20.09.2019 | 17:00 Uhr Interview mit Volkmar Zschocke: "Wir brauchen eine Mobilitätsgarantie in Sachsen"

Auf dem Land mit Bus und Bahn von A nach B zu kommen, kostet Zeit. Wer die nicht hat, steigt ins Auto. Wie es ohne gehen soll, wollte MDR SACHSEN vom Chemnitzer Grünen-Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke wissen.

 Der Landesvorsitzende der sächsischen Grünen, Volkmar Zschocke
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Herr Zschocke, es wird oft gesagt, dass die Grünen einen Autoverzicht fordern. Doch wie soll das im ländlichen Raum funktionieren?

Wir fordern keinen Autoverzicht, solche Verbotsforderungen werden uns angehängt. Gerade im ländlichen Raum und an den Stadträndern geht es kaum ohne Auto. Dort leben Familien mit kleinen Kindern und auch alte Leute, die nicht ohne Weiteres auf Autos verzichten können. Das geht nur im städtischen Ballungsraum. Ich bin auch grundsätzlich gegen eine Verzichtsforderung. Wir müssen vielmehr Angebote für eine verlässlich funktionierende Alternative zu Autos schaffen. Dann würden viele Leute von sich aus die Angebote nutzen. Gerade Jüngere legen keinen Wert mehr auf Autobesitz, ihnen geht es nur um Mobilität.

Wie genau könnten solche Angebote aussehen?

Wir brauchen eine Mobilitätsgarantie in Sachsen und einen Sachsentakt. Die verschiedenen Verkehrsmittel müssen optimal miteinander vertaktet sein und die Wegeketten flüssig funktionieren. Dazu müssen flexible Angebote für die letzten Wegkilometer in die Dörfer kommen, zum Beispiel Anruflinientaxis oder Shuttleservices. Der Tagfahrplan muss sinnvoll mit Nachtlinien ergänzt werden. Außerdem sollten an Bahnhöfen Mobilitätsstationen eingerichtet werden, von denen aus man mit verschiedenen Fahrzeugen weiterfahren kann. Zum Beispiel mit Fahrrädern oder Carsharing, was per App gebucht werden kann.

Jetzt sagen viele, eine Verbindung in jeden Ort ist wirtschaftlich gar nicht möglich.

Bei der Wasserversorgung führen wir diese Diskussion doch auch nicht. Mobilität gehört zur Grundversorgung. Das ist keine Luxusdebatte. Es ist eine Gerechtigkeitsfrage. Da leben auch Menschen, die keinen Führerschein haben, wie Schüler, die noch nicht volljährig sind oder alte Menschen, die nicht mehr fahren können. Die können nicht einfach abgehängt werden. Natürlich kann der öffentliche Nahverkehr kaum den Individualverkehr ersetzen. Deswegen muss es ergänzende Angebote über Carsharing oder Ähnliches geben. Das hat erhebliches Potenzial auch für den ruhenden Verkehr.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.09.2019 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2019, 16:31 Uhr

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