27.02.2020 | 21:28 Uhr Schock und Empörung wegen Aus für Florena in Waldheim

Mehrere Creme-Döschen mit der Aufschrift: "Florena".
Bildrechte: dpa

In Waldheim herrscht nach dem angekündigten Aus für das Florena-Werk große Betroffenheit. Bürgermeister Steffen Ernst sagte am Freitag im MDR, die vom Mutterkonzern für 2023 angekündigte Schließung des Traditionsbetriebs sei eine Schocknachricht, die ihn kalt erwischt habe. Zugleich verwies er auf die Konsequenzen für die Kleinstadt im Kreis Mittelsachsen. Zum einen würden Arbeitsplätze verlorengehen und wahrscheinlich einige Betroffene aus Waldheim wegziehen. Zum anderen fehlten Waldheim künftig wichtige Gewerbesteuereinnahmen. Die Folgen für den Haushalt und die Stadtentwicklung seien noch nicht absehbar.

Ein Stück Identität geht verloren

Luftaufnahme des Florena-Werks in Waldheim
Das Florena-Werk in Waldheim. Bildrechte: MDR

Auch der Landrat von Mittelsachsen, Matthias Damm, zeigte sich betroffen vom Weggang des Kosmetikherstellers. Die Region verliere einen großen Arbeitgeber, viele Beschäftigte und deren Familien stünden vor Veränderungen und Entscheidungen. Selbst für die nicht direkt betroffenen Waldheimer bedeute die Entscheidung des Beiersdorf-Konzerns einen Verlust, sagte Damm. Das einstige Florena-Werk sei fest mit Waldheim und den umliegenden Orten verbunden. Die Menschen würden sich mit ihm identifizieren.

170 Jahre Tradition in Waldheim

Eine runde Büchse Florena-Creme
Die Marke Florena gibt es seit 1920. Bildrechte: "Beiersdorf AG"

Die Geschichte der Kosmetikproduktion in Waldheim reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, die Traditionsmarke existiert seit 100 Jahren. Gern hätte Bürgermeister Ernst gesehen, das Beiersdorf den Standort in seiner Stadt ausgebaut hätte, räumte aber ein: "Unser Gewerbegebiet ist zu 87 Prozent ausgelastet und in der Größenordnung hätten wir momentan keine Chance gehabt." Dass Beiersdorf sich allerdings komplett aus Waldheim zurückzieht, sei für ihn völlig überraschend gewesen. Ernst war nach eigenen Worten davon ausgegangen, dass Seehausen ein weiterer Florena-Standort in Sachsen sein solle und nicht ein Ersatzstandort für Waldheim.

Linke kritisieren Strukturpolitik

die Fläche für das neue Florena-Werk in Leipzig
Die Fläche für das neue Florena-Werk in Leipzig-Seehausen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die von Beiersdorf verkündete Werksverlagerung hat in der Landespolitik vor allem bei der Linken heftige Kritik ausgelöst. Sie sprachen in einer Erklärung von einem öffentlich finanzierten Zwangsumzug von Beschäftigten und der Herstellung einer Industrieruine in Waldheim. Damit werde der ländliche Raum weiter geschwächt. Die Linke wolle alles tun, um dies zu verhindern. Das sächsische Wirtschaftsministerium bestätigte auf Anfrage von MDR SACHSEN, dass Beiersdorf in der Tat einen Fördermittelantrag für den 220 Euro Millionen teuren Neubau bei Leipzig gestellt hat. Über den Antrag sei aber noch nicht entscheiden worden und es sei auch noch kein Geld geflossen, betonte eine Ministeriumssprecherin.

Beiersdorf will Beschäftigte mitnehmen

Der Beiersdorf-Konzern sprach in seiner Pressemitteilung am Mittwoch von einem neuen Werk für die 280 Florena-Mitarbeiter. Die Belegschaft verdiene ein hochmodernes Werk, dessen Errichtung in Waldheim aber technisch nicht möglich sei. Allen Beschäftigten werde ein Stellenangebot für den Standort Seehausen ab 2022 unterbreitet, in der Hoffnung, dass es so viele wie möglich annehmen.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.02.2020 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

17 Kommentare

deBernd vor 22 Wochen

Wie einer meiner Kollegen im ersten Nachwendejahr zu sagen pflegte... "Die sind die Sieger und wir sind die Besiegten" Das bezog sich auf die damalige sogenannte "Treuhand" und heute hätte er auch recht gehabt. Was kümmert dem Wessi das Elend im östlichen Ländlichen Raum, wenn es um das Wohl der Aktionäre geht. Als Mensch bist du nichts wert, es sei denn man kann dich Schröpfen und Verarschen bis zum geht nicht mehr.

Atheist vor 22 Wochen

Ich habe immer Florena benutzt auch nach der Wende.
Als allerdings Florena auf den West Zug Öko aufgesprungen ist, oh Konservierung wo die Creme offen nach einen Tag hart wie Stein und Gelb aussieht bin ich auf ein anders Produkt umgestiegen.
Den Westen nacheifern hat viele Ostprodukte ins Chaos gestürzt so auch Halloren die nie bei ihrem Orginal geblieben sind.

winfried vor 22 Wochen

250 Arbeitsplätze weg ?! … bringt Stimmen(Stimmung) für die AfD.
Und dass noch kein Fördergeld geflossen ist, bedeutet gar nichts.
Bleibt immer noch der Hinweis "Ausland", als Entscheidungshilfe.

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