02.04.2020 | 12:40 Uhr Schuldirektorin in Döbeln: "Wir kommunizieren viel mehr miteinander"

Schulen in Sachsen stehen im Zuge der Corona-Krise vor neuen Heraussforderungen. Gerade im ländlichen Raum sind die technischen Voraussetzungen beschränkt. Wege der Vermittlung finden sich dennoch, berichtet Grundschul-Direktorin Petra Seidel aus Döbeln im Interview.

Ein Klassenzimmer, Blick zu einer Tafel auf der Viren gemalt sind und ein Text
Bildrechte: Imago/Panthermedia

Gibt es einen Unterschied zwischen der Vermittlung der Lernstoffe bei Grundschülern zu denen bei Schülern in weiterführenden Schulen?

Da gibt es natürlich Unterschiede. Wir müssen den Kindern hier die Grundlagen für die weiterführenden Schulen vermitteln. Wir müssen abwägen, was die Kinder schon können und was nicht. Unsere vierte Klasse ist beispielsweise auf einem anderen Stand als die erste. Derzeit haben wir ein Problem bei der Vermittlung von Lehrinhalten. Eine Videokonferenz ist bei uns nicht möglich. Wir schreiben über ein Programm, das sich Antolin nennt. Es gibt aber auch die Möglichkeit im Notfall die Lehrkräfte anzurufen oder eine Mail zu schreiben.

Welche Hilfestellungen erhalten Sie vom Freistaat?

Da fallen mir keine ein. Wir wurden nicht besser ausgestattet. Für die Schüler gab es keine Hilfe. Weder vom Land noch vom Landesamt für schulische Bildung.

Sie leiten eine Schule im ländlichen Raum. Wie sind Sie aktuell technisch aufgestellt?

Hier im ländlichen Raum gibt es leider noch nicht überall eine ausreichende Internetverbindung. Auch die Eltern sind nicht immer so gut ausgestattet. Wir haben noch nicht mal in allen Schulzimmern eine WLAN-Verbindung. Sehr viel läuft bei uns über die Elternvertreter. Die haben sich schon vor der Corona-Krise eine Kommunikationsplattform geschaffen, die sie jetzt auch nutzen. Dafür danke ich ihnen sehr.

Wie bekommen Ihre Schüler die Aufgaben?

Es gibt bei uns drei verschiedene Formen. Einmal können die Aufgaben über die Homepage abgerufen werden. Oder die Elternvertreter verteilen sie. Zudem haben wir die Möglichkeit, über das Programm Antolin den Kindern die Aufgaben zu erläutern. Außerdem können die Aufgaben in der Schule in Papierform abgeholt werden. Jeder Kollege hat auch seine eigenen Wege entwickelt, um mit den Kindern in Kontakt zu treten.

Es gab Kritik von den Elternräten an der Verteilung der Aufgaben. Wie ist bei Ihnen das Verhältnis von Eltern und Lehrern?

Wir haben einen guten Informationsaustausch. Die Eltern wenden sich über die Elternsprecher an uns. Aber wir mussten auch neu dazu lernen. Wir sind anfangs davon ausgegangen, dass viele Kinder von den Eltern betreut werden. Aber manche Kinder sind tagsüber auch alleine. Und wir können nicht darauf bauen, dass Eltern, wenn sie von der Arbeit kommen, noch beim Lösen der Aufgaben helfen können. Deshalb haben wir auch dazu geraten, die Lernzeiten zu berücksichtigen. Wenn die Zeit von 25 Minuten Deutsch in der ersten Klasse vorbei ist, sollen die Aufgaben weggelegt werden.

Können Sie der Situation auch etwas Positives abgewinnen?

Wir kommunizieren jetzt viel mehr miteinander, auch wenn wir uns nicht sehen können. Zudem beschäftigen wir uns jetzt intensiver mit Materialien. Bestimmte Themen können wir den Kindern nach der Krise sicher auch besser vermitteln - Kindrechte und das Recht auf Bildung. Auch bei der Kommunikation zwischen Eltern und Lehrer haben wir dazugelernt.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.04.2020 | 19:00 Uhr

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