25.09.2019 | 14:36 Uhr Mit der Rausch-Brille durch den Parcours: "Eine Scheißerfahrung"

8,8 Prozent der 15-bis 17-Jährigen rauchen, mehr als 50 Prozent haben bereits Alkohol getrunken. Die Tendenz ist sinkend, doch die Prävention soll weiter ausgebaut werden. Zu diesem Zweck starten am Mittwoch die Jugendfilmtage unter dem Motto "Nikotin und Alkohol - Alltagsdrogen im Visier" in Döbeln. Durch Spielfilme und Mitmach-Aktionen sollen sich Schüler mit dem Thema auseinandersetzen.

Jugendliche rauchen Joints und trinken Bier
In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen gaben 8,8 % im 3. Sächsischen Drogen- und Suchtbericht an, geraucht zu haben. Bildrechte: Colourbox.de

Eine Schülerin absolviert mit der Rausch-Brille einen Parcours. "Es ist, als würde es die ganze Zeit bergab gehen. Und man sieht auch nicht richtig", beschreibt sie ihre Erfahrung. Sie ist 13 und hat bisher nie Alkohol probiert. Und nach dem Versuch mit der Rausch-Brille? "Lieber nicht. Es war eine Scheißerfahrung."

"Alkohol und Rauchen werden oft verharmlost und gelten als cool", so Oberbürgermeister Sven Liebhauser am Mittwoch zur Eröffnung der Jugendfilmtage in Döbeln. "Die Jugendfilmtage sind ein wichtiger Aufklärungsbeitrag und ich freue mich, dass Döbeln der Auftakt für Mittelsachsen ist."

Unter dem Motto "Nikotin und Alkohol - Alltagsdrogen im Visier" haben die Jugendfilmtage das Ziel ist es mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und Impulse zu geben, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Rund 450 Schüler von der 7. Klasse bis zu Berufsschülern nehmen am Mittwoch und Donnerstag in Döbeln teil. Jede Klasse durchläuft zunächst in kleinen Gruppen sechs Mitmach-Aktionen. Unter anderem gibt es ein Quiz, einen Parcours mit einer Rausch-Brille und eine alkoholfreie Cocktailbar. Zehn Minuten sind pro Station eingeplant.

Jugendliche erzählen über erste Alkoholerfahrungen

An der alkoholfreien Cocktailbar erzählen einige Schüler einer 8. Klasse, dass sie bereits Alkohol probiert haben. "Ich habe schon Eierlikör und auch einen Schluck Wodka probiert", erzählt einer von ihnen. Bekommen habe er die Getränke von den Eltern auf einer Familienfeier. "Ich hatte schon Mischgetränke und Bier", sagt ein anderer. Gekauft habe es ein älterer Freund für ihn.

Alkoholkonsum in Sachsen Von allen Befragten gaben 75,5 Prozent an, in den letzten 30 Tagen Alkohol konsumiert zu haben. Dies entspricht hochgerechnet 1,9 Millionen Einwohnern. Der Anteil der Männer war höher (80,5 Prozent) als der Anteil der Frauen (70,3 Prozent). Im Hinblick auf die Altersgruppen konsumierten in den letzten 30 Tagen am häufigsten die 40- bis 59-Jährigen (80,3 Prozent) und die 18- bis 24-Jährigen (79,5 Prozent) Alkohol. Bei Jugendlichen betrug der Anteil der Alkoholkonsumierenden etwas mehr als die Hälfte (53,1 Prozent). 3. Sächsischer Drogen- und Suchtbericht 2019

"Viele wissen nicht, was risikofreier Konsum ist", sagt Anja Maatz von der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen. Deswegen nütze es auch nichts, nur die Kinder zu erreichen. Die Jugendfilmtage richten sich deswegen an Schüler, Lehrer und auch an die Eltern. Für den Elternabend am Mittwoch gibt es rund 50 Anmeldungen.

Nikotinkonsum in Sachsen In Sachsen geht man anhand von Hochrechnungen von 764.000 Rauchern in der 15- bis 64-jährigen Bevölkerung ausgehen. Dies entspricht einem Anteil von 30,1 Prozent. Nach wie vor ist der Anteil der rauchenden Männer mit 39,4 Prozent fast doppelt so hoch wie der Anteil der rauchenden Frauen (20,2 Prozent). Es zeigte sich, dass unter den 25- bis 39-Jährigen am meisten geraucht wurde (38,5 Prozent). In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen gaben 8,8 Prozent, an geraucht zu haben. 3. Sächsischer Drogen- und Suchtbericht 2019

"Natürlich kommen hier die Eltern, die sich sowieso schon informieren", sagt Maatz. "Wir schauen gerade, wie wir auch die anderen erreichen." Eine Möglichkeit wird bei den Mitmach-Aktionen gegeben. Beim Thema Nikotin werden die Kinder gefragt, ob sie jemanden kennen, der raucht. Einige geben hier die Eltern an und bekommen einen rauchfrei-Kalender für diese mit nach Hause.

Eine junge Frau sitzt  hinter leeren Bierflaschen.
Im 3. Sächsischen Drogen- und Suchtbericht gaben über die Hälfte der Jugendlichen an, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Bildrechte: dpa

Vier verschiedene Spielfilme werden bei den Jugendfilmtagen in Döbeln gezeigt. "Es sind bewusst keine Lehrfilme mit erhobenem Zeigefinger", so Maatz. "Das Lächeln der Tiefseefische", "Nick & Norah", "Komasaufen" und "The spectacular now: Perfekt ist jetzt" zeigen starken Alkoholkonsum im alltäglichen Umfeld.

Bei "Nick & Norah" gibt es beispielsweise eine Szene, in der die stark betrunkene Freundin sich den Kopf an der Autotür anstößt und niemand darauf reagiere. "Und an solchen Stellen können die Lehrer dann ansetzen, um die Filme mit den Schülern zu bewerten", so Maatz.

Jugendfilmtage Sachsen Die Jugendfilmtage werden von der Fach-und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen in Kooperation mit sächsischen Städten und Kommunen und der Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung veranstaltet.

Ziel ist unter anderem die Stärkung eines risikobewussten Umgangs mit Alkohol und Nikotin und Förderung einer Konsumminderung.

Weitere Termine

18.11. und 19.11.2019 in Meißen

21.11. und 22.11.2019 in Radebeul

Im Jahr 2020 werden die Jugendfilmtage in Leipzig, Dresden, Hoyerswerda und im Landkreis Bautzen Station machen.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 13.08.2019 | 20:00 bis 23:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 14:36 Uhr

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