten Abwasserkontrolle auf Drogenrückstände mitgemacht. Das Ergebnis dieser Premiere ist allerdings ernüchternd. Den ersten Platz wertet die Stadt als Signal für mehr Präventionsarbeit. Die verlangen auch Sachsens Grüne. Außerdem sollen mehr Polizisten mit besserer Technik den Drogenschmuggel bekämpfen.

Chemnitz hat laut einer Studie beim Konsum der synthetischen Droge Crystal eine führende Position in Europa. Im Vergleich von 60 Städten wurden demnach 2017 in Chemnitz die größten Rückstände von Methamphetamin im Abwasser gefunden. Die Studie des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction erforscht den Drogenkonsum von Einwohnern mittels Abwasseranalysen.

Sieben Städte in Europa mit dem meisten Crystal im Abwasser
Stadt Region Methamphetamine (mg/1000 Menschen/Tag)
Chemnitz Sachsen 240,6
Erfurt Thüringen 211,2
Budweis Tschechien / Südböhmen 200,2
Brno Tschechien / Südmähren ca. 187
Dresden Sachsen 180,2
Bratislava Slowakei 149,2
Nürnberg Bayern / Franken 94,8

Grüne verlangen Kampf gegen Crystal zu verstärken

Der Fraktionschef der sächsischen Grünen, Volkmar Zschocke, äußerte sich besorgt über die Entwicklung. Das in Deutschland konsumierte Crystal stamme vor allem aus tschechischen drogenküchen. Er forderte Sachsens Regierung auf, im Kampf gegen Crystal mehr Personal und spezielle Angebote der Suchthilfe zu bezahlen.

Kristalle des Amphetamins Crystal
Crystal, das die Polizei beschlagnahmt hat. Bildrechte: Daniel Peter/dapd

In Chemnitz hätten 2016 insgesamt 292 Frauen und Männer wegen Crystal Hilfe bei einer Beratungsstelle gesucht. Die müssten dauerhaft gefördert werden. "Die Suchthilfe darf nicht nach der durchschnittlichen Einwohnerzahl pro Stadt oder Landkreis bemessen werden. Eine pauschale Mittelverteilung, wie in der neuen Förderrichtlinie Psychiatrie und Sucht festgeschrieben, lehnen wir Grünen ab", sagte Zschocke. Zudem brauche man mehr Polizisten, um den Drogenschmuggel zu bekämpfen und eine bessere technische Ausstattung der Polizei.

Chemnitz hatte zum ersten Mal freiwillig bei der Abwasseranalyse mitgemacht. "Eine große Rolle spielt beim Thema Crystal zweifelsohne die geografische Lage von Chemnitz sagte der Sprecher der Stadt, Robert Gruner MDR SACHSEN. Die damit verbundene Nähe zur professionellen Crystal-Herstellung in Tschechien erleichtere den Erwerb logistisch wie auch preislich.

Studie für Chemnitz ein Signal

Für Chemnitz sei die hohe Belastung mit Methamphetamin ein Signal, Präventionsarbeit im Bereich Sucht und gegen Drogenmissbrauch weiter zu verstärken. So solle unter anderem der Arbeitskreis Drogen von Stadt und Bundespolizei erweitert werden. Außerdem will Chemnitz 2019 alle Kinder und Jugendlichen zum Thema Drogen befragen und die Prävention bei Festivals und Veranstaltungen ausbauen.

Der Stadtsprecher kündigte an, dass Chemnitz auch 2019 wieder bei der Abwasseranalyse mitmachen will, um nachzuverfolgen, wie sich das Thema entwickele.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.03.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2018, 19:11 Uhr

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18 Kommentare

10.03.2018 09:46 Mandy 18

Laut einer MDR-Reportage von exakt vom 31.1.18 trinken in Deutschland 10 Millionen (!) Menschen die Droge Alkohol in gesundheitlich riskanter Form! Angeblich gibt es ca. 74000 (!) Tote jährlich in Deutschland durch Alkoholismus! Dagegen ist Crystal nicht der Rede wert. Und trotzdem wird staatlich legitimiert weiter für die "Volksdroge Alkohol" geworben! Und dann wäre noch die Droge Nikotin zu erwähnen ...

09.03.2018 19:44 mare nostrum 17

@ 15

Möge es munden! -----> Je oller, je doller!
(Oder: Alter schützt vor Torheit nicht.)

09.03.2018 18:45 Freiberger 16

@ 11, Chemnitzer Bub:

Rechnen Sie mal nach:
ein 35-jähriger Drogenkonsument, der 1993 z.B. mit Ecstasy angefangen hat, ist heute wie alt?

Richtig: Er ist 60 Jahre.
Dass nur "Jugendliche" Drogen nehmen, ist ein Klischee aus der Steinzeit. Sowas macht vor keiner Altersgruppe Halt. Genauso wie Alkohol.

09.03.2018 15:07 Fragender Rentner 15

Na mei, da trinken wir demnächst dieses Wasser und sparen so Geld und können uns bestimmt auch hey fühlen. :-)

09.03.2018 11:57 Manistbestandteildesmediensystems (Haseloff) 14

@08.03.2018 21:25 Mandy
(Was soll diese Panik? Die "Spitzendroge" ist und bleibt Alkohol. Crystal ist dagegen nicht der Rede wert.)

Die medizinischen Folgen des CM-Gebrauchs sind ihnen natürlich bestens bekannt....

Wir können jedenfalls festhalten, dass der innereuropäische "freie" Handel offensichtlich funktioniert und die sächsische Landes-, na, ah ja, äh, regierung ihm keine Hemmnisse in den Weg legt. Im Gegenteil: Sie schafft ja durch ihre "Wirtschaftspolitik" bereits seit Jahren ein breites Spektrum an potentiellen Kunden und fördert so Handel und Wandel, bindet das Kapital an Sachsen und schafft Arbeitsplätze in diversen Sozialgewerken. Das ist schön - jedenfalls, wenn man reichlich CM intus hat. Ich gehe natürlich davon aus, dass hier ordentlich versteuert wird...

09.03.2018 11:49 Tim 13

Danke für diesen tollen Kommentar, Chemnitzer Bub!

09.03.2018 11:46 Schmitt 12

Drogen in Sachsens Abwasser wundern mich nicht wirklich. Sächsische Verhältnisse ...

09.03.2018 11:34 Chemnitzer Bub 11

Ist ja echt interessant. Da wird uns täglich mitgeteilt, dass Chemnitz eine alternde Stadt ist, und nun das? Muss daher mal bei unseren Omas und Opas zukünftig etwas genauer hinschauen...Oder ist der rot-grüne Stadtrat etwa daran Schuld (Stichwort Grünen-Abgeordneter Volker Beck)? Dann ist diese Studie noch freiwillig gewesen. Wie wären erst die Ergebnisse von Berlin, Hamburg oder Köln? Fragen über Fragen...
@Max W.: ja, da war die "Innenstadt" zu kommunistischen Zeiten (Stichwort Zenti Umlenkeplatz) noch ein richtiges Zentrum, nor.
Gehören Sie daher etwa auch zu den "Konsumenten" vorm REWE auf dem Am Wall / Düsseldorfer Platz oder der "Zukunft" Leipziger?

09.03.2018 10:59 mare nostrum 10

Sorry, mein Beitrag Nr. 9 bezieht sich auf Nr. 1!

09.03.2018 10:33 mare nostrum 9

@ 2

Und dazu kommt das Leben anderswo in Sachsen:

auf dem Land meistens tötende Einöde (vor allem nach 18 Uhr, weil dann nicht mal der Bus fährt!) mit oftmals in sich geschlossenen Gruppierungen, die versuchen, das Landleben in jenem Ort Ton angebend zu "gestalten";

in den Städtchen vielmals Missgunst, Neid, Geiz oder Größenwahn, Selbstinszenierung und (modische) Peinlichkeiten.

Trotz alledem hält sich der mitdenkende Mensch fern von Sauereien wie Crystal!