24.11.2019 | 10:00 Uhr Abschied von Sternenkindern: Fotograf hilft Eltern

Wenn ein Kind vor der Geburt oder kurz danach stirbt, bedeutet das für Eltern unfassbares Leid. Nur wenige Augenblicke bleiben den Eltern mit ihrem "Sternenkind". Ein ehrenamtliches Projekt hilft, die Erinnerung an die verstorbenen Säuglinge zu bewahren. Bastian Berthold ist für die Initiative als Fotograf unterwegs.

Diese Bilder haben Fotografen von "Dein Sternenkind" für Eltern gemacht.
Bildrechte: Dein-Sternenkind.eu

Im Dezember 2018 passiert Denise Schoof das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann: Ihr kleiner Sohn Magnus ist nach der Geburt nicht überlebensfähig und stirbt nur zwei Tage später. Eine Nachtschwester weist sie damals auf die Möglichkeit hin, einen Sternenkinderfotografen zu holen. "Wir haben uns dann nach langem Hin und Her dafür entschieden", erzählt Schoof. Bastian Berthold ist der Fotograf, der zu ihr ins Krankenhaus kommt, um Bilder zu machen, während ihr Sohn noch lebt. Nach zwei Tagen kommt er zurück, um auch den Verlust fotografisch zu begleiten.

Bilder bleiben

"Bilder sind meist das Letzte, was man von einem geliebten Menschen hat", so Schoof. "Es sind wichtige Erinnerungsstücke, an denen man sich festhalten kann." Die Fotos haben ihr bei der Verarbeitung des Verlusts sehr geholfen, erzählt Denise Schoof. Die Bilder ihres Sohnes stehen bei Familien und Freunden und so würde er nicht vergessen.

Denise Schoof
Denise Schoof ließ ihr Sternenkind Magnus im Dezember von 2018 von Bastian Berthold fotografieren. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Die Gefühle bei der Ankunft im Krankenhaus sind für Bastian Berthold schwer zu fassen. "Es ist unbeschreiblich", sagt er. "Es ist nicht nur Trauer, sondern auch ganz viel Liebe." Seit Anfang 2018 engagiert sich Berthold ehrenamtlich als Sternenkinderfotograf. 26 Einsätze hatte der Hobbyfotograf aus Geringswalde bereits.

Er ist über die Plattform dein-sternenkind.org vor allem in Chemnitz und Mittweida unterwegs. "Wir haben einen Alarmkreis von 100 Kilometern. Sobald sich ein Krankenhaus meldet, werden alle Fotografen aus diesem Kreis informiert", so Berthold. In einem Forum sprechen sich die Fotografen ab, wer Zeit hat, den Einsatz zu übernehmen. "Gerade bei Kindern aus den ersten Schwangerschaftswochen muss es schnell gehen", sagt Berthold.

Gedenkstätte für Sternenkinder auf dem Friedhof Hartha
Auf dem Friedhof in Hartha gibt es seit Juni 2019 eine Gedenkstätte für Sternenkinder. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Bei seinem ersten Einsatz war der 34-Jährige noch sehr aufgeregt und unsicher. "Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt", erzählt er. "Und ich wusste nicht, ob ich das hinbekomme, schöne Bilder zu machen." Inzwischen kennt er sich aus und weiß, wie er den Familien zu schönen Erinnerungsstücken verhelfen kann. "Oft unterstützen mich auch die Hebammen und Schwestern dabei, auf wenig Platz viel Fotografie zu machen."

Jeder Einsatz als Sternenkinderfotograf ist anders

Dabei ist jeder Einsatz anders. "Manche Eltern wollen das Kind gar nicht aus der Hand geben", so Berthold. "Und manche wollen es gar nicht anfassen." Für ihn ist es wichtig, dass noch mehr Eltern und Krankenhäuser von den Sternenkinderfotografen erfahren. "Es ist immer noch ein Tabuthema und wer nicht betroffen ist, weiß nicht, dass es diese Möglichkeit gibt."

Sternenkinderfotograf Bastian Berthold
Bastian Berthold engagiert sich seit Anfang 2018 ehrenamtlich als Sternenkinderfotograf. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Mit vielen Familien hat Berthold auch nach dem Einsatz noch Kontakt. "Ich bin kein Trauerbegleiter, aber zum Austauschen über bestimmte Dinge bin ich gern bereit." Belasten würden die Sternenkinder ihn nicht. "Es begleitet einen schon und man denkt oft daran", sagt er. "Aber wenn ich nach Hause komme, umarme ich meine Kinder und rede mit meiner Frau. Das hilft sehr."

Der Dank der Eltern ist Lohn genug

Geld bekommt er für seine Arbeit nicht, er macht es rein ehrenamtlich. "Ich würde auch gar kein Geld von den Eltern annehmen", sagt er. "Der Dank der Eltern ist mir Lohn genug."

Denise Schoof ist inzwischen wieder schwanger und freut sich auf die Geburt ihres Kindes Ende März. "Ich denke oft an meinen Sohn zurück", sagt sie. "Mit Trauer, aber auch mit viel Liebe, Freude und Glück." Er hätte nicht gewollt, dass sie den Kopf in den Sand stecke. Jetzt plant sie ein Babybauchshooting. Die Fotos soll Bastian Berthold machen.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.11.2019 | 19:00 Uhr

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