04.09.2019 | 05:30 Uhr Sachsen hat gewählt - Ein Stimmungsbild aus Rochlitz

Rochlitz, eine Kleinstadt im Landkreis Mittelsachsen, knapp 6.000 Einwohner. Wie fast überall in Sachsen wählten die meisten Menschen hier CDU oder AfD. Und jetzt? Wie nehmen sie den Wahlausgang auf? MDR SACHSEN ist nach der Wahl in der Stadt unterwegs. Eine schwierige Recherche. Trotz besten Sommerwetters sind nur wenige Menschen unterwegs. Noch weniger wollen sich äußern. Und die Bürger, die bereit sind zu reden, wollen ihren Namen nicht nennen.

Schloss Rochlitz
Schloss Rochlitz Bildrechte: MDR/Anett Linke

"Ich bin sehr enttäuscht über das Wahlergebnis", sagt eine Ladenbesitzerin aus Rochlitz. "Jetzt geht alles so weiter wie die letzten 20 Jahre." Die CDU tue vor allem nichts für die Umwelt. Sie möchte Veränderung. Michael Kretschmer mag sie. "Der ist rührig. Es ist aber fraglich, ob er gegen die anderen in seiner Partei ankommt." Sie selbst ist schon viele Jahre selbstständig und denkt, dass die Politik zu wenig für die kleinen Leute tut. Der AfD ist sie allerdings auch nicht zugeneigt. "Die haben nur ein Ausländerprogramm und sonst nichts."

In Rochlitz haben die meisten Bürger bei der Landtagswahl für die CDU gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei überdurchschnittlichen 72,2 Prozent. Rochlitz brauche neue Ladenbetreiber, erzählt eine andere Geschäftsfrau. Und eine Bahnanbindung der Stadt wäre für sie wichtig. Aktuell ist Rochlitz nur mit Bussen oder dem Auto zu erreichen.

Schloss Rochlitz
Bildrechte: MDR/Anett Linke

Rochlitzer sind unzufrieden mit dem Wahlergebnis

Danach gefragt, wie er das Wahlergebnis findet, sagt ein Selbstständiger, er möchte sich lieber nicht äußern. "Ich habe meine Meinung, aber die sage ich nicht." Er wolle niemanden vor den Kopf stoßen und halte sich da lieber raus.

Andere Bürger sind dagegen aufgeschlossen, über das Wahlergebnis zu diskutieren. Ein Mann erzählt, er habe für die Freien Wähler gestimmt. Er ist unzufrieden mit dem Wahlergebnis. "Ich stehe nicht auf die CDU", sagt er. Er arbeitet bei einer Fleischerei und wünscht sich, dass die Politik auch etwas für den kleinen Bürger tut. Gerade Arbeitsplätze sollten geschaffen werden, damit nicht so viele junge Leute wegziehen.

Rochlitz Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 165,4 m ü. NN
Fläche: 23,06 km²
Einwohner: 5.788
Ausländeranteil der Verwaltungsgemeinschaft Rochlitz mit den Gemeinden Königsfeld, Seelitz und Zettlitz: 1,48%

Zwei weitere Bürger kommen zu dem Gespräch dazu. Sie sind Handwerker in der Stadt, erzählen sie. Auch sie sind nicht zufrieden mit dem Wahlergebnis. "Sie [ die CDU, Anmerk. d. Red.] haben doch 30 Jahre nichts auf die Reihe bekommen", sagt einer von ihnen. Er wünscht sich zumindest eine neue Koalition. "Die CDU muss sich mal bewegen und vielleicht doch mal mit der AfD reden. Die SPD muss weg." Besonders eine Stärkung des Mittelstandes sei wichtig. "Und es muss alles mal schneller gehen." Ein anderer sagt, man könne jede Partei wählen, es gehe am Ende immer nur ums Geld.

Wahlergebnis Rochlitz
Bildrechte: MDR/23degrees

Michael Kretschmer ist in Rochlitz beliebt

Michael Kretschmer sei ein guter Mann, darin sind sich alle drei einig. "Aber er muss sich jetzt ordentliche Partner suchen." Ein Imbissbesitzer schließt sich der Runde an. Seine Identität will er nicht preisgeben. Der Gastronom, ganz offensichtlich mit Migrationshintergrund, erzählt stolz, dass er AfD gewählt habe. "Nur mit der AfD gibt es Zukunft", sagt er. Eine bizarre Situation. Die anderen drei erzählen, dass es in Rochlitz jede Menge Ausländer gebe, die alles vom Staat bekommen. Der Ladenbesitzer nickt zustimmend. Allerdings: Der Ausländeranteil in der Verwaltungsgemeinschaft Rochlitz mit den Gemeinden Königsfeld, Seelitz und Zettlitz liegt nach Angaben des Einwohnermeldeamts derzeit bei 1,48 Prozent. "Viele Deutsche leben unter der Brücke und die Ausländer bekommen Geld", fährt einer der Handwerker fort. "Obdachlose sind doch aber selbst Schuld. In Deutschland gibt es alles", sagt dagegen der Ladenbesitzer. Es gehe doch aber um die Ergebnisse der Landtagswahlen und nicht um die Bundespolitik, besinnt man sich in der Runde. Insgesamt, da sind sie sich einig, werde die AfD von den Medien zu schlecht dargestellt. "AfD-Wähler können doch nicht alle rechts sein", so ihr Fazit.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.09.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2019, 05:30 Uhr

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