15.08.2019 | 15:38 Uhr Internationales Anti-Atomkraft-Camp in Döbeln

Ein älterer Mann und eine junge Frau im Antiatomkraftcamp
Günter Hermeyer aus Deutschland und Ewa Dryjanska aus Polen sind Teilnehmer des Anti-Atomkraft-Camps in Döbeln. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Seit 40 Jahren engagiert sich Günter Hermeyer gegen Atomkraft. Er ist einer der knapp 50 Teilnehmer des Anti-Atomkraft-Camps in Döbeln. Seit Montag tauschen sich die Aktivisten aus acht verschiedenen Ländern aus und halten Vorträge und Workshops, führen Diskussionen. Öffentlichkeitswirksame Aktionen planen die Campteilnehmer nicht, so Hermeyer. "Es geht eher um eine Strategiediskussion, um Austausch von Informationen und internationale Vernetzung."

Die Aktivisten sind über die internationale Plattform Nuclear Heritage Network verbunden, die das Grundstück in Döbeln vor Jahren gekauft hat. Etwas abgelegen stehen hier die Zelte der Teilnehmer. Der Kontakt zu den Bewohnern von Döbeln beschränkt sich allerdings auf ein freundliches "Hallo" auf der Straße, erzählt Hermeyer. Aber er betont: "Wir wollen uns hier nicht verstecken. Die Leute können auch herkommen und sich mit uns austauschen."

Antiatomkraftbanner in verschiedenen Sprachen
Im Camp in Döbeln hängen Anti-Atomkraft-Banner in verschiedenen Sprachen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Um Austausch geht es auch der polnischen Aktivistin Ewa Dryjanska. Es ist ihr erstes Camp, allerdings war sie schon bei internationalen Konferenzen dabei. Seit 2011 ist sie in der Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv. Der Auslöser für sie war die Katastrophe in Fukushima und wie die japanische Regierung damit umgegangen ist. "Und nun gibt es auch in Polen eine starke Pro-Atomkraft-Bewegung", erzählt sie. "Das Problem ist, dass Atomkraft als Lösung für die Klimakrise verkauft wird." Auf die Gefahren werde nicht hingewiesen.

Auch Günter Hermeyer sieht die Gefahr, dass junge Leute auf dieses Lösungsangebot aufspringen, da sie nicht genug über Atomkraft wissen. "Das wollen wir verhindern und arbeiten daher auch intensiv mit der Fridays-for-Future-Bewegung zusammen", sagt er. Ihm und vielen anderen Aktivisten geht es nicht nur um die Abschaltung der Atomkraftwerke, sondern auch um den Uranabbau als Beginn der nuklearen Kette. "Der Atomausstieg ist in Deutschland politisch angekündigt. Aber er betrifft nicht die Urananreicherungsanlagen und die Brennelementefertigungsanlagen, die andere Länder beliefern."

Das Camp findet Hermeyer wichtig, um Einblicke in Situationen anderer Länder zu bekommen. Die Aktivisten hätten oft Informationen aus erster Hand, die aber kaum öffentlich zugänglich wären. Für Dryjanska geht es auch um die Situation der Aktivisten selbst in anderen Ländern. In Deutschland sei es einfacher, da es hier eine breitere Wahrnehmung des Problems Atomernergie gebe. "In Polen stehen wir ziemlich allein da", sagt sie. "Daher ist es toll, hier so viele Menschen zu treffen, die das gleiche Ziel haben." Das Camp gebe ihr viel Inspiration.

Um radikale Aktionen geht es im Camp nicht. "Hier sind keine radikalen Leute, nur Leute, die sich informieren wollen", sagt Hermeyer. Es gehe darum, nachweisbare, wissenschaftliche Beweise auf den Tisch zu legen. Atomkraft sei eine reale Bedrohung, auch wenn es in Ostdeutschland selbst keine Atomkraftwerke gäbe. In Tschechien und Polen würden neue Kraftwerke geplant, die damit in unmittelbarer Nähe lägen.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.08.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 15:38 Uhr

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