29.02.2020 | 18:10 Uhr Eine Konferenz der Tiere auf Schloss Rochsburg

Schloss Rochsburg im Muldental ist nicht nur für seine wunderschöne Lage bekannt, sondern auch für kleine und ungewöhnliche Sonderausstellungen. Seit Sonnabend ist eine "Konferenz der Tiere" zu Gast im alten Gemäuer.

Eine aus Blechen zusammengenietete Katze steht in einem Ausstellungsraum.
Der blecherne Kater von Matthias Garff wird im Schloss Rochsburg bleiben und in Zukunft für museumspädagogische Angebote werben. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Seit Sonnabend "tagen" Vögel, Affen, Katzen und allerlei Insekten des Leipziger Künstlers Matthias Garff auf Schloss Rochsburg. Die Sonderausstellung mit dem Titel "Konferenz der Tiere" ist die erste, die der neue Schlosschef Andreas Quermann nach Rochsburg geholt hat.

Andreas Quermann, Museumsleiter des Schlosses Rochsburg.
Andreas Quermann, Museumsleiter des Schlosses Rochsburg. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

"Ich kenne Matthias Garff schon von anderen Ausstellungen, die ich gesehen habe. Und seine Tiere, die aus Material bestehen, das andere achtlos weggeworfen haben, passen sehr gut hier her." Schließlich liege Schloss Rochsburg einerseits inmitten eines Naturschutzgebietes, andererseits sei hier 800 Jahre nachhaltig gewirtschaftet worden. "Da passt dieses gewitzte Recycling doch sehr gut, um einen Bogen in unsere Zeit zu spannen", ergänzt er.

Vögel aus alten Schuhen und Insekten aus Kronkorken

Der Leipziger Künstler Matthias Garff hat Tiere schon seit seiner frühen Jugend als Motiv entdeckt. Seit seinem Studium in Dresden haucht er Materialien der Wegwerfgesellschaft neues Leben ein.

Der Künstler Matthias Garff.
Der Leipziger Künstler Matthias Garff arbeitet mit Fundstücken vom Schrottplatz. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Seine Tiere sind aus alten Schuhen, Holz- oder Blechresten entstanden. Er freut sich über die räumlichen Möglichkeiten, die das Schloss Rochsburg für seine Ausstellung liefert. "Die großen Räume lassen es zu, dass auch meine größeren Arbeiten nebeneinander zu sehen sind. Das korrespondiert mit dem Titel der Schau. Die Tiere können hier wirklich eine Konferenz abhalten." Schwierig sei eher gewesen, die Arbeiten durch das enge Treppenhaus in den großen Saal zu bringen, aber dort könnten sie ihre Wirkung nun sehr gut entfalten.

"Es gibt aber auch ganz kleine Fundstücke, Kronkorken zum Beispiel. Daraus lässt sich eine ganze Insektensammlung machen." Mittlerweile hätte sich herumgesprochen, mit welchen Materialien er arbeite, sodass ihm auch das eine oder andere Fundstück gebracht werde. "Die Sachen haben schon Gebrauchsspuren, das macht den Reiz des Materials aus."

Insekten aus Kronkorken und Bonbonpapier werden in einem Glaskasten präsentiert.
In Garffs Insektensammlung finden sich Käfer aus Kronkorken und Bonbonpapier Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Erich Kästners "Konferenz der Tiere" als Vorbild

Bei allem Augenzwinkern, mit dem die Garff-Kreaturen betrachtet werden wollen - Erich Kästners Buch "Die Konferenz der Tiere", das der Ausstellung den Titel gegeben hat, eröffnet noch eine weitere Sicht auf die Ausstellung: Wenn bei Kästner die Menschen schon nicht in der Lage sind, die Welt zu retten, dann müssen es eben die Tiere tun. Und schon sieht der Besucher, wie weit der Mensch sich mit seiner Lebensweise von der Natur entfernt hat. Das urbane Tier-Recycling von Matthias Garff lohnt auch deshalb einen zweiten Blick. Zu sehen ist die Ausstellung auf Schloss Rochsburg bis zum 19. Juli 2020.

Erich Kästner: Die Konferenz der Tiere Die Konferenz der Tiere ist ein Kinderbuch des Schriftstellers Erich Kästner von 1949. Kästners erster Roman nach dem 2. Weltkrieg handelt vom Scheitern einer Friedenskonferenz der Menschen. Die Tiere der Welt treffen sich daraufhin zu einer eigenen Konferenz. Sie beschließen, mit ungewöhnlichen Maßnahmen die Menschen zu einer Einigung zu bewegen. Die Nagetiere vernichten sämtliche Akten, Motten fressen die Uniformen aller Teilnehmer auf und entführen sogar die Kinder aus allen Familien der Welt. Sie bringen sie sicher in Verstecken unter, in denen sich Tiere um sie kümmern, während sie glücklich miteinander spielen. Erst dadurch merken die Erwachsenen, wie sinnlos eine Welt ohne Kinder ist und einigen sich auf einen Vertrag. Fortan gibt es keine Grenzen mehr, alle Waffen werden abgeschafft und die Politik wird auf Frieden und das Wohl der Kinder ausgerichtet sein.

Zwei Vögel aus gesammelten Abfällen sitzen auf einer Stange in einem Ausstellungsraum.
Alte Schuhe und weggeworfene Bürsten machen als Vogelpaar eine gute Figur. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 29.02.2020 | 19:00 Uhr

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